Lebensdaten
1691 bis 1752
Geburtsort
Waibstadt (Kraichgau)
Sterbeort
Mannheim
Beruf/Funktion
Bildhauer ; Zeichner
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118529013 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Egell, Paul

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Zitierweise

Egell, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118529013.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Paul (* 1654), Bürger, Ratsherr in W., S d. Johannes (Hans) Egel (Egli) (erw. 1653), aus der Schweiz, Schmied, seit etwa 1650 in W., u. d. Elisabeth Kuchenbeißer (um 1617-87), aus W., 1683 Mitgl. d. Rosenkranzbruderschaft; M Anna Maria Ernst(in), 1683 Mitgl. d. Rosenkranzbruderschaft; 2 B Johannes (Jois) Michael (* 1685, früh +), Johannes Paul (* 1687, früh +); - 1) Oggersheim 22.11.1723 Anna Martha Hagenmüller ( 1744/45) aus Maurer- u. Steinhauerfamilie in Mannheim, 2) Maria Martha ( 1771), T des Steinhauer- u. Stadtmaurermeisters Joseph Soherr in Mannheim;
    5 S, 7 T aus 1), u. a. Gg. Augustin (1730–85), Hofbildhauer in Mannheim, Mitarbeiter u. Nachfolger in der väterlichen Werkstatt (s. ThB, überholt), (wahrsch.) Ambrosius (1732–1801), Jesuit, Prof. der Experimentalphysik in Würzburg (s. Pogg. I; K. Baader, Lex. verst. bayer. Schriftst. II, 1825), 1 S aus 2) Philipp (1746–1808), Prof. der Math. u. Physik in Heidelberg (s. Pogg. I); Enkel (Sohn des Augustin) Heinrich (* 1759), Maler in München (s. ThB).

  • Leben

    E.s Geburtsdatum ist nur aus der Unterschrift auf dem Stich seines Porträts bekannt. Erste Nachricht über sein Werk ist ein Rechnungsbeleg von 1715/16 über ein an das Kloster Sankt Michael in Bamberg geliefertes Kruzifix (heute in Sankt Otto?). Als Geselle B. Permosers in Dresden begleitete er nachweislich seinen Meister 1717 nach Salzburg; es scheint durchaus möglich, daß er bis zu seiner Niederlassung in Mannheim 1720 bei Permoser arbeitete. Bis zu seinem Tode in Mannheim ansässig, erhielt er von 1731 an eine feste Besoldung vom dortigen Hof, die nach Ablehnung eines Rufes an den württembergischen Hof (1736) auf 400 Gulden erhöht wurde. 1737 erweiterte er sein 1733 erbautes Haus in Mannheim (M 3, 5). – Da E. seine Werke selten signierte, ist vieles nur auf Grund stilkritischer Untersuchungen zuzuweisen. Seiner Zeit muß er auch als Zeichner von Rang gegolten haben, beauftragte man ihn doch mit umfassenden Illustrationsaufgaben. Vom selbständigen graphischen Oeuvre ist heute nur noch ein kleiner Teil erhalten, so 17 Vorzeichnungen zu den Kupferstichen für die „Scriptores Historiae Romanae latini veteres“ (3 Bände, Heidelberg 1743 folgende); anderes ist nur in Stichen überliefert. Bei den sonstigen bekannten, in größerer Zahl erhaltenen Zeichnungen handelt es sich um ausgesprochene Bildhauerzeichnungen, um Skizzen und Entwürfe für Altäre, Statuen, Stuckierungen und Reliefs, jedoch konnte bis heute kaum eines der Blätter sicher mit einem seiner ausgeführten Werke in Verbindung gebracht werden. – E.s außerordentlich vielseitiges Oeuvre umfaßt Bildwerke aus Stein, Stuck, Holz, Metall und Elfenbein und reicht von der Bauplastik (unter anderem Mannheim, Neckartor, Schloßkirche, Jesuitenkirche und Frankfurt/Main, Palais Thurn und Taxis), Grabmälern (Durlach, Schwetzingen), Statuen (heiliger Franz Xaver und Aloysius aus dem Jesuiten-Kolleg, Apoll aus dem Mannheimer Schloß, jetzt in Schwetzingen unter anderem) über Altäre (Hildesheim, Dom; Mannheim, Untere Pfarrkirche) bis zu Statuetten und kleinformatigen Reliefs (Christuskopf, ehemals Hildesheim, Dom-Museum; heilige Theresa, Mannheim, Städtisches Museum; heiliger Laurentius und heiliger Johannes Baptist, beide Hamburg, Museum für Kunst und Gewerbe; heilige Ignatius und Franz Xaver, Frankfurt/Main, Historisches Museum und andere). Die sonst übliche Bevorzugung eines bestimmten Materials oder einzelner Aufgaben läßt sich aus den erhaltenen Werken nicht ablesen. Als Höhepunkte sind der Immaculata-Altar in Hildesheim, die genannten Heiligenreliefs und einige Kruzifixe (unter anderem in den Jesuiten-Kirchen von Mannheim und Heidelberg) anzusehen. Das Gesamtwerk E.s, das sich – mit Ausnahme des Bamberger Kruzifixus – erst von den 20er Jahren an übersehen läßt, bietet das Bild einer stetigen Entwicklung zu Verfeinerung und zu sparsamerer Anwendung aller plastischen Mittel, zu behutsamer Nuancierung sowohl im Aufbau wie auch in der Durchführung. Dabei bleibt auch den Spätwerken die volle Ausdrucksstärke erhalten. – Die Wurzeln des E.schen Stiles sind bis heute nicht völlig deutlich geworden. Das Bamberger Frühwerk läßt eine Orientierung an|spätgotischer Kunst möglich erscheinen, ein Zug, der später nicht mehr hervortritt. Eine wesentliche Grundlage bildet das Werk Berninis, seiner Schüler und seines Umkreises, dessen Kenntnis ihm durch Permoser, außerdem wohl durch graphische Blätter vermittelt worden war. Möglicherweise hat E. diese Kenntnis durch eine Italienreise vertieft. Beziehungen zur französischen Kunst des 17. Jahrhunderts hat vermutlich der Mannheimer Hof vermittelt. Darüber hinaus finden sich in dem Gesamtwerk E.s zahlreiche Hinweise (Aufbau der Reliefs und Zeichnungen, Proportionierung der Figuren, zum Teil auch die Zeichentechnik), die auf eine Beschäftigung mit der Kunst des späten 16. Jahrhunderts hindeuten. E.s Kunst hat nicht eigentlich schulbildend gewirkt, obgleich sich Auswirkungen, zum Teil durch Abgüsse und Kopien von Modellen vermittelt, bis in das Ende des 18. Jahrhunderts nachweisen lassen. Die stärkste Nachwirkung fand sein Schaffen wohl im Werk Ignaz Günthers, der im letzten Lebensjahr E.s in dessen Werkstatt arbeitete.

  • Literatur

    Ch. L. v. Hagedorn, Lettre à un amateur de la peinture, Dresden 1755;
    L. Göller, Btrr. z. Lebens- u. Fam.gesch. kurpfälz. Künstler u. Kunsthandwerker im 18. Jh., = Neues Archiv f. d. Gesch. d. Stadt Heidelberg XIV, 1 u. 2, 1928, S. 96-120 (P auch zu S Gg. Aug.);
    E. Bachmann, Einige unveröff. Elfenbeine aus d. Anfang d. 18. Jh., in: Wiener Jb. f. Kunstgesch. 15 (19), 1953, S. 136-44;
    K. Lankheit, Die Zeichnungen d. kurpfälz. Hofbildhauers P. E., 1954 (L);
    ders., E.-Stud., in: Münchner Jb. d. bildenden Kunst, III. F., 6, 1955, S. 243-60;
    L. Baron Döry, Der Bildhauer P. E. u. d. Brüder v. Weichs, in: Jb. d. Hamburger Kunstslgg. 3, 1958, S. 103-12.

  • Portraits

    3 Gem. v. J. G. Dathan (Stockholm, Nat.-Mus. [Abb. in: Gr. Deutsche im Bild, 1937);
    Köln, Wallraf-Richartz-Mus. [Foto Marburg] u. Mannheim, Städt. Mus.);
    Stich v. J. J. Haid nach e. Gem. v. Dathan (mit ausführl. Unterschr.).

  • Autor/in

    Roswitha Beyer
  • Empfohlene Zitierweise

    Beyer, Roswitha, "Egell, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 322 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118529013.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA