• Genealogie

    V Carl (* 1847), Kaufm., Geschäftsführer in H., S d. Musikers Joh. Heinrich Christoph u. d. Christine Maria Louise Hoffmann;
    M Helene (* 1865), T d. Privatmanns Asmus Hinrich Beuthien u. d. Margaretha Catharina Köhn;
    Hamburg 1924 Amelie Boehm (* 1898) aus Fürth (Bayern);
    2 S.

  • Leben

    Nach dem 1914 in Bad Oldesloe abgelegten Abitur nahm K. als Freiwilliger am Krieg teil, führte zuletzt als Leutnant eine Maschinengewehrkompanie, wurde mehrmals verwundet und schließlich aus dem Lazarett nach München entlassen, wo er 1918/19 das Studium der Staatswissenschaften und der Anthropologie begann. Im Freikorps Epp beteiligte er sich an der Niederwerfung der Münchner Räteherrschaft. K. war Assistent am Anthropologischen Institut der Univ. München, wo er sich mit „Typenforschung“ beschäftigte, und 1920-23 nebenamtlich leitender Sportlehrer an der Infanterieschule in München. Schon vor dem Krieg hatte K. als Mittel- und Langstreckenläufer sportliche Erfolge erzielt. 1919 war er Süddeutscher Meister über 5 000 und 10 000 Meter sowie Deutscher Meister über 5 000 Meter. Durch seine sportlichen Leistungen und als erfolgreicher Trainer von Mittel- und Langstreckenläufern machte K. die Reichswehrführung auf sich aufmerksam. 1924 wurde er als Sportlehrer und wissenschaftlicher Unterrichtsleiter an die Heeressportschule Wünsdorf b. Zossen berufen. Er konzipierte die Sportvorschrift für das Heer, führte anthropometrische Massenuntersuchungen durch, die zur Grundlage einer sportlichen Veranlagungsprüfung für die in das 100 000-Mann-Heer eintretenden Freiwilligen gemacht wurden, und trainierte erfolgreiche Leichtathleten (Emil Hirschfeld, Weltrekordler und Olympiadritter im Kugelstoßen 1928, Erwin Huber, Olympiavierter im Zehnkampf 1936). Er war Vorsitzender des Verbandes Deutscher Sportlehrer (1925–30), Lehrbeauftragter an der Deutschen Hochschule für Leibesübungen in Berlin und Herausgeber des Standardwerks „Athletik“ (1930). 1931 wurde er an der Univ. München mit der Dissertation „Arbeitsfähigkeit und Körpererziehung“ zum Dr. oec. publ. promoviert. 1933/34 wurde K. in den Stab des Chefs des Ausbildungswesens (SA-Obergruppenführer Krüger) berufen und übernahm die Leitung der Abteilung Geländesport. Er richtete Geländesportlager ein und schuf das SA-Sportabzeichen. Ende 1934 wurde er zum Ministerialdirektor und Chef des Amtes „K“ (Körperliche Erziehung) im Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung ernannt und war nun verantwortlich für die Leibeserziehung an Schulen und Hochschulen. Er war entscheidend beteiligt an der Verwirklichung der Hochschulsportordnung (1934), die dreisemestrigen Pflichtsport für alle Studierenden vorsah, und der Richtlinien für die Leibeserziehung in den Schulen (1937 für Jungen, 1941 für Mädchen) mit Ausrichtung auf die Prinzipien von „Rasse, Führertum und Wehrhaftigkeit“; ebenso am Aufbau der Führerschule Neustrelitz, in der seit 1935 jährliche Reichstagungen der Leibeserzieher abgehalten wurden, der Reichsakademie für Leibesübungen auf dem Reichssportfeld (1936), das als Zentrum der Führerausbildung für die Leibeserziehung gedacht war, sowie der Einrichtung von Segelflugabteilungen an den Hochschulinstituten für Leibesübungen. K. organisierte 1936 in Berlin den vorolympischen Kongreß für körperliche Erziehung. Er war seit 1935 Honorarprofessor an der Univ. Berlin und Herausgeber der Zeitschrift „Leibesübungen und körperliche Erziehung“. Bei einem Flugzeugabsturz verunglückte er tödlich.

    K. hatte sich für seine hohe Stellung in der nationalsozialistischen Ministerialbürokratie zwar durch eindrucksvolle Leistungen qualifiziert, aber seine Berufung als Amtschef in das Ministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung setzte auch das uneingeschränkte Bekenntnis zum NS-Führerstaat voraus. Als Fachmann auf dem Gebiet des Sports und der Leibeserziehung war K. dem Reichssportführer v. Tschammer und Osten, der in ihm einen Rivalen sah, weit überlegen. Mit der Ausrichtung auf soldatischvölkische Prinzipien trug er an verantwortlicher Stelle zu einer folgenschweren Entwicklung der Leibeserziehung an Schulen und Hochschulen des Dritten Reiches bei.

  • Werke

    Etwa 70 Aufsätze zu sportpolit., päd., trainingswiss. u. sportorganisator. Problemen.

  • Literatur

    Leibesübungen u. körperl. Erziehung 61, 1942 (mit mehreren Btrr. üb. K; P)
    ;
    L. Englert, in: Weltanschauung u. Schule 6, 1942.

  • Autor/in

    Horst Ueberhorst
  • Empfohlene Zitierweise

    Ueberhorst, Horst, "Krümmel, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 108 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118567160.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA