Lebensdaten
1873 bis 1958
Geburtsort
Christiania (Oslo)
Sterbeort
Tegernsee (Oberbayern)
Beruf/Funktion
Maler ; Zeichner
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 118543539 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gulbransson, Olaf Leonhard
  • Gulbransson, Olaf
  • Gulbransson, Olaf Leonhard
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Zitierweise

Gulbransson, Olaf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118543539.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Edvard Gulbrandsen (1840–1925), Buchdrucker, S d. Hans;
    M Olava Caspersdotter (1844–1914), T d. Caspar Olsen;
    1) Christiania 1897 (⚮) Inga Liggeren ( 1953), 2) 1906 (⚮) Grethe (1882–1934), T d. Kunstmalers Jac. Jehly (1854–97, s. ThB) u. d. Vanda Freiin v. Poellnitz, 3) München 1923 Dagny (* 1901), T d. Einar Björnson (1864–1942), Großkaufm. u. Schiffsreeder (S d. Dichters u. Pol. Björnstjerne Björnson, 1832–1910), u. d. Elsbeth Langen; Ov d. 3. Ehefrau Björn Bj. (1859–1942), norweg. Schauspieler u. Schriftst., 1899-1907 Dir. d. norweg. Nat.-Theaters, 1908/09 d. Hebbeltheaters in Berlin; Om d. 3. Ehefrau Albert Langen ( 1909), Verleger, Gründer d. Simplicissimus;
    2 T aus 1), 1 S aus 2) Olaf (s. 2).

  • Leben

    Von seinem 12. bis 17. Jahr besuchte G. die königlich-norwegische Zeichenschule in Christiania, mit 16 begann er schon Illustrationen zu zeichnen, die in den Blättern „Tyrihans“, „Trangviksposten“ und „Karikaturen“ auch weiterhin erschienen. 1900 machte er eine Reise nach Paris, wo er in dem skandinavischen Bohèmekreis des Montparnasse verkehrte, und 1901 wurde ein Album mit 24 Karikaturen berühmter Norweger von ihm veröffentlicht. – Der Gründer und Verleger des Simplicissimus, Albert Langen, durch seinen Schwiegervater Björnstjerne Björnson mit dem künstlerischen Norden vertraut, berief G. 1902 – telegraphisch – nach München, wo dieser dann lebenslang verblieb als einer der Größten im glanzvollen Mitarbeiterkreis des Simplicissimus und als eine von vielen Anekdoten umrahmte, gewichtige und populäre Persönlichkeit: in zahllosen Selbstkarikaturen hat er seine schweren Gliedmaßen, den blanken Schädel, die kleinen Äuglein und die runden Nasenlöcher dargestellt, einem Walroß nicht unähnlich. Auf dem Schererhof über Tegernsee führte er ein Sonne, Wasser und Natur genießendes Leben, bis zuletzt tätig.

    G.s zeichnerischer Stil ist wesentlich auf die Linie, die Kontur gestellt und von unbeirrbarer Sicherheit. Er hat sich wenig verändert, allenfalls kann man in seinen späteren Arbeiten ein Zurücktreten der eigentlichen (verzerrenden) Karikatur feststellen, auch gibt er oft durch schraffierende Strichlagen Andeutungen von Modellierung, während auf den früheren Blättern, wie in seinen bekannten Bildnissen „Berühmte Zeitgenossen“ (1905), eine kalligraphisch-stilisierende, auf reinen Schwarz-Weiß-Gegensatz gestellte Ausdrucksweise herrscht, sowie eine Knappheit, die etwas überzeugend Endgültiges hat (zum Beispiel Ibsen, die Duse oder der junge Knut Hamsun). Sein Stoffgebiet ist der Mensch schlechthin, alle Lebensalter, alle sozialen Stufen kommen vor. Es ist, als ob hintergründig eine Jugenderinnerung an die weltentlegenen Einsamkeiten norwegischer Wälder und ihren urtümlichen Menschenschlag ihn mit Verwunderung, aber ohne Bitterkeit und aggressive Schärfe auf die Mitwelt blicken lasse. So kommt ihr Gehabe ihm „komisch“ vor, und lachend spießt sein präziser Strich sie auf. Doch ist sein Humor nicht durchaus gutmütig. Zeichnend wie auch schreibend hält er eine gewisse Distanz, und in seinen meisterhaft erzählten Erinnerungen und Anekdoten wird Zartes und Groteskes, wird Kinderspiel und Mord reflexionslos und gleichmütig aneinander gereiht.

    Neben seiner gewaltigen illustrativen und karikaturalen Lebensleistung hat G. eine große Reihe von Bildnissen gezeichnet und gemalt. Auch hier zeigt sich seine mühelose Meisterschaft sowohl im Erfassen der darzustellenden Persönlichkeit wie in der Beherrschung der verschiedensten graphischen und malerischen Mittel; sie reichen von der raschen Skizze bis zu fast altmeisterlich anmutender Durcharbeitung.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Preuß. Ak. d. Künste (1916), Ehrenmitgl. (1925) u. Prof. (1927) d. Bayer. Ak. d. bildenden Künste, Kulturpreis d. Stadt München (1957).

  • Werke

    Weitere W u. a. Publikationen: Aus meiner Schublade, 1912;
    Es war einmal, 1934 (Text u. Zeichnungen);
    Begegnungen (Sprüche u. Wahrheiten), 1939;
    Lieber Olaf - liebe Franziska!, 1950 (mit Franziska Bilek);
    Und so weiter, 1954 (Text u. Zeichnungen);
    Idyllen u. Katastrophen, 1954 (Zeichnungen mit Versen v. Dr. Owlglass);
    So siehst Du aus, hrsg. v. P. Schaaf, Opladen 1955 (53 Zeichnungen zu Texten versch. Autoren);
    Das auch noch, 1959 (60 Zeichnungen);
    Ach wüßtest Du, Sprüche u. Wahrheiten, eingel. v. P. Bamm, 1959. - Illustrationen: L. Thoma, Tante Frieda, 1907, Neue Aufl. 1953;
    ders., Lausbubengeschichten, 1959;
    M. Dingler, Auferstehung, 1950;
    P. Bamm, Die kleine Weltlaterne, 1957;
    B. H. Bürgel, Vom tägl. Ärger, o. J.

  • Literatur

    L. Corinth, in: Kunst u. Künstler 6, 1908, S. 55-64;
    ders., in: Legenden a. d. Künstlerleben, 1909;
    J. Thiis, Norske Malere, Bergen 1910, S. 407;
    J. Elias, in: Kunst u. Künstler 15, 1917, S. 193 f.;
    K. Glaser, in: Kunstchronik NF 28, 1916/17;
    A. L. Mayer, ebd. 30, 1918/19;
    O. G., Maler u. Zeichner, einleitende Texte v. E. Roth u. a., 1959 (P);
    Ausstellungskat. O. G. (Ak. d. Schönen Künste München), 1962 (P);
    ThB;
    Vollmer II u. V.

  • Portraits

    Kopf in Bronze v. B. Bleeker (im Bes. d. Fam.);
    Kopf in Holz v. J. Wackerle (Privatbes.);
    Bronzebüste v. H. Wimmer, 1940 (München, Neue Staatsgal.), Abb. in: H. Wimmer, Bildnisse unserer Zeit, 1958;
    zahlr. Selbst-P, vgl. Ausstellungskat. (s. L), u. a. mit roter Schürze, Sonnenhut u. Palette (Öl), 1947 (im Bes. d. Fam.), Abb. in: O. G., Maler u. Zeichner, 1959 (s. L, dort auch Selbstbildnis, 1930).

  • Autor/in

    Friedrich Ahlers-Hestermann
  • Empfohlene Zitierweise

    Ahlers-Hestermann, Friedrich, "Gulbransson, Olaf" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 300 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118543539.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA