Lebensdaten
1664 oder 1665 bis 1731
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Goldschmied ; Juwelier ; Emailleur
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118525778 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Dinglinger, Johann Melchior

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Zitierweise

Dinglinger, Johann Melchior, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118525778.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Conrad (1634 - v. 1683), Messerschmied in Biberach;
    M Anna Marg. (1640–1709), T des Frdr. Schopper, Goldschmiedemeister u. Ratsherr in Biberach, aus altem Ratsgeschlechts;
    B Gg. Frdr. (1666–1720), einer der besten Emailmaler seiner Zeit, es ist fraglich, ob er in einer Goldschmiedelehre war, v. ihm stammt eine große Anzahl Emailbildnisse: August der Starke (datiert 1706, 1713, 1719), August III. als Kurprinz, „Mater Dolorosa“ nach Adam Mányoki (1712), das umfangreichste Email als Probe seiner „neuerfundenen“ Emaillierkunst, nachweisbare, datierte Mitarbeit an zahlr. Werken Joh. Melchiors, u. a. „Des Lebens höchste Freuden“ (1728), und Christoph (1668–1728), Lehrling 1680 in Ulm, Hofjuwelier in Dresden, war zweifellos befähigt, doch sein Anteil an den gemeinschaftlichen Arbb. ist kaum festzustellen; Schwäger Moritz Rachel ( 1717), Gottfr. Döring ( 1718), beide Goldschmiede in Dresden (s. ThB);
    1) Dresden 26.8.1696 Anna Dor., T des Moritz Rachel ( 1697), Hofjuwelier in Dresden (s. ThB), 2) um 1705 Christiane Magd. Schorer ( 1710), 3) 1721 Maria Sus. ( 1726), T des Gg. Frdr. Gutermann, Goldschmied u. Juwelier in Biberach, 4) 1728 Marie Sibylle Biermann aus Augsburg;
    25 K, u. a. Joh. Frdr. (1702–67), Hofjuwelier in Dresden, Mor. Conrad (1706–26), Maler in London, Cath. Regine (⚭ Bernh. Walter Marperger, 1682–1746, Oberhofprediger in Dresden, s. ADB XX); Neffe (Sohn des Gg. Frdr.) Gg. Frdr. (1702–85), Festungs- u. Stadtbaumeister in Hannover; Enkelin (Tochter des Joh. Frdr.) Sophie Friederike ( 1791), Miniaturmalerin in Dresden.

  • Leben

    D. war der bedeutendste Goldschmied und Juwelier des deutschen Barock. Seine Kunst ist auf ihrem Gebiet den großen Schöpfungen der Architektur und des Theaters ebenbürtig. Er bezog Plastik und Malerei in die Werke der Juwelierkunst ein, die mitunter weit über übliche Größe zur Monumentalität vorstößt (Obeliscus Augustalis, „Des Lebens höchste Freuden“, Apis-Altar). Er begleitete mit Werk und Schaffenszeit die Lebensspanne Augusts des Starken, für ihn war er fast ausschließlich beschäftigt. Nahezu|sein gesamtes Werk fand im Grünen Gewölbe Aufstellung. Ausstattung der Schatzkammer und Schöpfungen D.s bildeten zusammen mit Kostbarkeiten anderer Hofjuweliere eine überwältigende Einheit in barocker Prachtentfaltung.

    Nach seiner Lehrzeit in Ulm und möglichem Aufenthalt in Wien ist er 1692 in Dresden nachweisbar. Damals erfolgte seine erste bekannte Lieferung „ein Gallanterie büchsgen Von gold und stahl“ für August den Starken. 1693 wurde er in Dresden Meister und 1698 Hofjuwelier. D.s erstes nachweisbares, erhaltenes Werk ist ein heiliger Georg als Kleinod des Hosenbandordens für Johann Georg IV. (verliehen 1693). Neben seinen Hauptwerken ist der Kreis mannigfaltigster Juwelierarbeiten, die in barockem Pathos das Außerordentliche, Seltene und Ungewöhnliche in höchster Kostbarkeit repräsentieren, sehr umfangreich. Juwelierarbeiten wie Dosen, Flakons, Nessecaires, Figuren der Kleinkunst wie die Mohren als Pauker und Trompeter eines „Aufzuges“, aus Elfenbein und Ebenholz von B. Permoser geschnitzt, von D. gefaßt, entstanden aus unerschöpflicher Phantasie. Für die Edelstein-Garnituren Augusts des Starken, über mehrere Jahre vervollständigt und auch umgearbeitet, wurde D. in Anspruch genommen, ebenso für Herstellung von Dekorationen des polnischen Ordens vom Weißen Adler.

    D. war ein universaler Geist. Sein Haus, durch künstlerische und naturwissenschaftliche Sammlungen berühmt, besuchte 1712 Peter der Große. D. gehört zu den gelehrten Künstlern wie Rubens, Rembrandt und andere. Neben aller Entfesselung des rein Phantastischen im Ornament hat er Elemente des Geographisch-Völkerkundlichen, des Archäologischen und der Naturallegorie mit Treue und Takt in sein Werk übersetzt.

  • Werke

    u. a. Das Goldene Kaffeezeug (in Warschau 1701 an August d. St. abgeliefert, erstes umfangreiches Werk in klar erkennbarem, meisterl. ausgebildetem Stil);
    Bad der Diana (unter Einbeziehung e. Elfenbeinstatuette v. B. Permoser), bis 1705;
    Hofhalt d. Großmoguls Aureng Zeb v. Hindostan. 1701-08 (zusammen mit s. Brüdern);
    Vexiergefäß aus d. Klaue e. „Elen-Tieres“;
    Konfektschale „Medea“, um 1709;
    Kinderbacchanal, 1711;
    Mohr mit d. Smaragddruse (diese als Geschenk d. Kaisers Rudolf II. an Kf. Aug. v. Sachsen, getragen v. e. Mohrenfigur Permosers in Fassung D.s), 1712;
    Hermenschale, um 1718;
    Jaspisvase, bis 1718;
    die beiden Poln. Pferde (2 Achatschalen als Konfektschalen), um 1720;
    Kaiser-Cameo (monstranzartige Fassung einer antiken Bildniskamee d. Kaisers Claudius), 1720 abgeliefert (unter Mitarb. Permosers);
    2 Vasen aus Speckstein, um 1722;
    3 überlebensgroße Tafelaufsätze als Schaustücke in Monstranzform, darunter „des Lebens höchste Freuden“;
    Eisenschnitt-Vase, 1728;
    Obeliscus Augustalis (e. Denkmal Augusts d. St., fast in Wandhöhe, einbezogen in d. architekton. Gliederung d. Juwelenzimmers im Grünen Gewölbe unter Verwendung v. glyptischen Arbb. d. Steinschneiders Hübner);
    Apis-Altar (Kabinettstück „monumentalen“ Ausmaßes aus Kelheimer Stein, vergoldetem Silber, Email, Edelsteinen), 1731.

  • Literatur

    J. G. Keyßler, Neueste Reisen, Hannover 1751, neue Aufl., S. 1354;
    F. Niemann, Kuriositäten d. Lit.-artist.-hist. Vor- u. Mitwelt IX, 1821, S. 340;
    J. L. Sponsel, J. M. D., 1904;
    ders., Führer durch d. Grüne Gewölbe z. Dresden, 1921;
    A. Häberle, Die Goldschmiede z. Ulm, 1924;
    W. Holzhausen, Geistesgeschichtl. Voraussetzungen d. Kunsthandwerks unter August d. St., in: Mitt. d. Ges. f. vervielfältigende Kunst, Wien 1927, Nr. 2/3, S. 34;
    ders., J. M. D., Neues z. Goldschmiedekunst, in: Pantheon 1933, S. 308;
    ders., J. M. D. im Bildnis, in: Dresdner Gesch.-Bll., 1939, H. 2, S. 40;
    ders., Die Rolle d. Graphik im Werk J. M. D.s, in: Die Graph. Künste, NF 4, 1939, S. 108;
    ders., J. M. D., Das Bad d. Diana, in: Kunstbrief 23, 1943;
    ders., Sächs. Gläser d. Barock, in: Zs. d. dt. Ver. f. Kunstwiss. 8, 1954, S. 95-124, bes. S. 104 f., 111;
    H. Uhlemann, „Honny soit, qui mal y pense“ in Dresden, in: Das schöne Sachsen, 1931, H. 6, S. 139;
    R. v. Arps-Aubert, Die Kostbarkeiten d. Kardinals Prinz Ch. Aug. v. Sachsen-Zeitz im Crünen Gewölbe in Dresden, in: Zeitzer Neueste Nachrr., 1936, Beil. Nr. 102, S. 62;
    ders., Neues z. D.-F, in: Dresdner Gesch.-Bll., 1938, H. 1;
    R. Enking, Der „Apis-Altar“ J. M. D.s, Ein Btr. z. Auseinandersetzung d. Abendlandes mit d. alten Ägypten, 1939;
    B. Schweitzer, Der große Kameo d. Grünen Gewölbes in Dresden, in: Mitt. d. Dt. archäol. Inst., Röm. Abt., Bd. 57, 1942, S. 1-4. - Z. Gesamtfam.: ADB V;
    P. Beck, Künstlerfam. D., in: Diözesanarchiv v. Schwaben 1898, S. 97-105, 119-26;
    Heyd;
    ThB;
    Dt.GB (P).

  • Portraits

    Kupf. nach Ölgem. v. A. Pesne, 1721 (Schloß Gatschina) und v. A. Mányoki (Grünes Gewölbe, Dresden), Abb. in: Sächs. Köpfe im zeitgenöss. Bild, o. J., S. 111. - Zu B Gg. Frdr.: Ölgem. v. J. Kupetzky, Abb. in: Dt.GB 85.

  • Autor/in

    Walter Holzhausen
  • Empfohlene Zitierweise

    Holzhausen, Walter, "Dinglinger, Johann Melchior" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 730 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118525778.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA