Lebensdaten
1882 bis 1953
Geburtsort
Siófok am Plattensee (Ungarn)
Sterbeort
Paris
Beruf/Funktion
Operettenkomponist
Konfession
jüdisch,katholisch
Normdaten
GND: 118559605 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kálmán, Imre
  • Kálmán, Emmerich
  • kalman, emmerich
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Zitierweise

Kálmán, Emmerich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118559605.html [22.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Karl ca. 1922), kaufm. Unternehmer (Getreidekaufm., 1897 Bankrott);
    M Paula Singer;
    1) Paula Dworzak ( 1928), 2) Vera Makinska (gestorben 1999), Filmschauspielerin;
    1 S, 2 T, u. a. Karl (Charles, * 1929), Komp. v. Operetten u. Unterhaltungsmusik.

  • Leben

    Seit dem 10. Lebensjahr besuchte K. das Evangelische Gymnasium in Budapest. Sehr bald zeigte er reges musikalisches Interesse, mußte sich aber das Geld für sein Musikstudium durch Nachhilfestunden und Adressenschreiben verdienen, 15jährig debutierte er erfolgreich als Konzertpianist, konnte jedoch infolge einer Armerkrankung sein Klavierstudium nicht mehr fortsetzen. Er studierte an der Universität Budapest Jus und gleichzeitig, nach Vorstudien bei A. Siklós, an der Landesmusikakademie als Mitschüler von B. Bartók, Z. Kodály und den späteren ungarischen Operettenkomponisten A. Szirmai und V. Jacobi Komposition und Musiktheorie bei Hans Kößler. Ein Stipendium führte ihn zu den Bayreuther und Münchner Festspielen, der Robert Volkmann-Preis der Landesmusikakademie ermöglichte ihm eine Studienreise nach Berlin. Nach erfolgreichem Abschluß des 4jährigen Musikstudiums arbeitete er 1904-08 als Musikkritiker bei der Zeitung Pesti Napló, versah aber auch – seine juristischen Studien noch weiterführend – kurze Zeit den Dienst eines Advokaturskandidaten. Beweise seines kompositorischen Könnens waren das 1904 im Budapester Opernhaus gespielte Orchesterscherzo „Saturnalia“, die symphonische Dichtung „Endre und Johanna“ (1905), das patriotische Singspiel „Das Erbe von Pereszlényi“ (1906) und einige Lieder, eines davon unter dem Pseudonym Koloman Imrey für das erste in Budapest gegründete Kabarett. Für seinen Zyklus „Kuruzen-Lieder“ wurde er 1907 mit dem Franz Joseph-Preis der Stadt Budapest ausgezeichnet. K.s ungewöhnliche Begabung für das heitere Genre zeigte sich in der 1908 in Budapest|sehr erfolgreich uraufgeführten Operette „Tatárjárás“, die, in deutscher Fassung „Ein Herbstmanöver“ genannt, sehr bald auch in Wien, New York, London, Stockholm und Kopenhagen herauskam. Noch im selben Jahr gab er Studium und Kritikertätigkeit auf und verlegte seinen Wohnsitz nach Wien. Hier entstand für Budapest die Operette „Az obsitos“ („Der Urlauber“, 1910), die in Wien „Der gute Kamerad“ (1911) und in einer Neufassung „Gold gab ich für Eisen“ (1914) hieß, und erntete seinen zweiten großen Erfolg mit dem „Zigeunerprimas“ (1912). Den größten Triumph seines Lebens feierte er 1915 mit der „Csárdásfürstin“, der zwei weniger geglückte Operetten „Der kleine König“ (Wien 1912) und „Zsuzsi kisasszony“ („Fräulein Susi“, Budapest 1915) vorangegangen waren. Von nun an stand K. gleichrangig neben F. Lehár, O. Straus und L. Fall. Fast jedes Jahr kam er mit einem neuen Werk heraus. Gemeinsam mit Herbert Stothart komponierte K. „Golden Dawn“ (Wilmington 1927). 1938 zwang ihn die politische Entwicklung, mit seiner Familie nach Zürich, Paris und schließlich nach New York zu emigrieren, wo ihm 1947 die amerikanische Staatsbürgerschaft zuerkannt wurde. Auf Tourneen durch die Vereinigten Staaten wurde er als Dirigent seiner Werke gefeiert. 1945 gelangte nach mehreren wieder aufgegebenen Projekten die Operette „Marinka“ in New York zur Uraufführung. Aber auch in Europa war K. keineswegs vergessen, als er schließlich im Winter 1948/49 zurückkehrte. 1951 nahm er seinen Wohnsitz in Paris und wurde mit dem Offizierskreuz der Ehrenlegion ausgezeichnet. Sein letztes Werk „Arizona Lady“ (Bern 1954) vollendete sein Sohn. – Die Bedeutung von K.s Musik beruht in der engen Verbindung der heimatlichen Folklore und des rhythmischen Elans der ungarischen Tänze mit dem weichen Charme der Wiener Walzeroperette. Größte Erfolge erzielte er deshalb gerade mit den in seiner Heimat spielenden Werken „Csárdásfürstin“ und „Gräfin Mariza“, deren Csárdásrhythmen, ungarische Instrumentation und reizvoller Gegensatz zwischen Zigeunermoll und ausgelassener Dur-Frische noch heute mitreißen. K. war bekannt als einfallsreicher und glänzender Instrumentator und verstand es, immer wieder führende Librettisten als Mitarbeiter zu gewinnen.|

  • Auszeichnungen

    Dr. h. c. (College of Music, New York 1941).

  • Werke

    Weitere W u. a. Die Faschingsfee (Wien 1917);
    Das Hollandweibchen (ebd. 1920);
    Die Bajadere (ebd. 1921);
    Gfn. Mariza (ebd. 1924);
    Die Zirkusprinzessin (ebd. 1926);
    Die Hzgn. v. Chicago (ebd. 1928);
    Das Veilchen v. Montmartre (ebd. 1930);
    Der Teufelsreiter (ebd. 1932);
    Kaiserin Josephine (Zürich 1936).

  • Literatur

    O. Keller, Die Operette in ihrer geschichtl. Entwicklung, 1926;
    F. Hadamowsky u. H. Otte, Die Wiener Operette, 1947;
    A. Würz, Reclams Operettenführer, 1951;
    A. Bauer, 150 J. Theater an der Wien, 1952;
    ders., Opern u. Operetten in Wien, 1955;
    R. Österreicher, E. K., Der Weg e. Komponisten, 1954 (P);
    J. Bistron, E. K., 1954 (P);
    B. Grun, Die leichte Muse, Kulturgesch. d. Operette, 1961;
    V. Kálmán (Ehefrau), Grüß' mir d. süßen, d. reizenden Frauen, Mein Leben mit E. K., 1966 (P);
    O. Schneidereit, Operette A-Z, Ein Streifzug durch d. Welt d. Operette u. d. Musicals, 1972;
    G. Jaron, in: Sowjelskaja musyka 18, 1954, H. 3, S. 127 ff.;
    MGG VII (W, L, P);
    Riemann.

  • Autor/in

    Christa Harten-Flamm
  • Empfohlene Zitierweise

    Harten-Flamm, Christa, "Kálmán, Emmerich" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 69-70 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118559605.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA