Lebensdaten
1868 bis 1939
Geburtsort
Köln
Sterbeort
Lindenberg (Allgäu)
Beruf/Funktion
Sozialpolitiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118514725 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Brauns, Heinrich

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Brauns, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118514725.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus Handwerkerfamilie;
    V Johann, Schneider;
    M Anna Cath. Creveld.

  • Leben

    Zunächst in der Seelsorge tätig, kam B. 1900 als Leiter der Organisationsabteilung und der volkswirtschaftlichen Kurse in die Zentralstelle des Volksvereins für das katholische Deutschland in Mönchengladbach. Nebenbei studierte er Volkswirtschaft und Staatswissenschaften und promovierte 1905. Durch die in Mönchengladbach durch seine energische und anspruchsvolle Schule gehenden christlichen Gewerkschaftler, aber auch direkt, übte er einen nachhaltigen Einfluß auf die christlichen Gewerkschaften aus, für deren Interkonfessionalität er sich warm einsetzte. 1919 in die Nationalversammlung und 1920 in den Reichstag gewählt, wurde B. im Juni 1920 in der Regierung Fehrenbach Reichsarbeitsminister und behielt dieses Amt volle acht Jahre. Hier konnte er seine in der katholischen Sozialbewegung erworbenen Grundsätze, Erfahrungen und Kenntnisse in reichem Maße verwerten: Er trat für eine Politik des Ausgleichs der Klassengegensätze durch eine gleichberechtigte Zusammenarbeit der Verbände der Arbeitgeber und Arbeitnehmer|ein. Mittel dazu sollten das kollektive Arbeitsrecht und die 1918 gegründete Zentralarbeitsgemeinschaft sein. Jedenfalls hat B. auch für die deutsche Sozialpolitik eine der demokratisch-parlamentarischen Basis der Weimarer Republik entsprechende Form gefunden. Daß die Sozialpolitik schließlich scheiterte, lag an der allgemeinen staatspolitischen und wirtschaftlichen Entwicklung und nicht an B., wenn auch sein Einfluß in den 13 Kabinetten, denen er angehörte, mehr nach rechts als nach links ging. Auch in der Zentrumspartei, zu deren Vorstand er gehörte, hat er seit 1920 wiederholt gegen den linken Flügel der Partei Stellung bezogen, weil er befürchtete, daß eine zu enge Verbindung mit der Linken dem Zentrum und den christlichen Gewerkschaften die Existenzmöglichkeit und -berechtigung entziehen könnte. Nach 1928 widmete sich B. der Darstellung sozialpolitischer Probleme und betätigte sich in der internationalen katholischen Arbeiterbewegung. Diese Arbeit mit ihren wiederholten Auslandsaufenthalten brachte ihn zu einer besonders scharfen Verurteilung der Ereignisse nach 1933 und erfüllte ihn mit tiefer Skepsis über das Schicksal Deutschlands.

  • Werke

    Die christl. Gewerkschaften, 1908;
    Lohnpolitik, 1921;
    Wirtschaftskrisis u. Sozialpolitik, 1924;
    Das Betriebsrätegesetz, 1924;
    Aufsätze u. Abhh., in: Soziale Praxis, Polit. Jb., 1926, 1927/28;
    Recht u. Staat in Dtld., 1929, u. in: Jb. f. Sozialpolitik, 1930.

  • Literatur

    L. Preller, Sozialpolitik in d. Weimarer Republik, 1949;
    J. Joos, Am Räderwerk d. Zeit, 1951;
    Rhdb. I, (P).

  • Autor/in

    Helga Grebing
  • Empfohlene Zitierweise

    Grebing, Helga, "Brauns, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 560 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118514725.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA