Lebensdaten
1869 bis 1931
Geburtsort
Schladen am Harz
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Sozialhygieniker
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118542710 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Grotjahn, Alfred

Porträt(nachweise)

Orte

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Zitierweise

Grotjahn, Alfred, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118542710.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Robert (1841–1908), Arzt, Sanitätsrat, S d. Heinrich, Arzt u. Kreisphysikus in Sch., u. d. Pastors-T Auguste Diener;
    M Emma (1845–75), T d. Kantonspitalverwalters Frey in Zürich;
    1900 Charlotte Hartz ( 1945) aus Berlin;
    2 S, 1 T, u. a. Martin, Prof. d. Psychol. in Beverly Hills.

  • Leben

    Bereits auf dem Gymnasium in Wolfenbüttel kam G. durch Albert Südekum mit dem Sozialismus in Berührung. Nach Promotion (1894) und Staatsprüfung (1896) in Berlin ließ er sich hier als praktischer Arzt nieder. Im Zentrum der Arbeiterbewegung kam er mit deren führenden Persönlichkeiten in Verbindung. Er bemühte sich, medizinische Dinge in sozialwissenschaftlicher Beleuchtung darzustellen, um zu einer Theorie der sozialen Pathologie und der sozialen Hygiene zu gelangen. 1901/02 besuchte er das staatswissenschaftliche Seminar von G. Schmoller. 1912 wurde G. Privatdozent an der Universität Berlin mit dem Titel Professor. 1915 gab er nach 20-jähriger Tätigkeit die ärztliche Praxis auf und trat als Vorsteher der Sozialhygienischen Abteilung in das Medizinalamt der Stadt Berlin ein. 1919 wurde er Direktor des Heilstättenamtes der Stadt Berlin, 1920 ordentlicher Professor für Soziale Hygiene an der Universität Berlin (es war die erste Professur dieser Art in Deutschland). Im Herbst 1919 trat G. endgültig in die SPD ein und war 1921-24 Mitglied des Reichstags, wo er dem Sozialpolitischen Ausschuß angehörte und sich besonders für das Zustandekommen des Reichsjugendwohlfahrtsgesetzes und des Gesetzes zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten einsetzte. Er arbeitete auch in der Hygienesektion des Völkerbundes mit. G. gilt als der Begründer der Sozial-Hygiene als Wissenschaft. Er hat durch seine wissenschaftlichen Arbeiten und durch seine Lehrtätigkeit auf dieses bisher stark vernachlässigte Gebiet der Hygiene hingewiesen und zur Beschäftigung mit demselben angeregt. Er hat den Begriff der Sozialen Hygiene festgelegt und ihr die Forschungsmethode gegeben, durch die sie als selbständige Wissenschaft sich Anerkennung und Geltung verschafft hat.

  • Werke

    W u. a. Btr. z. d. Lehre v. d. Purpura, Diss. Berlin 1894;
    Der Alkoholismus nach Wesen, Wirkung u. Verbreitung, 1898;
    Über Wandlungen in d. Volksernährung, 1902;
    Krankenhauswesen u. Heilstättenbewegung im Lichte d. Soz. Hygiene, 1908;
    Soz. Pathol., 1912, 21915;
    Hdwb. d. Soz. Hygiene, 1912 (mit I. Kaup);
    Geburtenrückgang u. Geburtenregelung, 1914, 21921;
    Soz. Hygiene, Geburtenrückgang u. d. Problem d. körperl. Entartung, in: Weyls Hdb. d. Hygiene, Erg.bd., 21918;
    Die Hygiene d. menschl. Fortpflanzung, 1926;
    Die Leistungen d. dt. Krankenversicherung im Lichte d. Soz. Hygiene, 1928 (mit F. Goldmann);
    Ärzte als Patienten, 1929;
    Maßvolle Schulreform, 1929;
    Erlebtes u. Erstrebtes, Erinnerungen e. Sozialist. Arztes, 1932 (P);
    Eine § 218-Kartothek u. ihre Lehren, in: Med. Welt 5, 1931, S. 1221–24. - Hrsg. (mit F. Kriegel): Jberr. üb. Soz. Hygiene u. Demographie, 20 Bde., 1901–23. - W-Verz. v. B. Harms u. D. Tutzke, in: Zs. f. d. ges. Hygiene 3, 1957, H. 1.

  • Literatur

    A. Fischer, in: Ärztl. Mitt. 32, 1931, Nr. 41;
    M. Kantorowicz, A. G.s Stellung in d. Theorie d. soz. Hygiene, in: Zs. f. Schulgesundheitspflege u. soz. Hygiene 44, 1931, H. 21;
    ders., A. G.s Lebenswerk, in: Fortschritte in d. Gesundheitsfürsorge 6, 1932, H. 4;
    Martin Grotjahn [S], A. G.s bevölkerungspol. Schrr., in: Archiv f. Bevölkerungspol. 3, 1933, H. 3;
    B. Harms, in: Zs. f. Soz.hygiene 1, 1949, Nr. 2;
    ders., A. G.s Forderungen z. Wohnkultur, in: Städtehygiene 7, 1956, H. 11;
    D. Tutzke, in: Med. Mschr. 14, 1960, H. 1;
    ders., A. G.s Verhältnis z. Soz.demokratie, in: Zs. f. ärztl. Fortbildung 54, 1960, H. 21.

  • Autor/in

    Bruno Harms
  • Empfohlene Zitierweise

    Harms, Bruno, "Grotjahn, Alfred" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 169 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118542710.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA