Lebensdaten
um 1450 bis 1518
Geburtsort
Schmidmühlen bei Burglengenfeld (Oberpfalz)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Bildhauer ; Baumeister
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118541595 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Grasser, Asm
  • Grasser, Rasm
  • Grasser, Erasmus
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Zitierweise

Grasser, Erasmus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118541595.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hans, in Sch. (?);
    M Barbara Hanauer (?) ( 1508);
    Dorothea, T d. Heinr. Kaltenprunner;
    2 S, Stephan u. Hans, letzterer Maler, erw. 1522-28 in M.

  • Leben

    G. erscheint erstmals 1474 als Schnitzer in den Akten der Münchner Malerzunft, der auch die Bildhauer angehörten. 1477 wird er bereits als Meister genannt; 1480, 1484, 1487, 1499, 1503 und 1504 ist er „Vierer“, das heißt einer der 4 Vorsteher der Zunft, 1513-18 Mitglied des Äußeren Rats. Er wohnt zuerst „in der Stat Marie“, nach 1500 erwirbt er ein Haus in der vorderen Schwabinger Gasse, der heutigen Theatinerstraße.

    G.s frühestes archivalisch gesichertes figurales Werk ist die Folge von 16 Figuren des Moriskentanzes für den Saal des alten Rathauses in München – 10 davon sind im Stadtmuseum erhalten geblieben –, die ihm 1480 bezahlt werden und seinen Ruhm als bedeutendster Bildhauer der Spätgotik in München begründen. In den grotesken Gestalten dieser Moriskentänzer zeigt sich G.s Schnitzstil beispielhaft ausgeprägt: eine zarte, schlanke Körperlichkeit, räumlich verschränkte, kreisende Bewegtheit; die schnitzerische Gestaltung erscheint rasch und zügig, oft wie modelliert; die einzelnen Typen sind scharf zupackend, drastisch charakterisiert. – Als Frühwerke G.s aus der Zeit um 1475 sprach P. Frankl einige der figürlichen Gewölbekonsolen der Münchner Frauenkirche an, die im Physiognomischen Ähnlichkeit mit den Tänzerfiguren aufweisen. 1482 entstand das Rotmarmorgrabmal des Dekans Dr. Ulrich Aresinger in Sankt Peter in München, G.s einziges voll bezeichnetes und datiertes Werk. Die ungewöhnliche Komposition des Reliefs, eine architektonische Nische, in der der Verstorbene vor den auf monstranzartigem Sockel sitzenden Heiligen Petrus und Katharina kniet, geht teilweise auf Stiche des Meisters E. S. zurück. In die gleiche Stilphase um 1480 gehören die aus dem Salzburger Dom stammende Schreingruppe des Pfingstfestes auf der Nonnenempore des Klosters Nonnberg zu Salzburg, eine Beweinungsgruppe in der Hauskapelle des Georgianums in München, die zart bewegten Assistenzfiguren einer Kreuzigung aus der Kirche Pipping bei München im Bayerischen Nationalmuseum, dann der 1482 entstandene Heilig Kreuz-Altar in der Pfarrkirche München-Ramersdorf. Das figurenreiche Kreuzigungsrelief dieses Schreins zeigt in seiner malerischen Komposition niederländische und oberrheinische Anklänge; die Innenseiten der Flügel geben 4 Passionsreliefs. An den Ramersdorfer Altar schließen sich stilistisch das wohl aus dem Münchner Klarissinnenkloster stammende Monstranzaltärchen im Bayerischen Nationalmuseum (um 1490) und eine Gnadenstuhlgruppe in der Pfarrkirche Schliersee an. Die für 1483 archivalisch gesicherte thronende Muttergottes in der Klosterkirche Rottenbuch steht in der Tradition Münchner Mariendarstellungen; nahe verwandt ist eine Sitzmadonna in der Pfarrkirche Gmund am Tegernsee. Eine gewisse Verhärtung der Formensprache kündigt sich bei der im Klerikalseminar in Freising verwahrten Figur eines heiligen Michael an, der von dem Altar der ehemaligen Prälatenkapelle des Klosters Weihenstephan stammt. Zu monumentaler Wirkung gelangt G.s Schnitzkunst in dem großartigen thronenden Petrus vom Hochaltar der Münchner Peterskirche um 1490. Die 1490/92 für den Freisinger Dom gefertigten 7 steinernen Assistenzfiguren eines Heiligen Grabes müssen wegen ihrer barocken Überarbeitung als Stildokumente außer Acht bleiben. (Das 1489 von G. für den Freisinger Dom geschaffene Sakramentshaus ist nicht erhalten geblieben.) Um 1502 entstand in G.s Werkstatt der umfangreiche figürliche Schmuck – Propheten, Apostel und Heilige – des Chorgestühls der Münchner Frauenkirche; bei der 1860/68 vorgenommenen Verkürzung des jetzt völlig erneuerten Gestühls kamen eine Reihe von Büsten und Statuetten in das Bayerische Nationalmuseum, das Deutsche Museum Berlin und in Privatbesitz. Eine eigenhändige Arbeit hohen Ranges aus dieser Zeit ist die Georgsfigur im Schloßmuseum Berchtesgaden. Aus Westerham bei Miesbach stammt ein um 1500 geschnitzter thronender Gottvater von einem Gnadenstuhl im Bayerischen Nationalmuseum. Auch G.s Werke im 1. Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts bleiben noch ganz der Spätgotik verhaftet. Als Werkstattleistung sind die Figuren des ehemaligen Choraltars der Pfarrkirche Reichersdorf bei Miesbach (1502–05) anzusprechen. Der in freigelegter alter Fassung erhaltene Achatiusschrein mit der Sitzfigur des Heiligen in derselben Kirche, 1503 verdingt und 1506 bezahlt, erscheint hingegen bezeichnender für G.s Schnitzstil.

    G.s Schaffen bestimmt wesentlich das Bild der Münchner Plastik im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert. Sein Einfluß reicht über das bayerische Oberland bis in die österreichischen Alpenländer. Seiner Werkstatt entstammen offenkundig der Meister des Bötschnerepitaphs und der Meister des Pfingstfestes in Leutstetten. Die Voraussetzungen für G.s Stilbildung liegen in den Werken des Nicolaus Gerhaerts von Leiden und dessen unmittelbarer Nachfolge.

    Schwerer zu fassen ist G.s Tätigkeit als Architekt und Wasserbausachverständiger. Wir kennen jene Bauten in Bayern nicht, auf die sein weitreichender Ruhm als bewährter und kunstreicher Werkmeister gründet, so daß ihn sogar der Abt von Sankt Gallen in den 80er Jahren als entwerfenden Architekten für den Bau des Klosters Mariaberg bei Rorschach heranzog. 1492-1502 leitet G. die Erweiterung der Pfarrkirche zu Schwaz in Tirol. Er fügt der dreischiffigen Anlage südlich ein weiteres Schiff und eine zweite Chorapside hinzu und verlängert den ganzen Bau um 2 Joche nach Westen, so daß die Bürgerschaft und die Knappen der Silberbergwerke jeweils einen eigenen zweischiffigen Kirchenraum haben.– 1494 begutachtet G. den Salzbrunnen beim Kloster Weyarn, 1501 gibt er München seinen Rat für einen Brückenbau vor dem Schwabinger Tor, 1517 beruft ihn der Freisinger Bischof als Wasserbausachverständigen nach Beuerberg. Seit 1498 wird G. zu den Verhandlungen um die Verbesserung der Saline in Reichenhall herangezogen. Sein Ratschlag wird angenommen, 1507 ernennt ihn Herzog Albrecht zum obersten Bau- und Werkmeister des Salzbrunnens. G.s Salinenbauten, darunter auch eine Behausung und eine Kapelle, fielen dem Reichenhaller Stadtbrand von 1834 zum Opfer.

  • Literatur

    A. Feulner, E. G., o. J.;
    W. Pinder, Die dt. Plastik vom ausgehenden MA b. z. Ende d. Renaissance, 1924;
    Ph. M. Halm, E. G., 1928 (frühe L);
    K. Steinbart, Joh. Gg. Greif, 1935;
    E. Hessig, Die Kunst d. Meisters E. S. u. d. Plastik d. Spätgotik, 1935;
    M. Hasse, Der Salzburger Altar d. E. G., in: Jb. d. preuß. Kunstslgg. 60, 1939, S. 47 ff.;
    P. Frankl, Early works of E. G., in: Art Quaterly 5, Detroit 1942, S. 242-58;
    L. Fischel, Nicolaus Gerhaert u. d. Bildhauer d. dt. Spätgotik, 1944;
    G. Lill, Der hl. Petrus v. E. G., in: Zwiebelturm 2, 1947, S. 304 f.;
    Theodor Müller, Alte bair. Bildhauer, 1950;
    A. Feulner u. ders., Gesch. d. dt. Plastik, 1953;
    E. Egg, Süddt. Kunst im ma. Tirol, in: Zs. f. Kunstgesch. 17, 1954, S. 167 ff.;
    B. v. d. Au, Der Meister v. Leutstetten, in: Münster 10, 1957, S. 336 ff.;
    Th. Müller, Bayer. Nat.mus., Kataloge Bd. 13, 2: Die Bildwerke in Holz, Ton u. Stein v. d. Mitte d. XV. b. geg. Mitte d. XVI. Jh., 1959.

  • Autor/in

    Alfred Schädler
  • Empfohlene Zitierweise

    Schädler, Alfred, "Grasser, Erasmus" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 2 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118541595.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA