Burri, René

Lebensdaten
1933 – 2014
Geburtsort
Zürich
Sterbeort
Zürich
Beruf/Funktion
Fotograf ; Bildjournalist ; Dokumentarfilmer
Konfession
evangelisch-reformiert
Normdaten
GND: 118517783 | OGND | VIAF: 96539121
Namensvarianten

  • Burri, René
  • burri, rene
  • Morton-Burri

Vernetzte Angebote

Verknüpfungen

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Burri, René, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118517783.html [03.04.2026].

CC0

  • Burri, René

    1933 – 2014

    Fotograf, Bildjournalist, Dokumentarfilmer

    René Burri zählt zu den bedeutendsten Schweizerischen Fotografen und Bildjournalisten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er schuf ikonische Porträts bedeutender Künstler und Politiker und bediente mit u. a. „Life“, „Look“, „Paris-Match“ sowie dem „Stern“ die großen Illustrierten seiner Zeit. Burri profilierte sich zudem als Autor einfühlsamer Bildessays und Fotobücher sowie als Dokumentarfilmer.

    Lebensdaten

    Geboren am 9. April 1933 in Zürich
    Gestorben am 20. Oktober 2014 in Zürich
    Grabstätte privat in Valle Onsernone (Kanton Tessin)
    Konfession evangelisch-reformiert
    René Burri, Imago Images (InC)
    René Burri, Imago Images (InC)
  • 9. April 1933 - Zürich

    1940 - 1949 - Zürich

    Schulbesuch

    Primarschule; seit 1943 Sekundarschule

    1949 - 1953 - Zürich

    Ausbildung (Abschluss: Diplom Fotografie)

    Kunstgewerbeschule

    Januar 1954 - März 1954

    Militärdienst

    Rekrutenschule

    1954 - 1955 - Zürich

    Volontär

    Atelier Josef Müller-Brockmann

    1956 - 2014 - Paris; New York City

    korrespondierendes Mitglied; seit 1959 Vollmitglied (nach 2014 weiter verantwortlich für Bild-Vertrieb und Rechte)

    Magnum Photos (Fotografenagentur)

    1984 - Zürich

    erste große Retrospektive „One World“

    Kunsthaus

    2000 - 2014 - Paris; Zürich

    Sichtung und Ordnung des Archivs

    Archiv René Burri

    2004 - Paris

    umfangreiche Retrospektive „Photographies“

    Maison européenne de la photographie

    2013 - Lausanne (Kanton Waadt)

    Gründer der Fondation René Burri

    Musée de l’Elysée (heute Photo Elysée)

    20. Oktober 2014 - Zürich

    alternativer text
    René Burri, Imago Images (InC)

    Burri besuchte von 1940 bis 1949 die Primarschule seiner Heimatstadt Zürich, wo er bereits im September 1946 seine erste bedeutende Fotografie anfertigte, die Winston Churchill (1874–1965) vor dessen berühmter „Europa-Rede“ zeigt. Von 1949 bis 1953 absolvierte Burri eine Ausbildung an der von Johannes Itten (1888–1967) geführten Kunstgewerbeschule Zürich, wo Hans Finsler (1891–1972) in Fotografie und Alfred Willimann (1900–1957) in Schriftgestaltung zu seinen Lehrern zählten. 1954/55 war er Volontär im Atelier des Grafikdesigners Josef Müller-Brockmann (1914–1996).

    Burri war zeitlebens freiberuflich tätig. Es gehörte zu seinem Selbstverständnis als fotografierender Autor, journalistischen Auftrag und künstlerischen Anspruch im Sinne immer wieder überraschender Bildfindungen zur Deckung zu bringen. Mit einer Reportage über die Arbeit der Heilpädagogin Mimi Scheiblauer (1891–1968) mit gehörlosen Kindern debütierte Burri 1955 in dem Pariser Magazin „Science & Vie“; Nachdrucke dieser Foto-Story, u. a. im US-amerikanischen Magazin „Life“, machten ihn international bekannt. In seiner Anfangszeit bediente Burri mit Deutschland-Themen die in Offenburg erscheinende „Bunte Illustrierte“ (seit 1972 „Bunte“). Von 1958 bis 1999 war es dann v. a. die Schweizer Kulturzeitschrift „Du“ unter Chefredakteur Manuel Gasser (1909–1979) und dessen Nachfolger Dieter Bachmann (geb. 1940), die Burri eine attraktive Plattform für seine thematisch wie formal-ästhetisch anspruchsvollen Foto-Essays bot.

    Weitere auflagenstarke Periodika, die seit Mitte der 1950er Jahre Burris Bildberichte aus Europa, Afrika, Lateinamerika, den USA, Japan und dem maoistischen China veröffentlichten, waren u. a. „Jours de France“, „Sie und Er“, „Schweizer Illustrierte“, „Revue“, „Look“, „Paris-Match“, „Time“, „Libération“, „Stern“ und das „Sunday Times Magazine“. Mit Themenheften etwa zur Kultur der letzten Gauchos in Argentinien (1958), zu Japan (1961), zu dem brasilianischen Bundesstaat Bahia (1967), Chicago (1972), Warschau (1990) und 1999 zu Hans Magnus Enzensberger (1929–2022), mit dem ihn eine langjährige Freundschaft verband, setzte Burri Maßstäbe hinsichtlich der Gattung Foto-Essay.

    Seit 1959 war Burri Vollmitglied der renommierten, u. a. von Robert Capa (1913–1954) und Henri Cartier-Bresson (1908–2004) gegründeten Fotografenkooperative Magnum Photos, die für die weltweite Distribution seiner Bildreportagen sorgte. Burri wurde in den 1960er Jahren Zeuge internationaler Krisen und Konflikte, u. a. des Vietnamkriegs (1963), des Sechstagekriegs (1967) und des Jom-Kippur-Kriegs (1973). Letztlich war es aber die Welt der Kunst, zu der er sich besonders hingezogen fühlte. Burri setzte sich intensiv mit der Architektur Le Corbusiers (1887–1965), Luis Barragáns (1902–1988) und Oscar Niemeyers (1907–2012) auseinander, denen er große Bildzyklen widmete. Bildende Künstler, von denen er ikonische Porträts anfertigte, waren u. a. Alberto Giacometti (1901–1966), Yves Klein (1928–1962), Jean Tinguely (1925–1991) und Pablo Picasso (1881–1973), dem er erstmals 1957 begegnete. Burris populärste Fotografie ist ein 1963 auf Kuba entstandenes Porträt des Guerillaführers Che Guevara (1928–1967), das millionenfach reproduziert wurde und zu einer zentralen Bild-Ikone des 20. Jahrhunderts avancierte.

    Bereits 1962 – Jahrzehnte, ehe das Fotobuch als eigenständige künstlerische Gattung Anerkennung erfuhr – veröffentlichte Burri den Bildband „Die Deutschen“. Dieses mehrfach wiederaufgelegte und erweiterte Werk, das bisweilen mit Robert Franks (1924–2019) „The Americans“ verglichen wird, schildert in Gestalt formal-ästhetisch anspruchsvoller Schwarz-Weiß-Aufnahmen den west- und ostdeutschen Alltag. Burri schonungslose Analyse eines in seinen Augen eher grauen Landes rief in der Ausgabe der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 23. Mai 1963 Protest hervor. In den 1980er Jahren legte Burri Fotobücher zu mehreren seiner Langzeitprojekte vor, u. a. zur NASA (1986), zu Kuba (1994) und zu Niemeyers Brasilia (2011).

    Unterstützt von seiner ersten Ehefrau Rosellina Burri-Bischof (1925–1986) betätigte sich Burri seit Mitte der 1960er Jahre zudem als Dokumentarfilmer. Besondere Beachtung fand seine BBC-Produktion „The Two Faces of China“ (1968), in der die spannungsgeladene Gleichzeitigkeit kollektivistischer Ideale und traditioneller familiärer Werte in der kommunistischen Volksrepublik China gezeigt wird. Mehrfach ausgezeichnet wurde der von Burri und Peter Ammann (geb. 1931) produzierte Dokumentarfilm „Braccia si, uomini no!“ (1970), der die Lage der Gastarbeiter in der Schweiz thematisierte und damit auf die Forderung des Politikers James Schwarzenbach (1911–1994) reagierte, den Ausländeranteil in der Schweiz pro Kanton auf maximal 10 % zu begrenzen.

    Burris Begabung, seine überlegt komponierten Bildfindungen formal-ästhetisch aufzuladen und ihnen so eine über den Tag hinaus reichende Gültigkeit zu verleihen, kam der Musealisierung seines Œuvres seit den späten 1960er Jahren entgegen. 1967 richtete ihm das Art Institute of Chicago eine erste Retrospektive aus, gefolgt von Einzelausstellungen in Mailand (Il Diaframma, 1972), Essen (Museum Folkwang, 1980), Köln (Galerie Rudolf Kicken, 1981) und Zürich, wo ihm das Kunsthaus u. d. T. „One World“ 1984 eine umfangreiche Werkschau widmete. Zahlreiche weitere Einzel- und Gruppenausstellungen folgten, darunter als Höhepunkt zu Lebzeiten eine 2004 in der Pariser Maison européenne de la photographie gestartete Retrospektive mit Folgestationen u. a. in Berlin, Lausanne, Zürich, Mailand, Rotterdam, Havanna, Mexico City, Caracas und Buenos Aires.

    1970 Zürcher Filmpreis für den Dokumentarfilm „Braccia si, uomini no!“
    1970 Auszeichnung beim Filmfestival in Lyon für „Braccia si, uomini no!“
    1991 Ordre des Arts et des Lettres, Ministère de la Culture, Frankreich
    1998 Dr.-Erich-Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie
    1999 Kulturpreis des Kantons Zürich
    2006 Honorary Fellowship der Royal Photographic Society, Bath (Großbritannien)
    2006 Dr. h. c., Universität Cluj, Rumänien
    2011 Swiss Press Photo Lifetime Achievement Award der Fondation Reinhardt von Graffenried
    2013 Leica Hall of Fame Award

    Nachlass:

    Fondation René Burri, Photo Elysée, Lausanne (Kanton Waadt).

    Weitere Archivmaterialien:

    Magnum Photos-Archiv, Paris. (Negative, Blattkopien und Diapositive)

    Sammlung Hans-Michael Koetzle, München. (u. a. Korrespondenz, Primär- und Sekundärliteratur, Collagen, Vintage- und Modern Prints)

    Bildbände:

    Die Deutschen, 1962, franz. 1963.

    The Gauchos, 1968.

    I Grandi Fotografi, 1983.

    One World. Photographien und Collagen 1950–1983, hg. v. Rosellina Burri-Bischof/Guido Magnaguagno, 1984.

    Ein amerikanischer Traum. Photographien aus der Welt der NASA und des Pentagon, 1986.

    Die Deutschen. Photographien 1957–1964. Mit zeitgenössischen Texten von Hans Magnus Enzensberger, 1986, broschierte Neuausg. u. d. T. Die Deutschen. Photographien aus einem geteilten Land 1957–1964, 1990.

    Cuba y Cuba, 1994.

    77 Strange Sensations, 1998.

    Le Corbusier. Moments in the Life of a Great Architect, hg. v. Arthur Rüegg, 1999.

    Luis Barragán, 2000.

    Berner Blitz, hg. v. Dino Simonett, 2002.

    Fotografien, hg. v. Hans-Michael Koetzle, 2004.

    Nous sommes treize à table, hg. v. Ivan Kyncl/Bernd Markowsky, 2008.

    Blackout New York. 9. November 1965, 2009.

    Brasilia, hg. v. Arthur Rüegg, 2011.

    100 Photos of René Burri for Press Freedom, 2011.

    René Burri/Marco D’Anna, Projet Corrida, 2013.

    Utopia, 2013.

    Impossible Reminiscences, 2013.

    Mouvements, 2 Bde., 2015.

    Dokumentarfilme:

    Werner Bischof, René Burri Production, 1953.

    Kunstgewerbeschule Zürich, René Burri Production, 1953/54.

    The Physical Face of China, MagnumFilms/Philip Gittelmann für Encyclopedia Britannica, 1965/66.

    Jerusalem, Magnum Films für Bavaria Film, 1967/68.

    The Two Faces of China, Magnum Films für BBC, 1968.

    Braccia si, uomini no!, Magnum Films/Télévision Rencontre, 1970. (mit Peter Ammann)

    Xerox in Concert, Industriefilm für Xerox, 1971.

    Jean Tinguely, Magnum Films für DSF, 1972.

    Indian Summer, Philip Gittelmann Production für die Ford Foundation, 1973.

    The Nuclear Highway, Little Magic Productions für Nippon TV, 1986.

    Monografien und Sammelbände:

    William Manchester, In Our Time. The World As Seen by Magnum Photographers, 1989.

    René Burri. Fotograf und Weltensammler, hg. v. Stefan Kaiser, März 2011. (Jubiläumsausg. v. Du. Das Kulturmagazin)

    Hans-Michael Koetzle, Reden wir über Fotografie, 2022, S. 222–233.

    Ausstellungskatalog:

    Mélanie Bétrisey/Marc Donnadieu (Hg.), René Burri. Explosion des Sehens. Katalog der Ausstellung im Musée de l'Elysée, Lausanne, 2020.

    Aufsätze und Artikel:

    Carole Naggar, Art. „Burri, René“, in: dies., Dictionnaire des photographes, 1982, S. 73–75.

    M. Guerrin, The Life and Work of Photojournalist René Burri, in: Manchester Guardian Weekly v. 12.8.1984.

    Martin Schaub, Zeichen der Zeit. René Burri, in: Tages-Anzeiger Magazin, Nr. 2 v. 14.1.1984.

    Hans-Michael Koetzle, René Burri. Die unbekannten Deutschen, in: Leica World 2 (1997), S. 20–29.

    P. P. Schneider, René Burris vorbildliches Auge, in: Tages-Anzeiger v. 29.8.1998.

    Hans-Michael Koetzle, René Burri. Che. 1963, in: ders., Photo Icons. Die Geschichte hinter den Bildern 1928–1991, 2002, S. 114–121.

    Hans-Michael Koetzle, Art. „René Burri“, in: ders., Das Lexikon der Fotografen. 1900 bis heute, 2002, S. 78 f.

    Hajo Düchting, Art. „Burri, René“, in: Reinhold Mißelbeck (Hg.), Prestel-Lexikon der Fotografen. Von den Anfängen 1839 bis zur Gegenwart, 2002, S. 51.

    Hans-Michael Koetzle, René Burri. Die Welt noch einmal, in: Leica World 9 (2004), S. 18–29.

    Hans-Michael Koetzle, Art. „René Burri“, in: ders., Fotografen A–Z, 2011, S. 58 f.

    Martin Gasser, Art. „René Burri“, in: Historisches Lexikon der Schweiz, 2014. (Onlineressource)

    Fotografien, Fondation René Burri, Photo Elysée, Lausanne (Kanton Waadt).

    Fotografien v. Karsten Fricke (geb. 1948), 1998.

    Fotografie v. Melchior Imboden (geb. 1956), 1999. (Onlineressource)

    Fotografie v. Martine Franck (1938–2012), 2003. (Onlineressource)

    Fotografien v. Raphael Gaillarde (geb. 1940), 2006.

    Fotografie v. Erling Mandelmann (1935–2018), 2010. (Onlineressource)

    Fotografie v. Edmond Terakopian, 2013. (Onlineressource)

  • Autor/in

    Hans-Michael Koetzle (München)

  • Zitierweise

    Koetzle, Hans-Michael, „Burri, René“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.04.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118517783.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA