Lebensdaten
1873 bis 1947
Geburtsort
Koblenz
Sterbeort
Starnberg
Beruf/Funktion
Regisseur
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118531832 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Luft, Peter (Pseudonym)
  • Falckenberg, Otto
  • Luft, Peter (Pseudonym)
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Zitierweise

Falckenberg, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118531832.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Otto, Hofmusikalienhändler;
    M Auguste Nedelmann aus Kaufm.fam. in Essen;
    1) 1903 Wanda Kick, 2) 1920 Sybille Binder (1898-1962), Schauspielerin, 3) Leipzig 1924 Gerda, T d. KR Anton Mädler;
    1 S, 1 T aus 1), u. a. Regina (* 1907), Schauspielerin, 1 S, 1 T aus 3).

  • Leben

    Erst auf langem Umweg kam F. im 41. Lebensjahr zu seiner eigentlichen Aufgabe am Theater. Gleichwohl war die Zeit zuvor sinnvolle Vorbereitung: Jugend im musischen Elternhaus, Lehrzeit 1891 in der väterlichen, 1893 in einer Berliner Musikalienhandlung, philosophische, literatur- und kunstgeschichtliche Studien an den Universitäten Berlin (1894) und München (seit 1896, nicht abgeschlossen) und erste – naturalistische – schriftstellerische Arbeiten. 1896 siedelte F. für immer nach München über. – F. beteiligte sich 1900 als Schriftführer an den kulturpolitischen Kämpfen des Goethebundes, wurde 1901 Mitbegründer, Autor und Regisseur des literarischen Kabaretts der „Elf Scharfrichter“ (Bühnenname: Peter Luft), inszenierte für den Akademisch-Literarischen Verein unter anderem die Uraufführung von Kleists „Robert Guiskard“, zog sich 1903 nach Emmering bei Fürstenfeldbruck zu dramaturgischen Studien (Dramaturgie Schillers, 1908) und dramatischer Arbeit (Doktor Eisenbart, 1907) zurück und hatte mit dieser Komödie in neuromantischem Stil beachtlichen Erfolg (Mannheim 1908), wie schon 1906 mit einer Laienaufführung seines „Deutschen Weihnachts-Spiels“ im Alten Münchener Rathaussaal – 1913 in den Kammerspielen wiederholt. Für 1914/15 als Oberspielleiter und Chefdramaturg an diese avantgardistische Bühne verpflichtet, wurde er 1917/18 ihr Direktor und künstlerischer Leiter. Herbst 1926 siedelte er mit seinem Ensemble in das Schauspielhaus über und blieb Direktor (seit 1939 Städtischer Intendant) bis zum Brand 1944. – F.s Bedeutung für die deutsche Theatergeschichte besteht in der Ausbildung einer spezifisch Münchner Note des nachnaturalistischen Bühnenstiles, die sich vom norddeutschen unterschied etwa wie „Der blaue Reiter“ und „Die Neue Sezession“ von der „Brücke“. Grundlegend waren die konsequent surreale Weltkuraufführung von Strindbergs „Gespenstersonate“ (5.5.1915) und die Wiedererweckung von Shakespeares „Wie es euch gefällt“ auf musikalische, tänzerische, „atmosphärische“, scheinbar improvisierende Art (21.1.1917). Hieran schlossen sich seine traditionsbildenden Strindberg-, Shakespeare- und Sturm- und-Drang-Aufführungen an sowie zahlreiche Uraufführungen der Expressionisten Georg Kaiser, Barlach, Brecht, A. Bronnen und andere. Dazukommt eine Liebe zur Folklore (unter anderem R. Billinger, M. Mell); Klassikerinszenierungen sind, 1921 mit „Fiesco“ beginnend, die dritte, sich erst im Schauspielhaus breit entfaltende Gattung. Dem Spielplan geht die Art der Regieführung parallel, die, anfangs expressiv, immer souveräner und lockerer, das Stück durchleuchtender, den Schauspieler weckender und lösender wird – nie vergewaltigend und in ein Schema zwingend. Berühmt wurde daher F. vor allem auch als Schauspieler-Entdecker, -Former und -Umformer. Zahlreiche Prominente jener Jahre begannen bei ihm oder erlangten durch ihn ihre persönliche Note (zum Beispiel Käthe Gold, Horst Caspar, O. E. Hasse).

  • Auszeichnungen

    Die den Kammerspielen heute angeschlossene Schule trägt seinen Namen.

  • Werke

    Weitere W Modellstud., 1893;
    Stimmungen, Gedichte, 1896 Morgenlieder, 1899;
    Der Sieger, Ein dramat. Gedicht, 1901;
    Ein Dt. Weihnachtsspiel, nach alten Weihnachtsspielen u. -liedern eingerichtet u. erg., 1907;
    Doktor Eisenbart, Komödie, 1907, Neuausg. als Bühnen-Ms., 1943, f. d. Musik v. H. Zilcher bearb. v. H. W. v. Waltershausen, 1921;
    Die Dramaturgie Schillers, in: W. v. Scholz, Dt. Dramaturgie, 1908;
    Die Fahrt ins Wunderbare, e. Anthologie d. Kunstmärchens, 1911;
    Hrsg.: Das Programm, Bll. d. Münchener Kamerspiele, 1914/15 - 1943/44.

  • Literatur

    . O. F., 25 J. Regisseur u. künstler. Leiter an d. Münchener Kammerspielen (von Freunden u. Mitarbeitern), red. v. W. Petzet u. H. Wiedmann, 1939;
    O. F., Mein Leben – Mein Theater, Nach Gesprächen u. Dokumenten aufgezeichnet v. W. Petzet, 1944;
    H. Gebhart, Über d. Kunst d. Schauspielers, Gespräche mit O. F., 1948;
    Gina Falckenberg, Mein Vater O. F., in: Schwäb. Landesztg. 1949, Nr. 2;
    Rhdb. (W, P).

  • Portraits

    Ölgem. v. K. Schuh-Krähmer (München, Falckenberg-Schule) u. v. L. v. König (im Bes. v. Frau Gerda Falckenberg).

  • Autor/in

    Wolfgang Petzet
  • Empfohlene Zitierweise

    Petzet, Wolfgang, "Falckenberg, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 4-5 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118531832.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA