Lebensdaten
1880 bis 1945
Geburtsort
Hannover
Sterbeort
Zürich
Beruf/Funktion
Philosoph ; Pädagoge
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 118542303 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Grisebach, Eberhard

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Grisebach, Eberhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118542303.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Rudolph (1838–1910), preuß. Reg.vizepräs., stolberg-wernigerod. Kammerpräs., S d. Gutsbes. Rudolph in Bückeburg (B d. August, s. 1) u. d. Therese Flügge;
    M Marline (1857–83), T d. Adolf v. Harnier, auf Echzell usw., u. d. Luise Freiin v. Rotenhan;
    B Manfred (1881–1951), Pfarrer, Abt.-Leiter im Dt. Auslandsinst. Stuttgart (s. L), Helmuth (* 1883), Architekt;
    Vt Erich (1864–1941), Senatspräs. in Hamburg;
    Davos 1909 Lotte (* 1890), T d. Dr. med. Lucius Spengler u. d. Helene Holsboer;
    3 S, 2 T;
    Schwieger-S Rudolf Meyer (* 1915), Prof. d. Philos.

  • Leben

    Nach Besuch des humanistischen Gymnasiums geht G. 1900 zum Architekturstudium nach Darmstadt. An der Universität Berlin (1901–03) hört er Heinrich Wölfflin, mit dem er zeitlebens in tiefer Freundschaft verbunden bleibt. Gesundheitsrücksichten zwingen zu einem Aufenthalt in Davos. Die unfreiwillige Muße bringt ihn mit Problemen der menschlichen Gemeinschaft in Berührung, die seine kulturphilosophischen Interessen wachrufen. 1908 nimmt er bei R. Eucken in Jena sein Studium wieder auf, bei dem er 1910 mit der Dissertation „Kultur als Formbildung“ promoviert, um 1913 mit der Schrift über die „Kulturphilosophische Arbeit der Gegenwart“ in Jena zu habilitieren. Auch wenn die Auseinandersetzung mit Dilthey, Simmel, Rickert und Eucken noch weitgehend unter ästhetischen Gesichtspunkten geführt wird, so heißt es nun doch, daß „die Anleitung zum wesentlichen Leben als Pädagogik und Ethik im weitesten Sinne die vornehmste Aufgabe der Philosophie“ sei. Der Durchbruch von Euckens Neoidealismus, den G. noch in „Wahrheit und Wirklichkeiten“ (1919) vertreten hat, zur ethischen Wirklichkeit des wesentlichen Lebens, vollzieht sich in einer Reihe von Schriften, aus welcher vor allem zu nennen sind: „Probleme der wirklichen Bildung“ (1923) und „Die Grenzen des Erziehers und seine Verantwortung“ (1924). Daran schließt sich das Hauptwerk G.s „Gegenwart“ (1928) unmittelbar an. Es ist von einer Eindringlichkeit und Leidenschaft der Diktion, die den letzten Anspruch dieses appellierenden Denkens – die Selbstgewißheit eines vermeintlich ethischen Wissens zu erschüttern – trägt und rechtfertigt. Es beginnt mit einer radikalen Kritik der Innerlichkeit in ihrem Anspruch auf das zwischenmenschliche Dasein, die damals auch von der protestantischen Theologie aufgenommen worden ist (vergleiche Gogarten, Brunner und andere). Eigentümlich für G. ist es, daß er die erkenntnistheoretische Frage von der Wirklichkeit zu einer ethischen macht: Jedes Erkennen ist ein Entfalten des Wesens des Selbst; die Einbildungskraft ist eine Funktion der Selbstbehauptung; wirklich und gegenwärtig wird das Leben des Menschen daher nur, wenn ihm durch das Dasein des anderen Menschen widersprochen wird. – 1931 folgte G. einem Ruf auf den Lehrstuhl der Philosophie und Pädagogik an der Universität Zürich, wo er bis zu seinem Tode lehrte. 1942 erscheint „Die Schicksalsfrage des Abendlandes“. Drei programmatische Vorträge, die Grundstellung seines Denkens bezüglich jener Fragen, die ihn zeitlebens beschäftigt haben: „Was ist Wahrheit in Wirklichkeit?“ (1939), „Jeremias Gotthelfs Anweisung zum wirklichen Leben“ (1940) und „Das Moderne in der Kunst“ (1941).

  • Werke

    Weitere W u. a. Freiheit u. Zucht, 1936;
    Jacob Burckhardt als Denker, 1943;
    Maler d. Expressionismus im Briefwechsel mit E. G., 1962.

  • Literatur

    J. Cullberg, Das Du u. d. Wirklichkeit, Upsala 1933;
    H. Eisenhut, Die Auffassung d. Menschen in G.s krit. Ethik, in: Zs. f. Theol. u. Kirche NF 14, 1933;
    Guido Schmidt, Der Ausgang neuprot. Theol. aus d. krit. Philos. E. G.s, 1953;
    M. Buber, Zur Gesch. d. dialog. Prinzips, 1954. - Zu B Manfred: W. Drascher, in: Condor, Santiago, v. 20.10.1951.

  • Autor/in

    Rudolf Meyer
  • Empfohlene Zitierweise

    Meyer, Rudolf, "Grisebach, Eberhard" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 98 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118542303.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA