Lebensdaten
1882 bis 1960
Sterbeort
Bad Kreuth (Oberbayern)
Beruf/Funktion
oberbayerischer Volksliedersammler ; Musiker ; Pädagoge
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118561979 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kiem, Pauli
  • Kiem, Emanuel
  • Kiem, Pauli

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Zitierweise

Kiem, Emanuel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118561979.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Georg (1839–1910), Milchhändler in M., Vorfahren aus d. Gegend um Türkenfeld (Obb.);
    M Anna Katharina Gruber (1847–88), aus Neukirchen-Balbini (Oberpfalz);
    B Edi (1881–1966), Zitherspieler u. -lehrer; ledig.

  • Leben

    K. wuchs in München auf und fühlte sich schon früh zur Musik hingezogen. Den ersten Instrumentalunterricht (Gitarre, Zither, Geige) erhielt er von seinem Bruder Ernst. Nach dem Tod des Vaters 1910 ging er als Musiker (Baßgitarre) zur Tegernseer Bauernbühne des Michael Dengg, wo er zusammen mit Carl Holl (Zither) und dem „Reiter Hansl“ (Schoßgeige) das später berühmte „Tegernseer Trio“ bildete. In die Jahre vor dem 1. Weltkrieg, in dem er sich lebenslange gesundheitliche Schäden zuzog, datiert auch der Beginn seiner engen Freundschaft mit Ludwig Thoma, der ihm Weihnachten 1919 sein eigenes Exemplar von Konrad Mautners Liedersammlung „Steirisches Rasplwerk“ (1910) schenkte. Diese Anregung, wie auch Thomas Hinweis auf die Zeitschrift „Das deutsche Volkslied“ (1899 folgende) waren der Beginn von K.s Beschäftigung mit den Problemen der Volksliedforschung und -pflege, wobei ihm besonders die Aufsätze des führenden österreichischen Forschers Josef Pommer richtungsweisend waren. Pommer stellte dem verbreiteten volkstümlichen Lied das meist verborgene „echte“ bäuerliche Volkslied gegenüber, für dessen Sammlung und Wiederbelebung er sich einsetzte. K.s Ziel, diese Arbeit für Oberbayern zu leisten, erfuhr durch die Wittelsbacher (Herzog Ludwig Wilhelm und Herzog Albrecht) eine lebenslange geistige und materielle Unterstützung. Sie stellten K., der seit 1924 auch aus gesundheitlichen Gründen nur noch Musikunterricht gab, in Bad Kreuth Wohnung und Unterhalt zur Verfügung. K. lernte 1925 Kurt Huber kennen, der damals am Schliersee im Auftrag der Deutschen Akademie die ersten Phonographen-Aufnahmen oberbayerischer Volkslieder machte. Die Freundschaft und Zusammenarbeit beider seit dieser Zeit war einer der wichtigsten Impulse für die bayerische Volksliedforschung und -pflege bis zum 2. Weltkrieg. Die meisten Liedaufzeichnungen nahm K. nach 1927 vor, als er zahlreiche oberbayerische Gebiete bereiste und nach dem „echten“ bäuerlichen Dialektlied forschte.

    In konsequenter Auswahl und mit dem Ziel, nur das Anregende und Gute zu veröffentlichen, gab K. diesen Liedschatz 1934 unter dem Titel „Oberbayerische Volkslieder“ heraus. Diesem grundlegenden Werk kann bis heute aus anderen Teilen Bayerns nichts Ähnliches zur Seite gestellt werden. Neben seiner Sammlung von Volksliedern war es jedoch vor allem das von K. 1930 in Rottach-Egern durchgeführte (und durch einen Bericht über ein Preissingen Erzherzog Johanns 1840 in der Steiermark angeregte) „1. Oberbayrisches Preissingen“, das von entscheidender Bedeutung für die Zukunft wurde. Dieses erste bayerische Liederwettsingen, das bis heute zahlreiche Nachfolger gefunden hat, rückte durch seine Übertragung im Rundfunk Arbeit und Zielvorstellung K.s prägnant in das Licht der Öffentlichkeit. Die Preisträger-Duo Sontheim und Burda sowie Treichl und Vögele wurden als Viergesang K.s vorbildliche Sängergruppe, die bis heute unvergessen ist. Es ist auch ein in der Literatur nur wenig gewürdigtes Verdienst K.s, neben der überlieferten 2- und 3Stimmigkeit als klangliche Ergänzung ein 4stimmiges Liedersingen angeregt zu haben, das sein Vorbild in den Aufzeichnungen von K. Kronfuß und A. und F. Pöschl aus dem Schneeberggebiet/N. Ö. (1930) hat. Nicht nur die Mehrstimmigkeit, auch die Neuentdeckung des geistlichen Volksliedes (durch Annette Thoma), neue Formen der Liedvermittlung (Singwochen durch Wastl Fanderl) und die Belebung des Kindersingens (Preissingen 1936 in Burghausen) wußte K. in dieser Zeit nach 1930 anzuregen, einem Lebensabschnitt, in dem die Arbeit als Volksbildner und Pädagoge gegenüber dem Liedsammeln in den Vordergrund tritt. K. verteidigt aber auch mit Erfolg seine Vorstellungen vom Singen als einem unkommerziellen, heimatzugewandten Tun gegenüber dem Kulturbetrieb des 3. Reiches und später, nach dem 2. Weltkrieg, gegenüber den Ansprüchen der Massenmedien und des Fremdenverkehrs.

    Bis zu seinem Tode ist er so als Lehrer, Vortragender und Ratgeber in seiner engeren Heimat tätig, hat aber auch besten freundschaftlichen Kontakt mit zahlreichen Gelehrten und Sammlern wie Karl Alexander von Müller, Joseph Maria Ritz, Wilhelm Dieß oder in Österreich mit Viktor von Geramb, Tobi Reiser und Raimund Zoder. Bis heute gibt es keine wissenschaftliche Publikation, die an Hand von Quellen und des leider durch einen Brand dezimierten Nachlasses Leben und Arbeit dargestellt hätte.|

  • Auszeichnungen

    Korr. Mitgl. d. Internat. Folk Musik Council, London; Bayerischer Verdienstorden (1959).

  • Werke

    Slgg.: Oberbayer. Volkslieder mit Bildern u. Weisen, 1930 (mit Kurt Huber), 21954 (erweitert);
    Oberbayer. Volkslieder, 1934, 21938 (kleine Ausw. u. d. T.: Lieder u. Jodler aus Obb.), 31962;
    Altbayer. Liederbuch f. Jung u. Alt, 1936 (mit Kurt Huber);
    Volkslieder aus Bayern, in: Das dt. Volkslied 40, 1938, S. 51-54, 71-74. -
    40 J. Zs. „Das dt. Volkslied“ u. d. oberbayer. Volksliedbewegung, ebd., S. 5 f.;
    Auf Volksliedfahrt, in: Clara Huber (Hrsg.), Kurt Huber z. Gedächtnis, 1947, S. 112-15;
    Erinnerungen, in: A. Thoma (Hrsg.), Das Volkslied in Altbayern u. seine Sänger, 1952, S. 123-29;
    Aus m. Wanderzeit, in: Sänger- u. Musikantenztg. 13, 1970, S. 103-10.

  • Literatur

    J. M. Hofmann, Vom Liedvater K. P. u. seinem Schaffen, in: Das dt. Volkslied 39, 1937, S. 105-07;
    K. A. v. Müller, Ansprache an d. K. P., in: Schönere Heimat 46.1957, S. 386-90;
    K. P.s Begräbnis, in: Sänger- u. Musikantenztg. 3, 1960, S. 87-89;
    A. Thoma, ebd., S. 83-86;
    K. P.s „Oberbayer. Volkslieder“, in: Schönere Heimat 51, 1962, S. 523 ff.;
    K. P. heute, ebd., 59, 1970, S. 540;
    K. Becher, K. P. erz. (Tonbandnachschrr.), ebd., S. 544-46 (mit Abb.);
    J. u. B. Schiefer, Erinnerungen an K. P., ebd., S. 547-50;
    K. Edelmann, Meine Begegnung mit K. P., ebd., S. 551-53;
    W. A. Mayer, Kurt Huber u. K. P., Unveröff. Zeugnisse ihrer Freundschaft u. Zusammenarb., ebd. 62, 1973, S. 423-28;
    K. P. 1882-1960, in: A. Thoma, Bei uns, 1974, S. 164-72;
    Riemann Erg.bd.

  • Autor/in

    Wolfgang A. Mayer
  • Empfohlene Zitierweise

    Mayer, Wolfgang A., "Kiem, Emanuel" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 581 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118561979.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA