Lebensdaten
um 1480 bis um 1540
Geburtsort
Walsrode (Lüneburger Heide)
Beruf/Funktion
Bildschnitzer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118515918 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Brüggemann, Hans

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Zitierweise

Brüggemann, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118515918.html [16.12.2018].

CC0

  • Leben

    Durch einen Werkvertrag zwischen B. und der Kirche zu Walsrode (veröffentlicht von R. Doebner) ist die Herkunft gesichert, das Geburtsjahr dagegen Annahme (W. Pinder). - Zunächst wird B. in Niedersachsen gelernt haben. Entscheidende Anregungen vermittelte ihm jedoch seine (erschlossene) Wanderschaft in die Niederlande. Die Werkhütten der großen Kathedralen in Utrecht und Hertogenbosch, welche um 1500 vollendet und ausgestattet wurden, mochten wandernde Künstler wohl anziehen. Dürftige Reste der durch die Bilderstürme weitgehend vernichteten Ausstattung genügen, B.s Stil von der Kunst dieser Werkstätten herzuleiten. Dort wirkte u. a. der Maler Hieronymus Bosch und hat B. ebenso beeinflußt wie später Albrecht Dürer besonders durch seine Holzschnitte der Kleinen Passion.

    Die einzigen von B. erhaltenen Werke stammen aus Schleswig-Holstein und entstanden während eines Aufenthaltes in Husum wohl zwischen 1514 und 1523. Der Christophorus im Schleswiger Dom - in Anlehnung an niederländische Vorbilder entworfen - ist eine ausdrucksstarke Riesenfigur. In der ehemaligen Marienkirche in Husum standen ein 20 m hohes Sakramentshaus und eine große St. Jürgen-Gruppe, die in der klaren Form eines Renaissance-Werkes erscheint. B.s Hauptwerk, seit je hochgeschätzt und mit seinem Namen verbunden, ist der Bordesholmer Altar, wahrscheinlich eine Stiftung Herzog Friedrichs I. von Schleswig-Holstein. Die Form niederländischer Schnitzaltäre überbietend, wurde er ein Riesenwerk, in Entwurf und Themen durchaus mittelalterlich, in der Bewußtheit der Kompositions- und Gestaltungsmittel jedoch in die neue Zeit weisend. - 1523 schuf B. einen kleinen Altar für seine Vaterstadt Walsrode (verloren). Anscheinend kehrte er damals nach Niedersachsen zurück. Bald danach setzte die Reformation seiner Tätigkeit als Altarschnitzer ein Ende. Trotzdem mag er noch lange gelebt und etwa als Möbelschnitzer tätig gewesen sein. Vielleicht ist er mit einem H. B. identisch, der 1544 Bürger in Lüneburg wurde und dort als Hausbesitzer im Wasserviertel wohl 1562/63 starb.

  • Werke

    Christophorus, Dom zu Schleswig, Eiche unbemalt, um 1514 (zugeschrieben v. F. Fuglsang);
    Madonna (im Besitz d. dän. Königs, wiederentdeckt v. Thorlacius-Ussing) u. Engel mit der Laute (Staatl. Museen Berlin) aus einem Sakramentshaus v. 1520 in der ehem. Marienkirche in Husum (abgebrochen 1807);
    Altar aus d. Augustiner-Chorherrenstift Bordesholm in Holstein, vollendet 1521, seit 1666 im Dom zu Schleswig, Eiche unbemalt, 22 Felder mit nahezu 400 Figuren, darstellend d. Meßopfer, Christi Passion, d. Gottesmutter u. d. Jüngste Gericht;
    St. Jürgen zu Pferde, Gruppe aus d. ehem. Marienkirche in Husum, seit 1830 im Nationalmus. Kopenhagen, Eiche unbemalt, um 1523 (zugeschrieben).

  • Literatur

    ADB III;
    A. Sach, H. B., 21895;
    A. Matthaei, Werke d. Holzplastik in Schleswig-Holstein, 1901;
    R. Doebner, H. B.s Geburtsort, in: Repertorium f. Kunstwiss. 24, 1901, S. 124 f.;
    F. Fuglsang, Der B.-Altar in Schleswig, in: Niedersachsen, 1930, S. 5-11;
    V. Thorlacius-Ussing, En Madonnafigur af H. B., in: Aarbøger for Nordisk Oldkyndighed og Historie, Kopenhagen 1925, III. R., Bd. 19, S. 263-82;
    W. Pinder, Die dt. Kunst d. Dürerzeit, 1940, S. 332-34;
    H. Appuhn, Der Bordesholmer Altar, Diss. Kiel 1952;
    P. Kautzsch, in: ThB (L).

  • Portraits

    angebl. im Bordesholmer Altar im Felde „Abraham u. Melchisedek“.

  • Autor/in

    Horst Appuhn
  • Empfohlene Zitierweise

    Appuhn, Horst, "Brüggemann, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 658 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118515918.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Brüggemann: Hans B., Bildschnitzer, geb. in der Stadt Husum um 1480, gest. daselbst etwa 1540. Er lebte in dem damals sehr wohlhabenden Flecken Husum, der erst später zur Stadt erhoben worden, aber im fünfzehnten Jahrhundert der vornehmste Handelsort und Marktplatz der Nordfriesen an der Westküste des Herzogthums Schleswig war. Die Völkerschaft der Nordfriesen hat sich aber seit dem Mittelalter her und bis auf unsere Zeit durch Liebe für die Holzschnitzerei und volksthümliche Fertigkeit in dieser Kunst ausgezeichnet. Der größte unter diesen Holzschnitzern, ein Künstler in hohem Stil ist B. und hat sich unsterblichen Ruhm erworben. Ob er als Künstler daheim, oder als Genosse einer niedersächsischen Kunstschule, etwa zu Lübeck, oder nach den Niederländern sich ausbildete, das läßt sich mit genügender Sicherheit nicht sagen. Auch von dem Leben des berühmten Künstlers am Schlusse des Mittelalters und Anfange der neuen Zeit würden wir fast nichts wissen, hätte nicht einige Jahrzehnte später der gelehrte und kunstliebende Heinrich Ranzau, Statthalter in dem königlichen Antheile Schleswig-Holsteins, in seiner cimbrischen Landesbeschreibung seiner mit lebhafter Theilnahme gedacht. Aus dessen Nachrichten erfahren wir, daß unfer „praestantissimus pictor et caelator Joannes Brugmannus“ seine letzten Tage in dem noch zu Husum bestehenden, wohldotirten Hospital für alte Leute verlebt habe, auch da gestorben und begraben sei. Nach der Tradition war er in seinem Alter erblindet und befand sich in sehr dürftigen Umständen. Seine Werkstätte hat, wie die locale Ueberlieferung berichtet, in Husum längere Zeit nachher noch fortbestanden. Seine größte Arbeit, welche Heinrich Ranzau schon im 16. Jahrhundert als ein staunenswerthes Werk charakterisirt hat und Thorwaldsen das herrlichste ihm bekannte Schnitzwerk nannte, ist der jetzt in der Schleswiger Domkirche befindliche Hochaltar. Dieses großartige Kunstwerk wurde in Bordesholm, zwei Meilen südlich von Kiel gelegen, für das dortige reiche Kloster von B. mit seinen Gesellen in den Jahren 1514—1521 ausgeführt. Aber am 29. Jan. 1666 ist selbiges auf Anordnung des Herzogs Christian Albrecht zu Gottorf, dem das säcularisirte Kloster Bordesholm gehörte, in der Kathedrale seiner Residenzstadt Schleswig aufgestellt worden. Kugler in seiner Kunstgeschichte urtheilt so darüber: „Bemalung und Vergoldung sind bei B. nicht|anzutreffen. Die Auffassung ist derb naturalistisch, aber ungemein lebensvoll. Die Volksscenen sind mit humoristischer Laune durchgebildet, die idealeren Gestalten von solcher Richtung aus zu einer charaktervollen, selbst großartigen Kraft gesteigert. Die Compositionen sind malerisch angelegt; die Gestalten im Einzelnen jedoch zugleich mit glücklichem plastischen Sinne behandelt.“ Abbildungen des Altars und seiner einzelnen Felder hat Maler Böhndel in Schleswig veröffentlicht. Neuerdings hat Brandt in Flensburg von dem ganzen Altarblatte und den einzelnen Feldern wohlgelungene Photographien publicirt. Der Altar besteht aus drei Theilen: dem Untersatze, dem Haupttheile, der die Passionsgeschichte darstellt, und dem Theile, welcher die Darstellung des Weltgerichtes enthält. Es ist dieser große, aus Eichenholz verfertigte Altarschrein in 22 Felder cingetheilt, die herausgenommen werden können und außer vielen Nebenfiguren nicht weniger als 385 Hauptfiguren enthalten. Derselbe hat eine Höhe von 47 Fuß, eine Breite von 25 Fuß und eine Tiefe von reichlich 3 Fuß. Eine gute Beschreibung und Erklärung gab Dr. A. Sach 1865 heraus.

  • Autor/in

    Michelsen.
  • Empfohlene Zitierweise

    , "Brüggemann, Hans" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 404 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118515918.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA