• Leben

    E., dessen Lebensdaten unbekannt sind, ist ein Schüler von H. Denck und war befreundet mit B. Hubmaier und mit H. Bünderlin, der gleich E. in Mähren, Straßburg und Preußen wirkte. E. war schon vor 1526 „Ecclesiast“ einer Täufergemeinde in Eibenschitz in Mähren. Als Mähren unter österreichische Herrschaft kam, mußten die Täufer auswandern. E. kam 1529 nach Straßburg, wo 1530 die ersten beiden Schriften von ihm erschienen. Nach der dritten erhaltenen Schrift von 1533 begegnet E. nur noch 1544 am preußischen Hof in Königsberg, wo er Einfluß zu haben schien. Vom März 1544 ist ein lateinisch abgefaßter Brief von E. an Johannes a Lasko erhalten. – E., bei seinem ersten Auftreten Täufer, hat sich später von diesen getrennt und ist einen eigenen, stark mystisch bestimmten und zum Spiritualismus neigenden Weg gegangen. Er leugnet die Erbsünde, wendet sich gegen den toten Buchstaben und tritt für das „innere lebendige Wort“ ein. Die Erlangung der Gottseligkeit sieht er in der Einung mit Gott in einem „ainigs ain“. Er richtet sich gegen die Zerteilung Gottes in drei Personen; nach E. gibt sich die „unzerteilige Gottheit mit dreifaltiger Kraft“ (dem Wesen = dem „Ist“; der Wirksamkeit; der Güte) zu erkennen und wirkt in den drei Stufen von Gesetz, Sohn, Heiliger Geist.

  • Werke

    Von d. manigfaltigen im glauben zerspaltungen, dise jar erstanden, Inn sonderhait v. d. Tauffspaltung u. jrem urtail, Ain bedacht (Unterschr. auf d. letzten S.: Geben zu Straßburg 24. Jan. 1530); Von warer Gotseligkait, wie d. mensch allhie inn diser zeyt darzu kommen mag, Ain kurtzer (aber gar nutzliche) Betrachtung, Straßburg 1530, Neuausg. Berlin 1781;
    Von Gottes u. Christi Jesu unnsers Herren erkändtnuß, ain bedacht, Allen Schülern d. hailigen gaysts weiter zebedencken aufgezaichnet, mit freyem urthayl, o. J. [1533]; Brief an Johannes a Lasko (auch Laski gen.), März 1544, in: Briefslg. d. Simon Abbes Gabbema, Harlingen 1669, auch b. Veesenmeyer (s. L).

  • Literatur

    G. Veesenmeyer, Etwas üb. Ch. E., in: Neuestes theol. Journal, hrsg. v. J. Ph. Gabler, Nürnberg 1800, IV, 4, S. 309-34;
    S. Calvary, Verz. seltener u. wertvoller Bücher, 1870, S. 47;
    L. Keller, Ref. u. Reformparteien, 1885, S. 433, 470;
    ders., Joh. v. Staupitz u. d. Anfänge d. Ref., 1888, S. 213, 360, 380, 394;
    R. M. Jones, Spiritual Reformers in the 16th and 17th Centuries, London 1914, S. 40 ff.;
    ders., Zwei Propheten d. inneren Wortes, Bünderlin u. E., in: Geistige Reformatoren d. 16. u. 17. Jh., 1925, S. 39-56;
    K. Schotlenloher, Phil. Ulhart, Ein Augsburger Winkeldrucker u. Helfershelfer d. „Schwärmer“ u. „Wiedertäufer“, 1921, S. 85, 89;
    Mennonit.-Lex. I.

  • Autor/in

    Peter Poscharsky
  • Empfohlene Zitierweise

    Poscharsky, Peter, "Entfelder, Christian" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 540 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118530526.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA