Lebensdaten
erwähnt 1066, gestorben 1105 oder 1107
Beruf/Funktion
Bischof von Meißen ; Heiliger
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118509144 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Benno von Meißen
  • Benno von Woldenberg
  • Benno
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Zitierweise

Benno, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118509144.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Wahrscheinlich aus sächsischem, bei Goslar begütertem Grafenhause.

  • Leben

    B., zuvor Stiftsherr und königlicher Kaplan in Goslar, wurde 1066 Bischof von Meißen. Am Sachsenkrieg wohl nicht beteiligt, wurde er doch als unzuverlässig von Heinrich IV. 1075 bis 1076 gefangen gehalten. Nach seiner Flucht schloß er sich der Gegenpartei an (Beteiligung an der Wahl Rudolfs von Schwaben) und den Gregorianern und wurde auf der Synode von Mainz (1085) exkommuniziert und seines Amtes enthoben. In Italien unterwarf er sich nach dem Tode Gregors dem kaiserlichen Papste Clemens III. und wurde wieder in sein Bistum eingesetzt. Die z. T. einseitige Überlieferung gestattet kein sicheres Urteil über seine Bedeutung und seinen Charakter, doch scheint er mehr dem Frieden und kirchlicher Arbeit zugeneigt und auf einen Ausgleich der Gegensätze bedacht gewesen zu sein. - Während sein Grab seit dem Ende des 13. Jahrhunderts eine gewisse Verehrung genossen hat, wurde seit 1497 seine Kanonisation von den Landesfürsten und dem Domkapitel angestrebt, wofür sich namentlich Hieronymus Emser (Vita Bonnonis, 1512) literarisch betätigte. 1523 erfolgte die Heiligsprechung, am 16.6.1524 die feierliche Erhebung seiner Gebeine, gegen die sich Luther wandte mit der Schrift „Wider den neuen Abgott und alten Teufel, der zu Meißen soll erhoben werden“. Die Reliquien übergab der letzte Bischof von Meißen 1576 dem Herzog Albrecht V. von Bayern, seit 1580 ruhen sie im Münchener Dom. B. ist Schutzheiliger Münchens, der alten bayerischen Landesteile und der Diözese Meißen (Fest: 16.6.).

  • Literatur

    ADB II;
    O. Langer, Kritik d. Qu. z. Gesch. d. hl. B., vornehmlich d. Vita Bennonis, in: Mitt. d. Ver. f. Gesch. d. Stadt Meißen, Bd. 1, H. 3, 1884, S. 70-95;
    ders., Bischof B. v. Meißen, sein Leben u. seine Kanonisation, ebenda, Bd. 1, H. 5, 1886, S. 1-38, Bd. 2, 1891, S. 99-144;
    W. Schlesinger, Kirchengesch. Sachsens im MA, Bd. 1 (ungedr.);
    Dict. Hist. Geogr. VII, 1934;
    LThK;
    Enc. Catt. II, 1949.

  • Autor/in

    Harald Schieckel
  • Empfohlene Zitierweise

    Schieckel, Harald, "Benno" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 52 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118509144.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Benno, der zehnte Bischof von Meißen, 1066—1106, geb. 1010, war ein Sohn des Grafen Werner von Woldenberg, genoß zu Goßlar eine für die damalige Zeit gelehrte Erziehung, wurde Domherr daselbst und von Heinrich IV. 1066 auf den bischöflichen Stuhl von Meißen befördert. Trotzdem trat B. beim Ausbruche des Sachsenkrieges auf die Seite der Gegner des Königs, der sich deshalb 1075 der Person des Bischofs bemächtigte und ihn erst im Sommer 1076 nach neuem Gelöbniß der Treue in seine Diöcese entließ, jedoch 1078 wegen wiederholten Abfalls aufs neue gefangen nahm und schließlich auf der Synode zu Mainz 1085 seines Bisthums entsetzen ließ. Nach Gregors VII. Tode suchte B. die Aussöhnung mit Heinrich IV., demüthigte sich 1086 zu Rom vor dem kaiserlichen Papste Clemens III. und erhielt auf dessen Empfehlung die Wiedereinsetzung in sein Bisthum, in dessen Besitz er bis an seinen Tod unangefochten blieb. Den Grundsätzen Gregors VII. getreu, wirkte er in seinem Sprengel eifrig für Hebung des kirchlichen Lebens, erwarb sich auch um den bessern Anbau der Meißner Umgegend Verdienste. Nachdem die Meißner Kirche den Tag seines Gedächtnisses schon 1307 zu ihren hohen Festen gezählt hatte, wurde er 31. Mai 1523 von Hadrian VI. canonisirt, zu welchem Zwecke der Humanist Hier. Emser in Leipzig eine legendarische „Vita Bennonis“ schrieb. Luther wurde dadurch zu der Schrift „Wider den neuen Abgott und alten Teufel, der zu Meißen soll erhoben werden“ veranlaßt. Seine auf Herzog Heinrichs des Frommen Geheiß aus dem Meißner Dom entfernten Gebeine wurden von den Domherren heimlich nach München geflüchtet, wo B. als Schutzheiliger verehrt wird. Außer „Expositiones supra Evangelia dominica“ verfaßte er eine Anleitung zum Briefschreiben, „De dictamine“, die noch auf der Wolfenbütteler Bibliothek vorhanden ist. Die erste kritische Untersuchung seiner Geschichte gab C. F. Seyffarth's „Ossilegium Bennonis“, Monach. 1765, deren Widerlegung A. Cramer in seiner „Apologia Bennonia“, Monach. 1773, ohne Erfolg unternahm.

    • Korrektur

      Korrektur: Vgl. hierzu v. Weber, Aus vier Jahrhunderten. N. F. I (1861), 6 ff.

  • Autor/in

    Flathe.
  • Empfohlene Zitierweise

    Flathe, Heinrich Theodor, "Benno" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 339 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118509144.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA