Lebensdaten
1891 bis 1971
Geburtsort
Maienfeld Kanton Graubünden
Sterbeort
Zürich
Beruf/Funktion
Biologe
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 118511130 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mooser, Hermann

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Mooser, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118511130.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Anton (1860–1947), Kunstschlossermeister u. Heraldiker, Burgenforscher u. Vf. zahlr. Btrr. (s. HBLS), S d. Müllers Josef Anton (1822–91) aus M. u. d. Anna Elisabeth Hochstrasser (1825–96);
    M Johanna (1864–1908), T d. Johann Barandun (1836–1922) aus Trans (Graubünden), Bauer u. Fuhrmann, u. d. Catharina Buchli (1841–1922);
    1) 1922 Jessie Hawtree (1897–1939), 2) 1940 Hedwig Z'graggen (* 1906);
    1 S, 1 T aus 1), 1 S aus 2);
    N Emanuel Mooser-Hunkeler (* 1925), Prof. f. Physik an d. École Polytechnique Fédérale, Lausanne.

  • Leben

    Nach Besuch der Mittelschule studierte M. Medizin in Lausanne, Zürich und Basel und doktorierte 1920 in Zürich mit einer pathologisch-anatomischen Arbeit über einen „Fall von endogener Fettsucht mit hochgradiger Osteoporose“ – die Krankheit sollte später unter dem Namen Cushing-Syndrom bekanntwerden. Nach je einem Assistentenjahr in der Chirurgie in Zürich (1918), der Pathologie in Basel (1919) und am Hygiene-Institut in Zürich (1920) übernahm er 1921-28 die Stelle eines Clinical Pathologist am American Hospital in Mexico City. Es folgte eine knapp halbjährige Tätigkeit als Direktor des Christ Hospital Institute for Medical Research in Cincinnati (1929). Nach seiner Rückkehr nach Mexiko wurde M. 1930 Professor für Bakteriologie an der Nationaluniversität. 1936 erfolgte seine Berufung als Nachfolger von William Silberschmidt (1869–1947) zum Direktor des Hygiene-Instituts der Univ. Zürich. Der altersbedingte Rücktritt erfolgte 1962; sein interimistischer Nachfolger wurde Arthur Grumbach (1895–1975). Als Spezialist für exotische Krankheiten wurde M. 1938 vom Völkerbund nach China entsandt; epidemiologische Missionen brachten ihn 1942 nach Spanien, 1944 nach Jugoslawien, 1947 und 1960 nach Ägypten. Er hielt sich wiederholt zu Forschungsaufenthalten in Afrika auf. In Mexiko studierte M. mit besonderem Erfolg das mexikan. endemische oder murine Fleckfieber. Er konnte erstmals den Krankheitserreger klar von demjenigen des klassischen Fleckfiebers unterscheiden (Journal of Infectious Diseases 43, 1928, S. 241-70). Viele Forscher nennen deshalb den Erreger des mexikan. endemischen oder murinen Fleckfiebers zu Ehren M.s Rikkettsia mooseri. Heute gilt die abweichende Einordnung des Erregers als „Rickettsia typhi“ durch Bergey's Manual of Systematic Bacteriology (1984). Weitere Forschungen M.s schienen zunächst zu belegen, daß der Erreger des klassischen Fleckfiebers eine durch lange Passagen der Übertragung von Mensch zu Mensch mittels Läusen aus Rikkettsia mooseri entstandene Varietät und damit nicht die Urform des Fleckfiebererregers darstellte (Journal of Experimental Medicine 59, 1934, S. 137-57). Später revidierte M. seine Meinung und erklärte die von ihm früher gefundene Umwandlung der Erreger des klassischen Fiebers in die murine Form als durch Laborkontamination vorgetäuscht (Archives de l'Institut Pasteur de Tunis 36, 1959, S. 301-06). Andere Arbeiten M.s befaßten sich mit der Rattenbißkrankheit (Sodoku), dem Mal del Pinto, den akzidentellen Infektionen bei Labormäusen, dem Fünftagefieber, dem Rückfallfieber, dem Q-Fieber, der insektiziden Wirkung von DDT und von Butazolidin sowie der Virus-Interferenz.

    M. war ein Naturforscher alter Schule, der vor allem von Beobachtungen ausging oder von Experimenten, welche die Situation in „freier Wildbahn“ möglichst eng reproduzierten. Er war Spekulationen nicht abhold, suchte sie aber immer an der Realität zu messen. Trotz 26jähriger Tätigkeit in Zürich begründete er keine eigentliche Schule. Seine Interessen waren breitgefächert und reichten von der Mathematik bis zur Altphilologie. Vor und während des 2. Weltkriegs bewies er eine konsequente antinationalsozialistische Gesinnung, was ihm damals nicht nur Beifall eingebracht hat.|

  • Auszeichnungen

    Marcel-Benoist-Preis (1941), Bernhard-Nocht-Medaille d. Tropeninst. Hamburg (1951); Dr. h. c. (Mexico City 1954, Basel 1961, Hamburg 1961); Ehrenmitgl. d. Kgl. Med. Ak. Barcelona, d. Dt. Ges. f. Hygiene u. Mikrobiol., d. Schweizer. Ges. f. Mikrobiol., d. Société Beige de Médecine Tropicale, d. American Association of Immunologists u. d. Société de Pathologie Exotique, Paris.

  • Literatur

    FS z. 70. Geb.tag, in: Pathologia et Microbiologia 24, 1961, Suppl. (W-Verz., P);
    R. Geigy, H. M. z. 70. Geb.tag, in: Schweizer, med. Wschr. 91, 1961;
    F. Weyer, H. M. z. 70. Geb.tag, in: Dt. med. Wschr. 86, 1961;
    R. B. Marti, H. M. 1891-1971, Der Entdecker d. murinen Fleckfiebers, 1978 (W-Verz., P);
    Kürschner, Gel.-Kal. 1970;
    Schweizer Lex. (P).

  • Autor/in

    Jean Lindenmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Lindenmann, Jean, "Mooser, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 78 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118511130.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA