Lebensdaten
1553 bis 1611
Geburtsort
Mühlhausen (Thüringen)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Komponist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118528688 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Eccard, Johannes

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Eccard, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118528688.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Blasius, Fleischer, dann Küster u. städtischer Wiegemeister in Mühlhausen;
    M Magdalene;
    N. N. Schubert (?).

  • Leben

    E. wuchs in seiner Vaterstadt auf und fühlte sich nach einem Selbstzeugnis schon früh zur Musik hingezogen. 1567-71 hat er der Weimarer Hofkapelle angehört, empfing aber die entscheidenden künstlerischen Anregungen als Sänger der Münchner Hofkapelle von deren Leiter Orlando di Lasso. Nach einem Zwischenaufenthalt in seiner Heimat (1573/74) und vorübergehender Tätigkeit bei Jakob Fugger in Augsburg (1577/78) trat er 1579 in den Dienst der Hofkapelle, die Markgraf Georg Friedrich von Ansbach-Bayreuth in Königsberg unterhielt. Nahezu drei Jahrzehnte ist er hier tätig gewesen, zunächst als Vizekapellmeister (1580–1604), endlich als Kapellmeister (bis 1608). Die letzten Lebensjahre hat E. als kurfürstlicher Kapellmeister in Berlin verbracht. – E. kann in seiner Zeit trotz relativ beschränkten Umfangs seines Schaffens als ein Hauptmeister der deutschen Musik gelten; sein, soweit bekannt, rein vokales Lebenswerk ist vor allem für die Geschichte der evangelischen Kirchenmusik wichtig. Das ältere Prinzip motettischer Kompositionsweise weiß er mit Idealen des neueren deutschen Liedes, das nach unkomplizierten, übersichtlichen Formen strebt, fruchtbar zu verbinden und ist besonders um eine auch im kunstvollen Satz klare, der Gemeinde verständliche Darstellung der Choralmelodie bemüht.

  • Werke

    u. a. Neue dt. Lieder mit 4 u. 5 St.…, Mühlhausen 1578; Neue Lieder mit 5 u. 4 St.…, Königsberg 1589, Neuausg. v. R. Eitner, in: Publ. d. Ges. f. Musik-F 21, 1897; Geistl. Lieder auf d. Choral…, zu 5 St., 2 T., ebd. 1597, Neuausg. v. G. W. Teschner, 1860.

  • Literatur

    ADB V; C. v. Winterfeld, Der ev. Kirchengesang, 2 Bde., 1843/45;
    ders., Zur Gesch. hl. Tonkunst, 1850;
    G. Reichmann, J. E.s weltl. Werke, phil. Diss. Heidelberg 1922 (ungedr., W, L);
    F. Blume, Die ev. Kirchenmusik, 1931;
    H. Osthoff, Die Niederländer u. d. dt. Lied, 1938; A. Adrio, in: MGG III, Sp. 1068-74 (W, L, P).

  • Autor/in

    Walter Gerstenberg
  • Empfohlene Zitierweise

    Gerstenberg, Walter, "Eccard, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 271 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118528688.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Eccard: Johann E., berühmter Tonsetzer aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, geb. zu Mühlhausen 1553. Seine erste musikalische Erziehung wird er, wie anzunehmen sehr nahe liegt, durch Joachim v. Burgk empfangen haben; Schüler des Orlandus Lassus war er aller Wahrscheinlichkeit nach zwischen 1571 und 74. Winterfeld, dem wir überhaupt erst eine nähere Kenntniß und Würdigung Eccard's zu danken haben, ist der Meinung, daß er von München über Venedig nach Hause zurückgekehrt sei, was sehr glaublich ist; die Anziehungskraft, welche die dortigen großen Meister und Tonlehrer (Andrea Gabrieli, Claudio Merulo, Gioseffo Zarlino und später andere) schon damals auf die deutschen Musiker ausübten, war so mächtig, daß, wer irgend konnte, die Wallfahrt dorthin unternahm. Im J. 1578 lebte E., nachdem er inzwischen in seiner Vaterstadt sich aufgehalten hatte, einige Zeit bei Joseph Fugger in Augsburg als Musikus, dann kam er in den Dienst des Markgrafen Georg Friedrich von Brandenburg-Ansbach und nach Königsberg in Preußen, wo er anfangs Vice-Capellmeister, seit 1599 aber wirklicher Capellmeister war. Neun Jahre später, 1608, berief Joachim Friedrich ihn nach Berlin, doch setzte hier schon nach drei Jahren der Tod seinem Wirken ein Ziel. Eccard's erstes Werk, 20 „Odae sacrae“ zu 4 und mehr Stimmen, von dem Rector der Mühlhausener Stadtschule, Helmbold, gedichtet, erschien daselbst 1574; es folgten weltliche und geistliche Lieder ebd. 1578 und Königsberg 1589, nachher 20 lateinische Oden Helmbold's, Mühlhausen 1596; auch lieferte er zu Joachims v. Burgk Crepundia sacra von 1577 und zu dessen 30 geistlichen Liedern (nach Winterfeld wahrscheinlich zuerst 1585) verschiedene Stücke, wie auch in späteren Drucken Tonsätze Joachims v. Burgk und Eccard's verbunden sich finden. Die wichtigsten Werke Eccard's jedoch und diejenigen, welche hauptsächlich seinen Namen unter den Tonsetzern des protestantischen Kirchengesanges groß gemacht haben, sind seine beiden letzten. Erstens die 55 Tonsätze zu 5 Stimmen über die in Preußen gebräuchlichen Kirchenmelodien, in zwei Theilen, Königsb. 1597; zweitens und insbesondere „Die preußischen Festlieder durchs ganze Jahr mit 5—8 Stimmen“, in zwei Theilen, zuerst Königsb. 1598 (später noch durch Tonsätze seines Schülers Joh. Stobäus vermehrt, Th. I. Elbing 1642, II. Königsb. 1644). Eine sehr ausführliche und liebevoll eingehende Besprechung der Werke Eccard's und seines Kunstcharakters findet jeder, den es näher interessirt, bei Winterfeld, Evangel. Kirchenges. I, 433—496. Man kann aber im einzelnen Winterfeld's sinnige Bemerkungen über diesen Tonsetzer als zutreffend annehmen, ohne darum|an diejenige alle Zeitgenossen überragende Bedeutung Eccard's welche Winterfeld ihm beizulegen geneigt ist, zu glauben. Dazu war schon der auf das Lied und liedartige Sätze eingeschränkte Umfang seines Schaffens zu eng begrenzt, und wenn man auch das „Festlied“ als seine Erfindung gelten lassen will, so war doch weder diese Mischung von Lied und Motette besonders entwicklungsfähig und von Einfluß auf spätere Formbildungen, noch Eccard's Schöpferkraft und Formenreichthum überhaupt sehr groß. Ungeachtet der tadellosen Reinheit, des vollendeten Flusses der Stimmführung und der höchsten Klangschönheit, welche ihm durchaus eigen sind, kann man doch weder behaupten, daß er zur Entfaltung und Bereicherung der Harmonie sehr wesentlich und etwa in einem ähnlichen Umfange wie vor allen Hans Leo Hasler, dann Gumpeltzhaimer, Erbach etc. beigetragen habe; noch daß er auf die fernere Entwicklung der Vocalformen einen merklichen Einfluß geübt habe (vgl. A. v. Dommer, Handbuch der Musikgesch. 198 ff.). G. W. Teschner hat sowol die geistlichen Lieder Eccard's (Th. I und II nach der Königsberger Ausgabe von 1597) als auch die preußischen Festlieder von E. und Joh. Stobäus (Th. I und II, nach der Elbinger und Königsberger Ausgabe von 1642 und 1644) neu herausgegeben. Eine Menge gedruckter Gelegenheitsgesänge Eccard's bewahrt die Königsberger Bibliothek, s. Jos. Mueller, Die musikalischen Schätze der Biblioth. zu Königsberg, Bonn 1870.

  • Autor/in

    v. Dommer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Dommer, Arrey von, "Eccard, Johannes" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 595-596 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118528688.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA