Lebensdaten
1881 bis 1951
Geburtsort
Neuschleichach (Unterfranken)
Beruf/Funktion
Komponist ; Musikschriftsteller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118563572 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Knab, Armin

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Zitierweise

Knab, Armin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118563572.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Franz (1852–1926), Lehrer in Kitzingen;
    M Barbara (1854–1927), T d. Glasermeisters Joh. Hergenröder in Arnstein;
    München 1934 Paula Yvonne (* 1892, ev.), T d. Großkaufm. Oswald Herrmann in Paris; kinderlos.

  • Leben

    K. wuchs in einem musikalischen Elternhaus in Kitzingen auf und besuchte seit 1897 als Gymnasiast in Würzburg die Musikschule, an der er nach dem Abitur (1899) in die Theorieklasse Max Meyer-Olberslebens eintrat und 1901 erstmals eigene Chor- und Orchesterwerke aufführen konnte. Zum Juristen bestimmt, studierte er in Würzburg (Promotion 1904) und München und war als Rechtspraktikant in Kitzingen und Augsburg tätig (2. Staatsprüfung 1907 in Würzburg).

    Erste eigengeprägte Lieder für Singstimme und Klavier entstanden 1903; ihnen folgten 1904/05, angeregt durch Erlebnisse in der Natur, weitere 18 Gesänge nach Texten von Richard Dehmel, Stefan George und Alfred Mombert. Die schon hier hervortretenden Wesenszüge höchster geistiger Konzentration, insbesondere hinsichtlich der Form, der liedhaften Melodik und des „deckenden“ Ausdrucks, sind für das ganze spätere Schaffen charakteristisch und haben die eigene, in über 50 Aufsätzen (1908–51) niedergelegte Musikanschauung und Liedästhetik mitbestimmt. – Nach fehlgeschlagenen Versuchen, 1906 bei Max Reger in München und 1908 bei A. von Zemlinsky und Arnold Schönberg in Wien Bestätigung und musikalische Förderung zu erlangen, trat K. im Sommer 1908 in den bayerischen Staatsdienst. Die Verdrängung der künstlerischen Berufung durch den aufgezwungenen juristischen Brotberuf führte in eine schwere seelische Krise, deren Überwindung nach mehrjährigem Krankenlager das 1913 anonym veröffentlichte, entsagende Bekenntnis „Meine Lieder“ bezeichnet. 1913-26 lebte K. als Amtsrichter in Rothenburg ob der Tauber. Dort fand er über die Abfassung von Landschaftsbeschreibungen, Reiseschilderungen und Kunstbetrachtungen zum Komponieren zurück. Im Klavierlied vollzog er durch allmähliche Preisgabe individualistischer Züge einen Wandel des Gefühlsgehalts und der Tonsprache vom Subjektiven zum Objektiven und erreichte erstmals in den „Liebesklagen des Mädchens“ (1922) jenen herb-diatonischen, linearen Stil, der auch dem 1923 einsetzenden Schaffen für A-cappella-Chor das Gepräge gibt. Um 1920 trat K. in engere Verbindung zu Kreisen der Jugend-, Sing- und Schulmusikbewegung; sie erkannten in ihm den tatkräftigen Wegbereiter einer auf Volkslied und Choral, Spielmusik und Tanz gegründeten, auf Gemeinschaftsmusizieren, Pflege alter Musik und Wiederbelebung alter Instrumente hinzielenden und dem öffentlichen Konzertbetrieb abholden musikalischen Kultur. Mit der Übersiedlung als Landgerichtsrat nach Würzburg (1927) rückte so neben reiner Instrumentalmusik auch die Komposition von Kammer-Kantaten in den Vordergrund.

    Erst als 53jähriger konnte K. dem zunehmend als drückende Last empfundenen Richteramt entsagen und fortan ganz der Musik leben: 1934 berief ihn die Staatliche Hochschule für Musikerziehung und Kirchenmusik in Berlin-Charlottenburg zum Dozenten für Musiktheorie und Komposition (1935 Professor). Dort wirkte er fast ein Jahrzehnt lang schulebildend als begeisternder, allem akademischen Regelzwang abgeneigter Lehrer. Die veränderten Lebensumstände zeitigten in einer dritten, durch Verschmelzung der eigenen Stilelemente gekennzeichneten Schaffensperiode eine große Anzahl nach Charakter, Umfang und Besetzung sehr verschiedener Werke; der Spannungsbogen reicht von der „Suite im alten Stil“ für 3 Streicher (1938) über den Zyklus „Knechtsballade“ (Richard Billinger) für Tenor und Streichquartett bis zur Großform des Oratoriums „Das gesegnete Jahr“ (nach verschiedenen Dichtern; 1943). Den Nötigungen des nationalsozialistischen Regimes hat K. mutig widerstanden. Er gab 1943 nach Ausbombung des Berliner Heims sein Lehramt auf und kehrte nach Würzburg zurück. Durch die Evakuierung nach Schloß Wässerndorf (Unterfranken) verlor er bei dessen Vernichtung 1945 den Rest seines Besitzes. Die Jahre nach dem Zusammenbruch galten wieder vorwiegend der Liedkomposition, waren aber von Wohnungsnot überschattet. Auch ein Ruf an die Musikhochschule in Stuttgart scheiterte 1948 an der Raumfrage. Seinen Grundsätzen der Gebundenheit an die Tonalität und des Vorrangs der Melodie ist er bis zuletzt im „Vater unser“ und „Englischen Gruß“ für Singstimme und Orgel (1951) treu geblieben.|

  • Auszeichnungen

    Max Reger-Preis (1940).

  • Werke

    Weitere W u. a. 180 Lieder f. Singstimme u. Klavier, darunter: Naturlieder, 1929, Eichendorff-Lieder, 1930, 12 Goethe-Lieder. 1949;
    Lautenlieder, 1923;
    Lieder f. Singstimme u. Orgel;
    üb. 250 Chöre a cappella, darunter: Alte Marienlieder f. Frauenchor, 1927, Zeitkranz (v. G. Gezelle, übers. v. R. A. Schröder) f. gemischten Chor, 1929, 16 Choräle, 1933, Volks- u. Kirchenliedbearbb.;
    Kanons;
    Chöre mit Instrumenten;
    Die Frühlingsfeier (Klopstock) f. Chor, Orch. u. Orgel, 1901 (Ms.);
    8 Kantaten;
    3 Märchenspiele;
    üb. 40 Instrumentalwerke, darunter;
    Klaviersonate, 1929, Ländliche Tänze f. Streichquartett, 1932, Klavierchoräle, 1934, 7 Orgelchoräle, 1941;
    Bühnen- u. Filmmusiken. - Schrr.
    J. S. Bachs Wohltemperiertes Klavier, in: Die Musik 13, II, 1914, S. 26 ff.;
    Seltsame Merktage, 1948;
    Denken u. Tun, ges. Aufsätze üb. Musik, hrsg. v. P. Y. Knab (Ehefrau), 1959;
    Wanderungen u. Reisen in Franken, hrsg. v. M. Hofmann, 1966, 21967. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: München. Bayer. Staatsbibl.

  • Literatur

    E. L. Schellenberg, in: Neue Musikztg. 40, 1919, S. 174 ff.;
    E. Weiß-Mann, Über A. K.s Melodik, in: Die Laute 5, 1922, S. 90 ff.;
    dies., Ein Zeitloser, Zum 70. Geb.tag v. A. K., in: Musica 5, 1951, S. 54 ff. (W);
    O. Lang, A. K., 1937 (W, L, P) 21950;
    F. Zipp, Der Kanon in A. K.s Volksliedbearbb., in: Völk. Musikerziehung 8, 1942, S. 129 ff.;
    H. Wegener, A. K., Die schöpfer. Kräfte in s. Werke, in: Neue Musik-Zs. 2, 1948, S. 231 ff.;
    ders., A. K. u. Wilh. Weismann in ihrem Briefwechsel, in: Musa-Mens-Musici, Gedenkschr. Walther Vetter, 1969, S. 389 ff.;
    H. Fromm, Choral Works by A. K., in: American Choral Review 14. III, 1972, S. 14 ff.;
    F. Krautwurst, in: Fränk. Lb. V, 1973, S. 282 ff. (L, P);
    MGG VII (W, L, P);
    Riemann.

  • Autor/in

    Franz Krautwurst
  • Empfohlene Zitierweise

    Krautwurst, Franz, "Knab, Armin" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 147 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118563572.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA