Lebensdaten
1879 bis 1958
Geburtsort
Preßburg
Sterbeort
Weybridge bei London
Beruf/Funktion
Tänzer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118568434 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Laban, Rudolf von (Künstlername)
  • Laban de Varalja, Rudolf
  • Laban, Rudolf von (Künstlername)
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Zitierweise

Laban de Varalja, Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118568434.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Rudolf (1843–1907), k. u. k. FML, S d. Hausbes. Anton L. in P. u. d. Maria Steinmaszier;
    M Maria Theresia (* 1858), T d. Oberstabsarztes Dr. med. Joh. Bridling in P. u. d. Elise Eberle.

  • Leben

    Bereits als Jugendlicher befaßte L. sich mit dem dramatischen Tanz und inszenierte während seiner Militärzeit (Theresian. Militärakademie bis 1900) sein erstes chorisches Tanzfest. In Paris studierte er bis 1907 bildende Kunst und Tanz. 1907-10 lebte L. in Wien und kam anschließend nach Deutschland, wo er als Tänzer u. a. in Leipzig und Dresden arbeitete. 1910 gründete er in München seine erste Schule mit dem Ziel, tänzerische Bewegungsformen außerhalb des klassisch-akademischen Balletts zu finden. 1913-18 unterrichtete er in der Künstlerkolonie Monte Verità bei Ascona. Hier begann er mit der Tänzerin Mary Wigman seine Lehre von den zwölf Bewegungsrichtungen des Körpers im Raum zu erarbeiten, die für die Entwicklung des modernen Tanzes in Deutschland entscheidend wurde. In den 20er Jahren gründete er u. a. in Stuttgart, Mannheim, Würzburg, Hamburg und Berlin Tanzgruppen, Bewegungschöre und Gymnastikschulen. – Neben einer Systematik entwickelte er eine Philosophie des Tanzes. In dieser „Choreosophie“ (Die Welt des Tänzers, 1922) postulierte er die Harmonisierung des in der technologischen Welt degenerierten Menschen durch den Einklang von Körper, Seele und Geist. Für L. war das Kunstwerk Tanz Abbild kosmischer Zusammenhänge, die der Tänzer affektiv erlebe und durch seinen Körper künstlerisch ausdrücke. Daher der Begriff „Ausdruckstanz“ für die von L. theoretisch begründete Tanzrichtung. Er erstellte ein umfassendes pädagogisches System der körperlichen Bewegungsmöglichkeiten, das er in seiner eigenen Tanzschrift, der Kinetographie, niederschrieb, die später zu einer weltweit verbreiteten Bewegungsschrift wurde. In seiner praktischen Arbeit konzentrierte sich L. auf den Laientanz im Bewegungschor. Er forderte die tänzerische Gemeinschaft als Grundlage einer gesamtkulturellen Erneuerung. Seine Theorie einer neuen Festkultur, einer kosmischeurhythmisch hergeleiteten Lebenserhöhung des einzelnen in der tänzerischen Gemeinschaft, leistete der Massenideologie des Nationalsozialismus deutlichen Vorschub. 1930-34 war L. Ballettdirektor der Berliner Staatsoper, 1934 organisierte er die ersten deutschen Tanzfestspiele, mit Hanns Niedecken-Gebhard und Carl Diem bereitete er die Festspiele zu den Olympischen Spielen 1936 mit 10 000 Laientänzern vor. Nach dieser Apotheose nationalsozialistischer Körperkultur emigrierte L. nach Paris, dann nach England. In Dartington Hall gründete er mit Lisa Ullmann das „Art and Movement Studio“, wo er sich ganz der bewegungspädagogischen und ergonomischen Forschung widmete. Sein „Modern educational dance“ (1948) hat die Tanzpädagogik der angelsächs. Länder entscheidend beeinflußt, während seine Arbeit in Deutschland weitgehend in Vergessenheit geriet. Dennoch ist der Einfluß L.s auf die bewegungstheoretische und tanzpraktische Entwicklung der modernen, nicht-klassischen Tanzform in Deutschland von ausschlaggebender Bedeutung.

  • Werke

    Choreographien f. Bewegungschor: Der schwingende Tempel, 1922;
    Narrenspiegel, 1926;
    Ritterballett, 1927;
    Titan, 1927. -
    Veröff.: Choreographie, 1926;
    Gymnastik u. Tanz, 1926;
    Des Kindes Gymnastik u. Tanz, 1926;
    Schrifttanz, 1927;
    The Mastery of Movement on the Stage, 1950;
    Principles of Dance and Movement Notation, 1956.

  • Literatur

    F. Böhme, Tanzkunst, 1926;
    R. Lämmel, Der moderne Tanz, 1928, S. 65-104;
    Singchor u. Tanz, 1929 (Zeitschr.) Sonder-Nr. f. R. v. L.;
    S. Thornton, A Movement Perspective of R. L., 1971;
    S. Au, in: Dance magazine, Juni 1979, S. 102-05;
    H. Koegler, Die Tanzfarm vom Monte Verità, in: Ballett 1979, Chronik u. Bilanz d. Ballettj., 1979;
    C. Perrottet, Über d. Werk R. v. L.s, in: Ballett-Info 10, Dez. 1979, S. 11-13 (P);
    K. Peters (Hrsg.), in: Die Tanzarchiv-R. 19/20, 1979;
    H. Koegler, Vom Ausdruckstanz zum „Bewegungschor“ d. dt. Volkes, R. v. L., in: K. Corino (Hrsg.), Intellektuelle im Bann d. Nationalsozialismus, 1980;
    Rhdb. (P);
    Kosch, Theater-Lex.;
    Riemann (W, L);
    Hedwig Müller u. N. Servos, Von Isadora Duncan bis Leni Riefenstahl, in: Ballett Internat, April 1982, S. 14-18.

  • Portraits

    Phot. in: W. Sorell, The Mary Wigman Book, 1973, S. 31.

  • Autor/in

    Hedwig B. Müller
  • Empfohlene Zitierweise

    Müller, Hedwig B., "Laban de Varalja, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 361-362 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118568434.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA