Lebensdaten
1774 bis 1833
Geburtsort
Eisleben
Sterbeort
Oberzell bei Würzburg
Beruf/Funktion
Erfinder der Druckmaschine (Schnellpresse) ; Fabrikant
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118564366 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • König, Friedrich
  • Koenig, Friedrich
  • König, Friedrich

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Zitierweise

Koenig, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118564366.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Christoph (1741–91), Ackerbürger in E., S d. Anspänners Christian in Ritterode b. Hettstedt im Südharz u. d. Susanne Margarethe Wernicke;
    M Sophie Christiane (1735–1822), T d. Joh. Christoph Rohse, Kantor u. Lehrer in Bräunrode u. E., u. d. Joh. Sophie Majus aus Sangerhausen;
    Suhl 1825 Fanny (1808–82), T d. Amtmanns Jacobs u. d. Johanna Hoffmann;
    2 S, 1 T, Wilhelm v. K. (bayer. Personaladel 1872, 1826-94), Friedrich (1829–1924), beide Leiter d. Fa. Koenig & Bauer, Luise (1830–1928, ⚭ Moritz Bolza, 1828–91, Amtsrichter u. Notar);
    N Fritz Helbig (* 1793), Mitarbeiter K.s, dann Gründer d. Konkurrenzunternehmens Helbig & Müller in Wien, Carl August Reichenbach ( 1883), Mitbegründer d. MAN.

  • Leben

    K. mußte, wohl wegen der ungünstigen wirtschaftlichen Situation der Familie, vorzeitig das Gymnasium verlassen und absolvierte 1790-94 eine Lehre in der renommierten Leipziger Druckerei Breitkopf & Härtel. Als Autodidakt muß er in jenen Jahren begonnen haben, sich die vorzüglichen Kenntnisse in Mathematik und Mechanik anzueignen, über die er später verfügte. 1798-1802 belegte er als Gasthörer Vorlesungen an der Universität Leipzig. Zunächst theoretisch und dann praktisch begann er sich mit Verbesserungen der Druckpresse zu beschäftigen, die seit ihrer Erfindung durch Gutenberg im 15. Jahrhundert nicht wesentlich weiterentwickelt worden war. Seit 1803 experimentierte er in Suhl gemeinsam mit dem Mechaniker Wolfgang Kummer und baute eine neuartige Handpresse mit selbsttätigem Farbwerk. Vor allem aber faszinierte K. der Gedanke einer erheblichen Steigerung der Druckgeschwindigkeit mit maschinellen Mitteln (Schnellpresse). In Würzburg, Leipzig und Wien versuchte er vergeblich, bei Druckern und Verlegern sowie bei staatlichen Behörden Interesse für sein Projekt zu wecken. Auch Verhandlungen in Petersburg führten zu keinem Ergebnis.

    In der Überzeugung, nirgends in Kontinentaleuropa Geldgeber für den Bau einer schnellaufenden Druckpresse finden zu können, siedelte K. im November 1806 nach London über und schloß dort im März 1807 mit dem Buchdrucker Thomas Bensley einen Vertrag über die gemeinsame Verwertung seiner Erfindung. Nachdem 1809 zwei weitere Drucker dem Vertrag beigetreten waren – K.s Quote betrug 25 % –, war die Finanzierung so weit gesichert, daß die Produktion aufgenommen werden konnte. Zusammen mit dem in London lebenden Stuttgarter Mechaniker Andreas Friedrich Bauer (1783–1860, siehe Literatur) baute K. zunächst eine Tiegeldruckmaschine für 400 Drucke in der Stunde, die 1810 patentiert wurde und mit der im März 1811 das erste maschinell gedruckte Buch hergestellt wurde. Anschließend konstruierte er – nunmehr in eigener Werkstatt – eine Zylinderpresse mit einer Leistung von 800 Drucken in der Stunde, die Ende 1812 erstmalig erprobt wurde und auf die er 1812/13 Patente erhielt. Für John Walter, den Verleger der „Times“ und der „Evening Mail“, baute K. eine dampfbetriebene Zylinder-Doppelmaschine mit einer Kapazität von 1 100 Drucken in der Stunde. Auf ihr wurde unter strenger Geheimhaltung (um einem Maschinensturm der um ihre Arbeitsplätze besorgten Drucker vorzubeugen) die Ausgabe der „Times“ vom 29.11.1814 als erste maschinell gedruckte Zeitung hergestellt. Weitere Patente auf eine Presse für beidseitigen Druck und eine Zweitourenmaschine wurden 1814 erteilt. Damit hatte K. alle 4 Grundtypen der modernen Druckmaschine entwickelt. Wenngleich ihm von Zeitgenossen gelegentlich die Namen anderer Erfinder entgegengehalten wurden, ist doch später sein Prioritätsanspruch niemals ernsthaft bestritten worden.

    Trotz seiner großen erfinderischen Erfolge vermochte K. seine finanzielle Lage kaum zu verbessern. Wegen zunehmender Meinungsverschiedenheiten mit Bensley über die Auswertung seiner Patente begann er seit 1814, die Rückkehr nach Deutschland zu betreiben. 1817 kaufte er um 35 000 Gulden das verkehrsgünstig am Main gelegene ehemalige Prämonstratenser-Kloster Oberzell bei Würzburg, um darin eine Fabrik für Druckmaschinen einzurichten. Mit Bauer gründete er eine Offene Handelsgesellschaft, von deren Gewinnen K. ⅔ und Bauer ⅓ zufallen sollten. Das mit der Gründung verbundene Risiko war groß. Vor allem die Beschaffung von Maschinen und Werkzeugen sowie die Rekrutierung von geeigneten Arbeitern bereiteten zunächst scheinbar unüberwindliche Schwierigkeiten, die K. mit der Bemerkung kommentierte, so gehe es, wenn man etwas unternehme, das über dem Zivilisationspunkt eines Landes liege. Hinzu kam, daß, obwohl Bauer sich noch ein Jahr lang in London aufhielt, die englischen Patente kaum etwas einbrachten und auch keine Aufträge durch englische Druckereien erteilt wurden. Nur die „Times“ ließ ihre Maschinen 1819 in Oberzell auf eine Leistung von 1 400 Drucken umbauen.

    Erst 1821/22 besserte sich die Lage des Unternehmens, das nun etwa 40 Arbeiter beschäftigte, als der bayerische Staat einen Kredit von 20 000 Gulden gewährte und die ersten 4 in Oberzell gebauten Maschinen an die Berliner Druckereien Spener und Decker geliefert werden konnten. Am 25.1.1823 erschien die „Haude- und Spenersche Zeitung“ in Berlin als erste maschinengedruckte Zeitung in Deutschland und auf dem Kontinent. Danach begann die von K. ständig verbesserte Schnellpresse, sich allenthalben durchzusetzen, und seit etwa 1825 trat ein enormer Aufschwung des Geschäfts ein, als sich in kurzer Zeit alle bedeutenden Druckereien in Deutschland und mehreren anderen Ländern auf Maschinenbetrieb umstellten. In Oberzell und Schwarzach errichtete K. Papierfabriken, an denen auch der Stuttgarter Verleger Cotta, einer seiner ersten deutschen Kunden, beteiligt war und die 1828/29 die Produktion aufnahmen. Insgesamt beschäftigte K. in seinen Fabriken jetzt etwa 200 Arbeiter. 1826-30 wurden in Oberzell 44 Schnellpressen hergestellt. Doch in K.s letzten Lebensjahren mußte die Produktion vorübergehend stark eingeschränkt werden, als sich zeigte, daß die Nachfrage noch begrenzt war. Hinzu kam, daß der für das Unternehmen wichtige Export nach Frankreich (bis 1830 10 Maschinen) nach der Pariser Julirevolution völlig zum Erliegen kam. Wahrscheinlich ist es dem guten Absatz der Papierfabriken zu verdanken gewesen, daß die Maschinenfabrik die Krise überstehen konnte.

    Nach K.s Tod wurde das Unternehmen zunächst von Bauer geleitet, der 1840 den Kreisbewegungsmechanismus in die Druckmaschinentechnik einführte. K.s Sohn Wilhelm erfand die Zweifarben-Druckmaschine und entwickelte mit seinem Bruder Friedrich Vierfach- und Sechsfachmaschinen, die bis|zum Aufkommen des Rotationsdrucks im Zeitungsdruck vorherrschten. Gemeinsam bauten sie die für die Zeit vorbildlichen Sozialeinrichtungen der Firma aus, die 1860 in eine AG umgewandelt wurde. Schon K. hatte sich theoretisch mit einer von endloser Rolle druckenden Maschine beschäftigt. 1875 wurde die erste Rotationsdruckmaschine in Oberzell gebaut. Nach der Jahrhundertwende wurde die Fabrik aus dem Klostergelände in neue, moderne Werksanlagen verlegt. Seither hat sich das Wachstum des Unternehmens stetig fortgesetzt. Die Firma Koenig & Bauer mit Zweigbetrieben und Tochtergesellschaften in der Schweiz, Österreich, Frankreich, England, den USA und Kanada genießt heute als Druckmaschinenhersteller Weltruf.

  • Werke

    To the Public, in: The Times v. 8.12.1814;
    Koenigs Schnellpresse, in: B. Krebs (Hrsg.), Hdb. d. Buchdruckkunst, 1827, S. 562-614.

  • Literatur

    ADB 16;
    F. v. König (S), Ein Jh. Fabrikleben auf d. Lande, o. J.;
    F. Göbel, F. K. u. d. Erfindung d. Schnellpresse, 1883, 31956;
    H. Popp, F. K., 1911;
    A. Bolza, in: Ll. aus Franken III, 1927, S. 297-323;
    ders., F. K., 1933;
    G. Naumann, 100 J. gingen ins Land, 1933;
    ders., Schnellpressenfabrik Koenig & Bauer AG, Würzburg, 1860–1960, 1960 (P);
    Hist. of the Times I, 1935;
    S. Rabe, Die Erfindung d. Druckmaschine durch d. Deutschen F. K., 1939;
    H. Wagenführ, Schöpferische Wirtsch., 1954;
    H. Barnikol, F. K., Diss. München 1965;
    Festschr. z. 150j. Jubiläum d. Schnellpressenfabrik Koenig & Bauer, 1967 (P, auch v. Bauer);
    H. Bolza, F. K. u. d. Erfindung d. Druckmaschine, in: Technikgesch. 34, 1967, S. 79-89;
    Th. Göbel, in: Deutsche unter anderen Völkern, hrsg. v. K. Schleucher, 1968, S. 200-50 (P);
    M. Schumacher, Auslandsreisen dt. Unternehmer, 1968;
    Matschoss, Technik, 1925;
    Pogg. I. - Zu A. F. Bauer:
    ADB II;
    G. Naumann, A. F. Bauer (1783–1860), 1960.

  • Portraits

    Gem. (Würzburg, Schnellpressenfabrik Koenig u. Bauer), Abb. in: Die Gr. Deutschen im Bild, 1937.

  • Autor/in

    Hans Jaeger
  • Empfohlene Zitierweise

    Jaeger, Hans, "Koenig, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 336-338 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118564366.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    König: Friedrich K., geb. am 17. April 1775 zu Eisleben, verheirathete sich 1825 mit Fanny Jacobs aus Saalfeld, und starb am 17. Januar 1833, Sohn eines Ackerbürgers. Im 14. Lebensjahre trat er als Lehrling in das Leipziger Buchdruckergeschäft von Breitkopf & Härtel und blieb auch nach Beendigung seiner Lehrzeit eine Zeit lang dort. Der strebsame Jüngling brach sich am Schlaf ab, um neben seinen Berufsgeschäften seiner Ausbildung sich zu widmen, wie er denn auch philosophische und geschichtliche Collegien zu besuchen sich die nöthige Muße abgerungen hat. Schon damals beschäftigten ihn allerlei Entwürfe zu Verbesserungen in der Buchdruckerei und bei seinem Aufenthalte in Meiningen und Suhl (1801—1803) gewannen seine Pläne zur Umänderung der Handpressen Gestaltung und Körper; in verhältnißmäßig rascher Zeit führten diese Versuche zur Erfindung der Schnellpressen. Nach einem kurzen Aufenthalte in St. Petersburg, wohin ihn die Hoffnung geführt hatte, als Errichter und Vorsteher einer Druckerei mit Stereotypen eine Staatsanstellung zu erhalten (1806), ging er nach London und fand in den bedeutenden Buchdruckereibesitzern Benslcy und Taylor Theilhaber seiner Unternehmung behufs der Verbesserung der Druckerpressen (1807). Im Jahre 1810 wurde eine Tiegeldruckmaschine von ihm hergestellt und die Bogen eines englischen Werks damit gedruckt, 1812 entstand die erste Cylinderdruckmaschine, deren praktische Anwendung sich alsbald erprobte. Damals hatte er sich mit dem Stuttgarter Mechaniker Bauer (Bd. II S. 138) in London innigst befreundet, Bauer war seit dieser Zeit sein getreuer Mithelfer, der wie K. bemerkt „durch sein Urtheil und die Genauigkeit der Ausführung sehr mit zum glücklichen Erfolge meiner Anstrengungen beitrug“. Die erste Doppelmaschine wurde 1813 gefertigt und ein Jahr darauf zum ersten Male die Times auf einer Maschine von König gedruckt. Während nun König und Bauer fortdauernd bemüht waren, die Schnellpressen zu verbessern, wurde das Verhältniß zu Bensley immer unangenehmer, so daß sie sich entschlossen nach Deutschland überzusiedeln und dort eine Fabrik zu errichten. Zu diesem Behufe wurde das säkularisirte Kloster Oberzell bei Würzburg gekauft und 1817 bezogen. Sie hatten mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen, es fehlte an genügenden Mitteln, an Vertrauen und Abnehmern, an fähigen Arbeitern, ja sogar der Bezug der erforderlichen Werkzeuge stieß auf mancherlei Hindernisse. Aber das Genie und die Ausdauer der Unternehmer siegte über alle diese Verlegenheiten des Moments; die Schnellpresse hatte sich in Berlin (1822 Spener und Decker), in Augsburg (die allgemeine Zeitung wurde am 12. Juli 1824 zum ersten Mal auf einer Schnellpresse gedruckt), in Paris (1828) Eingang verschafft und mehr und mehr wuchs die Zahl der Abnehmer, schwanden die Vorurtheile gegen die neue Erfindung.|Da kam das Revolutionsjahr 1830 und in Folge davon, da die Bestellungen in Frankreich ausblieben, die Drucker die Schnellpressen zu Paris zerschlagen hatten, schmolz die Zahl der Arbeiter, die schon über 80 betragen hatte, bis auf 14 herunter. Auch diese Krisis wurde glücklich überstanden und ebenso jede Anfeindung des englischen Concurrenten Bensley mit Erfolg abgewehrt. Freilich die Ausdehnung, welche das Unternehmen nach und nach gewonnen hat und deren es sich jetzt erfreut, — bis zur Todeszeit von K. hatte die Fabrik 69 Maschinen verkauft — den riesigen Umschwung, den die Schnellpresse im Gebiete der Druckerei herbeiführte, erlebte K., welchem nur 8 Jahre eines glücklichen Ehestands vom Schicksale gegönnt waren, nicht mehr. Er ruht im Garten hinter der alten Kirche des Klosters und neben ihm hat im J. 1860 sein Associé, Freund und Mitarbeiter Bauer seine Ruhestätte gefunden. Seit April 1882 ruht auch König's Wittwe dortselbst. K. war ein trefflicher Mensch, ein liebevoller Sohn, Gatte und Freund, mit einem warmen Herzen für seine Untergebenen und Alle, die mit ihm in Beziehung standen; er war als Geschäftsmann unermüdlich und von der ängstlichsten Pünktlichkeit in seinen Verpflichtungen. Den hochbegabten Erfinder charakterisirt vorzüglich der umfassende Blick seines geistigen Auges, womit er den ganzen Bereich seiner Kunst durchdrang; so hatte er für die Papierfabrikation und bezüglich der Stereotypie. Verbesserungen theilweise im Auge, theilweise herbeigeführt. Eine große Papierfabrik in Schwarzach wurde von ihm gegründet. Es erübrigt noch einen Blick auf den dermaligen Stand der Schöpfung von König & Bauer, der Schnellpressenfabrik in Oberzell, zu werfen. Bis heute gingen aus derselben 3050 Schnellpressen hervor. Im J. 1840 wurde durch A. F. Bauer der Kreisbewegungsmechanismus eingeführt, später durch Wilhelm K. die erste Zweifarbmaschine mit einem Cylinder gebaut und seit 1876 werden Rotationsmaschinen ausgeführt. Die Fabrik beschäftigt ein Personal von 380 Arbeitern, für welche eine Reihe von, durch Ausschüsse der Arbeiter selbst verwalteten Kassen mit ansehnlichen Dotationen besteht: eine Krankenkasse, Sparkasse, Soldatenkasse, Invaliden-. Wittwen- und Waisenkasse. Für Wohnungen von Arbeiterfamilien wurden 7 Häuser mit 20 Wohnungen gebaut.

    • Literatur

      Göbel, Friedrich König und die Erfindung der Schnellpresse, 1875.

  • Autor/in

    Haenle.
  • Empfohlene Zitierweise

    Haenle, "Koenig, Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 506-507 unter König [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118564366.html#adbcontent

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