• Genealogie

    Aus Müllerfam. im Dienst d. Stifts Tepl.

  • Leben

    Nach seinem Noviziat imPrämonstratenserstift Tepl studierte H. in Innsbruck Theologie (1889 Priesterweihe) und anschließend Germanistik bei Wackernell, Zingerle und andere (Dissertation: Die Sprache des jungen Schiller, 1893). 1894 mußte er das Lehramt am Staatsgymnasium in Pilsen – den Lehrkörper stellte das Stift Tepl – antreten und so auf die akademische Laufbahn verzichten. Seine 1900 erfolgte Wahl zum Abte des Stiftes Tepl, zuletzt ein Augenleiden, hinderten H., größere wissenschaftliche Arbeiten zu veröffentlichen, privates Weiterstudium der altgerman. Dialekte machten ihn jedoch zu einem Kenner dieser Materie. Vor allem hatte sich H. in die Probleme der im Stifte Tepl aufbewahrten mittelhochdeutschen Übersetzung des Neuen Testamentes (Ende 14. Jahrhundert, als „Codex Teplensis“ bekannt) vertieft.

    Als Abt verstand es H., die vorhandenen materiellen Mittel des Stiftes für kulturelle und kirchliche Zwecke zu aktivieren. Er veranlaßie den Neubau der Stiftsbibliothek mit Prunksaal und Museum (1903–05), die Restaurierung mehrerer Patronatskirchen und erwies sich als großzügiger Förderer der Landwirtschaft, kultureller, humanitärer und karitativer Einrichtungen. Dadurch, daß die Heilquellen und mehrere Badehäuser des benachbarten Kurortes Marienbad stiftisches Eigentum waren und die Äbte seit Anfang dieser Gründung (1818) gewissermaßen als „oberste Badeherren“ galten, kam H. in nähere Berührung mit vielen Repräsentanten der internationalen Gesellschaft, unter anderem Eduard VII. von England, Ferdinand von Bulgarien. 1901 war H. in den böhmisch Landtag gewählt (Kurie des Großgrundbesitzes) und 1905 zum lebenslänglichen Mitglied des österreichisch Herrenhauses ernannt worden. 1928 kam er in die Landesvertretung der sudetendeutschen Christlichsozialen in Prag. Als Politiker setzte sich H. für die Belange der Deutschen in Böhmen und für die Interessen des österreichisch Gesamtstaates ein, was sich nach der Errichtung der Tschechoslowak. Republik (1918) für ihn und das Stift ungünstig auswirkte. Gegen die Maßnahmen der zu Entnationalisierungszwecken mißbrauchten Bodenreform der Prager Regierung appellierte der Abt an den Völkerbund in Genf. Das hohe Ansehen H.s in der Öffentlichkeit hielt nach 1938 das NS-Regime davon ab, das Stift zu unterdrücken, doch fehlte es nicht an Schwierigkeiten.

    Für den Prämonstratenserorden erwarb H. 1921 das säkularisierte Kloster Speinshart (Oberpfalz) zurück, er wurde 1927 Vertreter des Generalabtes (Generalvikar) für die Klöster der Tschechoslowakei und Definitor des Ordens.|

  • Auszeichnungen

    Dr. h. c. (Prag), Mitgl. d. Dt. Ak. d. Wiss. u. Künste in Prag.

  • Werke

    Weiteres W Zur Syntax Hugos v. Montfort - Das Verbum, in: 44. Jber. d. k. k. Staatsgymnasiums in Pilsen, 1897.

  • Literatur

    V. O. Ludwig, Abt G. H., Ein Lb. aus unseren Tagen, 1954 (P);
    ÖBL.

  • Autor/in

    Augustinus Kurt Huber
  • Empfohlene Zitierweise

    Huber, Augustinus Kurt, "Helmer, Gilbert" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 493 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118548921.html#ndbcontent

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