Lebensdaten
1881 bis 1965
Geburtsort
Altona
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
konfessionslos
Normdaten
GND: 118569023 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lamszus, Wilhelm

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Zitierweise

Lamszus, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118569023.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Christoph (1846–1914), Schuhmacher, aktiver Sozialdemokrat zuerst in Skungerren (Ostpreußen), später in Hamburg-Altona;
    M Wilhelmine Stepputat (1850–1928);
    1) 1918 (⚮) N. N., 2) 1926 Lucia Krahl (1903–69);
    2 S, 1 T.

  • Leben

    L. besuchte nach der Schule in Hamburg das Lehrerseminar und wurde Volksschullehrer. Seine ersten Publikationen, teilweise zusammen mit dem Kollegen Adolf Jensen, waren reformpädagogische Streitschriften (Unser Schulaufsatz, ein verkappter Schundliterat, 1910; Der Weg zum eigenen Stil, 1911). In ihnen wandte er sich gegen die Einengung der kindlichen Phantasie, besonders in ihrer sprachlich-literarischen Äußerung. 1912 erschien seine Erzählung „Das Menschenschlachthaus, Bilder vom kommenden Krieg“. Sie prognostizierte den 1. Weltkrieg bis in einzelne Abläufe und militärisch-technologische Details und suchte vermittels einer geschickt gewählten, schrittweise desillusionierten Heldengestalt kriegsverherrlichende Mythen zu zerstören. Er wurde durch sie mit einem Schlag berühmt und (bes. in völkischen Kreisen) verfemt. Versuche, ihn aus dem Schuldienst zu entfernen, scheiterten freilich. L.s Erzählung, im März 1915 verboten und 1919 (verbunden mit der Fortsetzung „Das Irrenhaus“) mit einem Vorwort von Carl v. Ossietzky neu herausgegeben, erreichte rasch hohe Auflagen (bis 1928 80 000 Exemplare, zuletzt 1980). 1914/15 mußte L. Kriegsdienst leisten, danach war er wieder Lehrer in Hamburg. Bis 1918 stand er der SPD nahe und gehörte dem sozialdemokratischen Lehrerverein an, der in der Öffentlichkeit als „Sozialwissenschaftliche Vereinigung“ auftrat. 1919-27 war er Mitglied der KPD. 1933 erhielt der seit 1919 an einer Versuchsschule in Barmbek unterrichtende L. Schreibverbot und wurde bei Kürzung seiner Pension in den Ruhestand versetzt. Seine im selben Jahr anstehende Berufung als Professor der Pädagogik nach Braunschweig zerschlug sich. Ein noch vor dem Machtantritt der Nationalsozialisten entstandenes Buch über den nächsten Weltkrieg, von L. richtig als Bombenkrieg vorausgesehen, fand keinen Verleger mehr (es erschien 1946 u. d. T. „Der große Totentanz, Gesichte und Gedichte vom Krieg“). Bis 1945 schrieb L. zuweilen Beiträge für das Feuilleton des „Hamburger Anzeigers“ unter den Pseudonymen Paul Willis und Lucia Kahl. Nach 1945 kehrte er nicht mehr in den Schuldienst zurück und schlug 1946 eine Berufung als Rektor der Pädagogischen Hochschule Berlin aus gesundheitlichen Gründen aus. Er arbeitete noch einige Jahre für den Norddeutschen Rundfunk Hamburg, ohne jedoch spürbaren Einfluß auszuüben. Auch seine neuen Abhandlungen „Pädagogische Dilettanten oder Gehorsame Erzieher“ (1948), ein Beitrag zur Reform der Lehrerbildung, und „Das Geheimnis der Gesundheit“ (1950) fanden kaum Widerhall. Dennoch haben vor allem L.s Überlegungen zum freien Schulaufsatz im Zusammenhang der jüngsten Reform des Deutschunterrichts erneut Aufmerksamkeit gefunden. – Dr. phil. h. c. (Humboldt-Univ. Berlin 1960).

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Sächs. Ges. d. Wiss. Leipzig (1892); Ehrenmitgl. d. American Hist. Ass. (1906), Dr. phil. h. c. (Columbia/New York

    1904, St. Andrews/Edinburgh 1911, Kristiania/Oslo 1911); Geh. Hofrat (1903).

  • Werke

    Weitere W u. a. Thomas Münzer, Eine Tragödie d. Prophetentums, 1909;
    Die Poesie in Not, Ein neuer Weg z. literar. Genesung unseres Volkes, 1913 (mit A. Jensen);
    Der verlorene Sohn, Eine Gesch. aus d. Fremdenlegion, 1914;
    Die Begabungsschule, Ein Btr. z. geistigen Wiedergeburt, 1919;
    Der Kinder Land, Gedanken z. Neuaufbau, 1919;
    Der Leichenhügel, Gedichte während d. Krieges, 1921;
    Was Kinder erzählen, Kinderaufsätze, 1932;
    Kindgemäßer Aufsatzunterricht, 1948;
    Antikrieg, in: Neue Dt. Lit. 10, 1962, H. 10, S. 157-60.

  • Literatur

    W. Bredel, Ein Hamburger Schullehrer, in: Neue Dt. Lit. 3, 1955, H. 9, S. 150 f.;
    Gesch. d. dt. Lit., hrsg. v. H. G. Thalheim u. a., 9, 1974, S. 467-70;
    M. Christadler, Kriegserziehung im Jugendbuch, 1978, S. 306-16;
    B. Gleim, in: Jb. f. Lehrer 5, 1980, S. 372-83 (P);
    Anhang zu: Das Menschenschlachthaus, Ausg. 1980, S. 121-214 (W-Verz., P);
    Lex. d. Päd. III, 1954;
    Kürschner, Lit.-Kal., Nekr. 1938-70 (mit Bibliogr. d. Rundfunkbtrr);
    Lex. dt.-sprachiger Schriftsteller, 21974.

  • Autor/in

    Wolfgang Emmerich
  • Empfohlene Zitierweise

    Emmerich, Wolfgang, "Lamszus, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 472 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118569023.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA