Lebensdaten
1897 bis 1929
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Maler ; Graphiker
Konfession
evangelischer Vater,katholische Mutter
Normdaten
GND: 118541439 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gramatté, Walter
  • gramatte, walter

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Gramatté, Walter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118541439.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Otto (1867–1932, ev.), Bäcker, S d. Eduard (in Schlesien);
    M Katharina (* 1868, kath.), T d. Franz Block in Blankensee/Ostpr. u. d. Katharina Tietke;
    1) (bald ⚮) Hetta Lindhorst, 2) 1920 Sonia Fridman ( 2] Dr. Ferd. Eckhardt, * 1902, Kunsterzieher), Komponistin (als Eckhardt-Gramatté), T d. N. N. Fridman u. d. Katharina de Kochevskaia (langj. Freundin Leo Tolstois, Schülerin v. A. Rubinstein, Assistentin v. Pabst am Petersburger Konservatorium); kinderlos.

  • Leben

    Nach vorzeitiger Rückkehr aus dem 1. Weltkrieg, durch den G.s Studium an der Berliner Akademie mehrfach unterbrochen wurde und aus dem er äußerlich und innerlich zutiefst verletzt hervorging, entstanden die ersten expressionistischen Arbeiten „Aufschrei“, „Das Müdesein“, „Die große Angst“, die ihn in kurzer Zeit bekannt machten. Holzschnitt, Litho und Kaltnadelradierung, aber auch Öl (Lasuren) und ab 1920 Aquarell waren inspirierende Techniken für seine anklagende, schaurig-deprimierte Kunst. „Der Mann im Schlitten“ (Öl, datiert 1920) ist in der düster-kontrastreichen Farbgebung und pessimistischen Menschenauffassung ein typisches Bild der frühen Zeit. Freundschaft mit Gleichgesinnten, wie H. Kasack, E. Köppen, E. Heckel, später W. Niemeyer, K. Schmidt-Rottluff bedeutete ihm menschlich viel. Nach mißglückter erster Ehe war die Heirat mit der russischen Komponistin Sonia Fridman das beglückende und zugleich für seine Kunst entscheidende Erlebnis. Von jetzt an konzentrierte G. sich neben Landschaften und Blumen (Stilleben mit Tulpenstock und Uhr, 1921/22 [Öl], das er selbst als sein Hauptwerk bezeichnet) auf Selbstporträts und Bildnisse seiner Frau (je über 150). Dabei war er keineswegs egozentrisch oder auch nur ein ausgesprochen introvertierter Typus. Infolge der ihn bedrückenden Situation in Deutschland wanderte er 1924 nach Spanien aus, wo sich in der südlichen Umwelt die großen Spannungen in seiner Kunst lösten und er – neben den 3 großen Radierfolgen Lenz (1925), Wozzek und España (1925 und 1926, von G. in nur wenigen Exemplaren gedruckt und wohl nicht in öffentlichen Sammlungen) – beinahe heitere Landschaften in Öl und Aquarell malte. 1926 kehrte er nach Deutschland zurück; seine zunehmende Krankheit, die wohl auf den Krieg zurückgehen dürfte, wurde von vorübergehenden glücklichen Schaffensperioden aufgehellt, in denen spanische Landschaften und Porträts wie „Vava“ und „Mein Hulele-Bild“ (beide Öl) entstanden. Ausgehend vom Expressionismus der „Brücke“, hat G. später einen ganz persönlichen Stil gewonnen; zu Unrecht ist bisher nur sein frühes, hauptsächlich graphisches Werk bis etwa 1925 bekannt.

  • Werke

    Weitere W u. a. Illustrations- u. Mappenwerke: Gogol, Der Mantel, Lith., 1919;
    Dostojewski, Lebender Leichnam, Lith., 1919;
    H. Kasack, Die Tragische Sendung, Holzschn., 1920;
    Das Gesicht, Radierungen, 1925, Graphik an vielen Orten, hauptsächlich Hamburg, Berlin. - Die Kakteendame (Nat. Gal. Berlin). - Zahlr. W (u. a. d. im Text genannten) u. ges. Briefnachlaß im Bes. v. Sonia Eckhardt-Gramatté, 54 Harrow Street, Winnipeg/Canada. - Kollektivausstellungen: 1919 Buchkunst Berlin, 1920 Goltz München u. F. Möller Berlin, 1926 Atheneo Madrid, 1927 F. Möller Berlin. - 1932 Gedächtnisausstellung Hamburg u. v. dort in 9 anderen dt. Städten;
    weitere Ausstellungen 1951/52 Hamburg, Berlin, Frankfurt, Stuttgart, Mannheim;
    1957/58 Minneapolis, Baltimore u. in anderen amerikan. Städten.

  • Literatur

    F. Eckhardt, Das graph. Werk v. W. G., 1932;
    ders., in: Kunst u. Künstler, Aug. 1932 (mit Briefstelle, P);
    W. Wolfradt, in: Kunstbl., 1919, S. 38;
    H. Kasack, in: Die Horen, 1927/28, S. 530 (P);
    ders., Mosaiksteine, 1956, S. 254 ff.;
    Das Kunstwerk, 1953, S. 46 (Aquarelle);
    B. S. Myers, Die Malerei d. Expressionismus, 1957, S. 176;
    Vollmer (W, L).

  • Portraits

    Selbstbildnisse (City Art Gall. u. Mus. Liverpool, zahlr. im Bes. v. Sonia Eckhardt-Gramatté), Abb s L.

  • Autor/in

    Ferdinand Eckhardt
  • Empfohlene Zitierweise

    Eckhardt, Ferdinand, "Gramatté, Walter" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 737 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118541439.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA