Lebensdaten
1585 bis 1629
Geburtsort
Kalsdorf (Steiermark)
Sterbeort
Schloß Ort am Traunsee (Oberösterreich)
Beruf/Funktion
bayerischer Statthalter von Oberösterreich
Konfession
lutherisch,katholisch
Normdaten
GND: 118549480 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Herberstorff, Adam Freiherr von (bis 1623)
  • Herbersdorf, Adam Graf von
  • Herberstorff, Adam Graf von
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Herberstorff, Adam Graf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118549480.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Otto Frhr. v. H., auf K., Vorkämpfer d. Protestantismus, S d. Franz v. H., auf K., u. d. Elisabeth v. Herberstein;
    M Benigna, T d. David v. Lenghaimb;
    Ov Andreas Frhr. v. H., Rat d. Erzhzg. Ferdinand, dann GR u. Obersthofmeister d. Erzhzg. Leopold;
    - 1607 Maria Salome ( 1648), Wwe d. Reichserbmarschalls Veit v. Pappenheim (1535–1600), T d. Heinr. Frhr. v. Preysing, bayer. Rat u. Pfleger zu Reichenhall, u. d. Anna Benigna Thaimer v. Mühlheim;
    1 K (jung †);
    Stief-S Gottfr. Heinr. Gf. v. Pappenheim ( 1632), bayer. FM, 3 Stief-T.

  • Leben

    H. wurde von seinem Vater an das berühmte protestantisch Gymnasium in Lauingen/Donau zur Ausbildung gesandt (1604 nachweisbar). Nach Khevenhüllers Angaben besuchte er dann einige Jahre die Universität Straßburg und trat anschließend in die Dienste des protestantisch Pfalzgraf Philipp Ludwig in Neuburg/Donau. 1610-11 war er Pfleger in Beratzhausen, 1612-14 Landrichter in Sulzbach, 1614 Pfleger in Reichertshofen. Nach dem Regierungsantritt des katholisch Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm war er unter den ersten Konvertiten des Herzogtum Pfalz-Neuburg (1616/17) und machte steile Karriere. Schon 1614 bezeichnete er sich als verordneter Landschaftskommissär des Fürstentums Neuburg, und bereits 1615 (1616?) war er Statthalter in Neuburg. Als solcher war er dann führend an der Rekatholisierung von Stadt und Herzogtum Neuburg beteiligt. 1619 wechselte er in bayerisch Dienste als Rittmeister. Bei der Unterwerfung Oberösterreichs durch Herzog Maximilian von Bayern 1620 wirkte H. als Oberst eines Kürassier-Regimentes mit und wurde am 20.8.1620 vom Herzog in Linz den Oberösterrisch Ständen als Statthalter des eroberten und von Kaiser Ferdinand II. an Bayern verpfändeten Landes vorgestellt. H. nahm Residenz im Linzer Schloß und war als Statthalter Chef der bayerisch Verwaltung in Oberösterreich. Nur kurze Zeit (1622/23) war er als Generalwachtmeister der Liga am Kriegsgeschehen in Süd- und Westdeutschland beteiligt. H. erwies sich als schärfster Gegner der Oberösterrisch Landstände und setzte unbeugsam den Willen der bayerisch Besatzung durch. Drückende Quartierkosten machten ihn im Lande bald unbeliebt. Auf Wunsch Kaiser Ferdinands erfolgte unter H.s Statthalterschaft die gewaltsame Rekatholisierung des Landes. 1625 brachen Unruhen in Frankenburg wegen Einsetzung eines katholisch Geistlichen aus. H. ging mit äußerster Strenge vor. In Anwendung des Kriegsrechtes ließ er die Vertreter der am Aufruhr beteiligten Orte und Pfarren um ihr Leben würfeln und die Hälfte von ihnen ohne Verfahren hängen („Frankenburger Würfelspiel“). 1626 erhoben sich die Bauern in einem allgemeinen Aufstand gegen den verhaßten Statthalter, der vor Peuerbach eine schwere Niederlage erlitt. Die Bauern belagerten H. in Linz. Nur|mit Hilfe kaiserlich und bayerisch Truppen konnte der Bauernaufstand niedergeworfen werden. H., der auch Grundbesitz in Böhmen hatte, suchte in Oberösterreich einen großen Herrschaftskomplex zu erwerben. Es gelang ihm nur zum Teil. Unter anderen kaufte er die Herrschaften Ort am Traunsee, Puchheim und Pernstein. Nach der Auslösung Oberösterreichs aus der bayerisch Pfandherrschaft ernannte ihn 1628 der Kaiser zum Landeshauptmann von Oberösterreich. H., wegen seiner Härte der „Alba Oberösterreichs“ genannt, war seinem Wesen nach mehr Kriegsmann als Politiker und ist durch sein Wirken in Oberösterreich eine der bekanntesten Gestalten der österreichisch Gegenreformation.

  • Literatur

    ADB XII (L);
    Briefe u. Akten z. Gesch. d. 30j. Krieges II, 3. u. 4. Bd., 1942, 1948;
    F. Ch. Khevenhüller, Conterfet Kupf. II (Ann. Ferdinandei). Leipzig 1722, S.362 (P);
    A. Starkenfels, Der Oberösterr. Adel, 1894;
    F. Stieve, Der oberösterr. Bauernaufstand d. J. 1626, 21904;
    [J. Strnadt], Der Bauernkrieg in Oberösterreich, 1913;
    F. Wiesenberger, Der große Bauernkrieg, in: Bergland 7, Nr. 8, 1925 (P);
    H. Sturmberger, Georg Erasmus Tschernembl, 1953;
    G. Grüll, Das Frankenburger Würfelspiel, in: Oberösterreich 9, 1959 (P).

  • Portraits

    Ölgem. (Lirz, Schloßmus.);
    Stich v. R. Custodis (ebd.);
    Grabdenkmal Pfarrkirche Altmünster/Oberösterr.

  • Autor/in

    Hans Sturmberger
  • Empfohlene Zitierweise

    Sturmberger, Hans, "Herberstorff, Adam Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 580 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118549480.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Herbersdorf: Adam Freiherr von H., auf Kalsdorf. Geb. am 14. April 1585 zu Kalsdorf in Steiermark, Sohn Otto's Freiherrn v. H. und der Benigna von Lengheim. Von 1599 an studirte er zu Lauingen und zu Straßburg. Dann brachte er drei Jahre in der Umgebung der Söhne des Pfalzgrafen Philipp Ludwig von Neuburg zu. Später erwarb er in dessen Gebiet das Gut Teublitz und wurde zum Pfleger von Beratzhausen bestellt. Nachdem Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm 1614 die Regierung angetreten hatte, wurde H., der wie jener zum Katholicismus übertrat, dessen Geheimrath und Statthalter im Herzogthume Neuburg, wo er die Herstellung des Katholicismus trotz dem Widerstreben der Landstände eifrig und nachdrücklich förderte. 1619 warb er für Herzog Maximilian von Baiern eine Compagnie, 1620 ein Regiment deutscher Kürassiere in den Jülicher Landen und führte dieselben als Oberst bei dem Kriegszuge gegen Oberösterreich. Nach der Unterwerfung des Erzherzogthums wurde er vom Kaiser Ferdinand II. und von Herzog Maximilian, dem das Land verpfändet ward, zum Statthalter ernannt, sowie bald auch zum Obersten zu Pferd und zu Fuß sowie zum kaiserlichen und bairischen Kämmerer und Rath. 1622 und 1623 stand er als Generalwachtmeister bei dem in Westdeutschland kriegenden Heere der Liga und führte während des Winters eine Zeitlang den Oberbefehl in Vertretung Tillys. Im Herbste 1623 kehrte er nach Linz zurück. Die Confiscationen, welche in den kaiserlichen Ländern verhängt wurden, benutzte er, um die Grafschaft Ort am Traunsee sowie die Herrschaften Pernstein und Buchheim in Oesterreich ob der Enns und die Herrschaften Tauschelin und Pittoveß in Böhmen zu erwerben. Auch die Herrschaft Schuzh in Steiermark kam in seinen Besitz. Vom Kaiser wurde er in den Grafenstand erhoben. Als Statthalter trat er den Adlichen Oberösterreichs, die der Regierung noch lange zu trotzen suchten, mit einer Entschiedenheit entgegen, die ihn gefürchtet und verhaßt machte. Den Bürgern und Bauern dagegen suchte er die sie treffenden Lasten zu erleichtern. Die zwangsweise Katholisirung des Landes widerrieth er dem Kaiser und als sie dennoch angeordnet wurde, war er bemüht, die Unterthanen durch Milde zu gewinnen. Sogar offenen Widerstand verzieh er anfangs. Als aber im Mai 1625 mehrere Gemeinden sich aufrührerisch zeigten, strafte er mit furchtbarer Strenge. Das trug wesentlich dazu bei, daß im folgenden Jahre eine allgemeine Empörung der Bauern ausbrach. Bei dem Versuche, dieselbe mit dem wenigen im Lande liegenden Kriegsvolke niederzuschlagen, erlitt er durch Hinterhalt eine vollständige Niederlage und wurde darauf von den Bauern, die das ganze Land in ihre Gewalt brachten, in Linz belagert. Drei Monate lang vertheidigte er die von Lebensmitteln und Kriegsbedarf entblößte, schlecht befestigte und schwach besetzte Stadt mit großem Geschick und Muth, bis ihn der Anzug kaiserlichen Kriegsvolkes befreite. 1627 erhielt er vom Könige von Spanien den Calatravaorden. Nachdem Oberösterreich 1628 aus der bairischen Pfandschaft gelöst worden, wurde er von Ferdinand II. zum Landeshauptmann und Geheimrathe ernannt. Bald darauf begann er zu kränkeln, wie erzählt wird, in Folge des Aergers, den er darüber empfand, daß Geldforderungen, die er an den Kurfürsten von Baiern stellen zu können glaubte, durch größere Gegenforderungen abgelehnt wurden. Am 11. September 1629 starb er zu Ort, ohne von seiner Gemahlin, Maria Salome, Freiin von Preising, der Wittwe des Reichserbmarschalls Veit von Pappenheim, Kinder zu hinterlassen.

    • Literatur

      Khevenhiller. Conterfet Kupfferstich II, 362 mit Bildniß; L. Gremmel, Geschichte des Herzogthums Neuburg und Archivalien.

  • Autor/in

    Stieve.
  • Empfohlene Zitierweise

    Stieve, "Herberstorff, Adam Graf von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 29-30 unter Herbersdorf [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118549480.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA