Lebensdaten
1491 bis 1554
Geburtsort
Billigheim bei Landau (Pfalz)
Sterbeort
Marburg
Beruf/Funktion
Reformationstheologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118510894 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gerlacher, Diepold
  • Gerlach, Diepold
  • Gernolt, Diepold
  • mehr

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Zitierweise

Billicanus, Theobald, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118510894.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    1524 Barbara, T des Nördlinger Kaufmanns und Ratsherrn Hans Schäuffelin, N des Malers Hans Leonhard Schäufflein (ca. 1480–1538/40); 1. T.

  • Leben

    B. wurde nach dreijährigem Studium in Heidelberg 1513 Magister artium. Beim dortigen Ordenskapitel der Augustiner (1518) begeisterte ihn Luther für die Reformation, die er in Weilderstadt (1522) und Nördlingen (1524) einführte; bis dahin drängte er zu klaren Entscheidungen. Später schwankte er zwischen Luther und Zwingli. Schon seine „Renovatio ecclesiae Nordlingiacensis“ (1525) zeigt, daß er sich des Gegensatzes zwischen altem und neuem Glauben nicht bewußt wurde. Obwohl er bis 1535 reformiert predigte, bekannte er sich 1530 zum katholischen Glauben. In Heidelberg ist er von 1536 bis zu seiner Landesverweisung (1544) als Studierender und Lehrender an der juristischen Fakultät nachzuweisen. Das nächste Zeugnis, daß er 1547 an der Universität Marburg Sallust erklärte, berechtigt zur Annahme, daß er dort als Professor an der artistischen und vielleicht juristischen Fakultät gewirkt hat.

  • Werke

    Kommentar z. Propheten Micha, Nürnberg 1524;
    De partium orationis inflexionibus, Wittenberg 1526;
    De verbis coenae dominicae, ebenda 1526;
    Apologia, 1539.

  • Literatur

    ADB II;
    F. Zoepfl, Kleine ref.-gesch. Funde, in: Scholastik 19, 1944, S. 89;
    PRE;
    RGG;
    LThK;
    Dictionnaire d’Histoire et de Géographie Ecclésiastiques VIII, 1935, Sp. 1478–80.

  • Autor/in

    Richard Newald
  • Empfohlene Zitierweise

    Newald, Richard, "Billicanus, Theobald" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 238 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118510894.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Billican: Theobald B., eigentlich Diepold Gerlach oder Gerlacher, Billicanus genannt nach seinem Geburtsort Billigheim unfern Landau in der Pfalz, Gelehrter der Reformationszeit, in Marburg 8. August 1554. In Heidelberg studirte er mit Melanchthon, Brenz u. A., wurde mit dem ersteren 1512 Baccalaureus der freien Künste, las mit Beifall über Dialektik und Physik, später durch Luther's Heidelberger Disputation 1518 gewonnen, auch über biblische Bücher, bis die kurpfälzische Regierung 1522 gegen die Neuerer einschritt, was Brentz und B. wegzugehen veranlaßte. Nach kurzer reformirender Thätigkeit in Brentz' Geburtsort Weil in Schwaben durch den Druck der österreichischen Regierung auf die kleine Reichsstadt vertrieben, wird B. von der Stadt Nördlingen auf 10 Jahre als Prediger angestellt, wo er nun im Amt und Schriftstellerei eine sehr zweideutige Rolle spielt: zwischen Luther und Zwingli hin- und herschwankt, der alten Kirche sich auffallend wieder nähert, 1529 vor der Universität Heidelberg und im October 1530 noch demüthiger in Augsburg vor dem Cardinal Campeggi und dem badischen Kanzler Vehus ein widerrufendes Bekenntniß ablegt, darauf den Kirchendienst verläßt, um mit Beschönigung jenes Widerrufs ihn bald wieder anzutreten — in alle dem eine der haltlosesten Persönlichkeiten der unruhigen Zeit. 1535 zog er mit Frau und Tochter nach Heidelberg, wurde, was er schon früher gewesen, Vorstand einer Burse, konnte aber als verheirathet nicht in die Facultät der Artisten eintreten; später promovirte er als Licentiat beider Rechte und las stellvertretend in der Juristenfacultät. Aber auch diese verweigerte ihm den Eintritt, und als der Kurfürst, dessen Maitresse B. als Rechtsfreund nahe gestanden, starb, wurde er entlassen und einige Monate auf der Veste Vilsburg gefangen gehalten. In Marburg fand er endlich, nachdem er vielleicht noch einmal in Nördlingen gewesen, als Professor der Rechte, später der Rhetorik und Geschichte, Ruhe, wenigstens die Ruhe des Grabes. Von seinen meist kleinen Schriften fand nur ein „Epitome dialecticae“ (1527. 30. 44) größere Verbreitung.

    • Literatur

      Vgl. für die Heidelberger Zeit: Hautz, Gesch. d. Univ. H. I. Vierordt, Bad. Kirchengesch. I. und Stud. u. Krit. 1848 S. 493 f.; für Weil: Stälin, Wirt. Gesch. IV. 247; für die Nördlinger Jahre: Dolp, Gründl. Bericht von der Ref. d. Reichsst. Nördl. 1738. (Dort auch ein Verz. der Schriften Billican's.)|Haußdorff, Lebensbeschr. Laz. Spengler's 1747. S. 213 ff. Keim in den theol. Jahrbb. 1855, 2. Keim, schwäb. Ref.-Gesch. S. 212 ff.; für Marburg: Dilich, Urbs et Acad. Marpurg. ed. J. Caesar 1867. p. 104. (Strieder, Hess. Gelehrtengesch. citirt 2 Programme von Schöpperlin, De vita Bill. Nördl. 1767. 68, Medicus, Gesch. d. evang. Kirche in Baiern ein Leben Billican's von Weng in der Zeitschr. Das Ries 4. Heft, S. 39 ff.)

  • Autor/in

    J. Hartmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hartmann, J., "Billicanus, Theobald" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 638-639 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118510894.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA