Lebensdaten
1649 bis 1699
Geburtsort
Schwelm (Westfalen)
Sterbeort
Edelsfeld bei Sulzbach (Oberpfalz)
Beruf/Funktion
landwirtschaftlicher Schriftsteller ; Hausväterliterat ; kaiserlicher Feldmarschall ; Pfalzgraf bei Rhein
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118023977 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Florinus, Franz Philipp
  • Franz Philipp
  • Franz Philipp Pfalzgraf bei Rhein
  • mehr

Objekt/Werk(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Aus dem Register von NDB/ADB

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Florin, Franz Philipp, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118023977.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Vater Clamerus (1618–96), aus Hünnefeld bei Osnabrück, Rektor in Schwelm, 1654 Prediger in Webfeld (Oberyssel), 1661-65 Pfarrer in Rosenberg (Oberpfalz), dann in Neukirchen (Oberpfalz); Mutter Anna Jesinghaus; verheiratet Anna Margaretha, Tochter d. Johann Heinrich Neffzer u. d. Susanne Maria Reutter; 1 Sohn, 2 Töchter (1 früh †), unter anderem Johann Christoph Siegmund (1694–1757), Pfarrer in Ippesheim bei Uffenheim.

  • Leben

    Florinus studierte 1670 in Altdorf, war 1671-74 Vikar in Eismannsberg, dann Rektor und herzoglicher Bibliothekar in Sulzbach. 1679 kam er als Pfarrer nach Rosenberg und 1681 nach Edelsfeld und Kürmreuth. Dort betrieb er auch die Pfarrökonomie. Seine praktische Erfahrung als Landwirt in Verbindung mit jener eines herzoglichen Bibliothekars qualifizierten ihn als Herausgeber und teilweise auch Autor des mit seinem Namen verbundenen Hausväterwerks, eben “des Florinus“. Eine bis in das 18. Jahrhundert zurückreichende Tradition, die das Werk dem Pfalzgrafen Philipp (1630–1703) aus der Sulzbacher Linie der Wittelsbacher zugeschrieben hatte, hat sich als irrtümlich erwiesen. Auch wenn das Hausväterwerk zurecht nach Florinus benannt wurde und auch weiter nach ihm heißen soll, steht doch fest, daß er selbst “das wenigste elaborieret“, sondern außer dem namentlich genannten juristischen Mitverfasser Johann Christoph Donauer (1669–1718), Konsulenten der Reichsstadt Nördlingen, noch andere nicht genannte herangezogen hat.

    Das Werk des F. repräsentiert die nächste Generation nach Hohberg und seinen „Georgica curiosa“ von 1682, die von F. stark benutzt, ja stellenweise wörtlich übernommen wurden. Über Hohberg hinaus ist der F. mit seinen fast 3000 Seiten folio und seinen zahlreichen Kupferstichen das umfangreichste und am prunkvollsten ausgestattete Werk, der äußere Höhepunkt der deutschen Hausväterliteratur. Der 1. Band behandelt als „allgemeiner Hausvater“ die „gemeine Oekonomie“; der 2. Band, der 1719 lang nach Florinus' Tod erschien und gleichfalls von verschiedenen Bearbeitern stammt, behandelt den „ großen Herren-Stands und adelichen Hausvater“ und leitet mit seiner Darstellung vorbildlicher fürstlicher Oekonomien, wie Sulzbach und Gotha – wo Seckendorffs „Deutscher Fürstenstaat“ entstand –, zur Kameralistik und Staatswirtschaft über. Wie alle „Hausväter“ bis zu ihm und ganz im hochbarocken Zeitstil, zieht auch F. die antiken landwirtschaftlichen Autoren weitgehend heran. Trotzdem ist das Werk ausdrücklich „blos vor Teutsche geschrieben“ und hält sich „inner des Reichs Gräntzen“. Dementsprechend holt er seine Beispiele aus allen deutschen Landschaften, von Schlesien bis zum Schwarzwald und von Österreich bis Niedersachsen. Wie schon Th. von der Goltz erkannte, wendet sich F. deutlicher als seine Vorgänger, wie etwa Hohberg, gegen den ländlichen Aberglauben und bezeichnet damit bereits den Übergang zur Literatur der Aufklärung. Dementsprechend überspannt die direkte Auswirkung des F. die ganze 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts und endet etwa mit dem Erscheinen des letzten der großen Hausväter, Otto von Münchhausen, 1765. Seine Nachwirkung reicht noch bis Ende des 18. Jahrhunderts, ja, er erscheint noch 1802 bei dem Kameralisten Johann Beckmann als klassischer Systematiker. Erst A. Thaer bricht in seiner „Rationellen Landwirtschaft“ 1809 mit dieser Tradition und verweist ihn samt der ganzen Hausväterliteratur in die Geschichte.

  • Werke

    Oeconomus prudens et legalis, oder Allg. Kluger u. Rechtsverständiger Hausvatter etc., Nürnberg, Frankfurt/M. u. Leipzig 1702;
    Oeconomus prudens et legalis continualus oder Großer Herren Stands u. Adelicher Hausvatter etc., ebd. 1719, weitere Aufll. ebd. 1722, 1748 u. ff. (P).

  • Literatur

    ADB VII;
    K. Fraas, Gesch. d. Landbau- u. Forstwiss., 1865;
    W. Seedorf, Otto v. Münchhausen auf Schwöbber, Diss. Göttingen 1906;
    H. Schmidlin, Arb. u. Stellung d. Frau in d. Landgutswirtsch. d. Hausväter, 1941;
    J. Schwendimann, Der Bauernstand im Wandel d. Jahrtausende, 1945 (mit Wiedergabe v. 16 Kupfern aus F.);
    O. Brunner, Adeliges Landleben u. europ. Geist, 1949;
    G. Schröder-Lembke, Die Hausväterlit. als agrargeschichtl. Qu., in: Zs. f. Agrargesch. u. Agrarsoziol., 1953; Braunische Chronik v. Sulzbach, Nürnberg, German. Mus. Codex Nr. 7173; H. Haushofer, Das Problem d. Florinus, in: Zs. f. Agrargesch u. Agrarsoziol. 30, 1982, S. 168-75. – Zu J. Ch. Donauer: Ammerbacher, Nachr. v. Nördling. Gelehrten, 1769 (Ms. im Stadtarchiv Nördlingen)

  • Autor/in

    Heinz Haushofer
  • Empfohlene Zitierweise

    Haushofer, Heinz, "Florin, Franz Philipp" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 255 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118023977.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Florinus: Franciscus Philippus F. hat durch die im J. 1702 erfolgte Herausgabe seines Werkes „Oeconomus prudens et legalis“ sich als landwirthschaftlicher Schriftsteller documentirt. Wenn gleich die Identificirung dieses Autors mit dem Pfalzgrafen (Franz) Philipp von Sulzbach bis zu jüngster Zeit mehr auf traditionellem Grunde als auf historischen Quellen ruhte, so ist es doch den seitens C. Fraas angestellten Nachforschungen gelungen, jener Deutung des Pseudonymus einen positiven Halt zu geben. Nach dem baierischen Staatsarchive ist dem Pfalzgrafen August zu Sulzbach im J. 1630 ein Sohn geboren, welcher den Namen Philipp ohne weiteren Zusatz erhielt. Derselbe trat noch vor Ende des 30jährigen Krieges in den Heeresdienst und hat sich darin, wenn auch erst nach Wiederkehr friedlicherer Zeiten bis zum kaiserlichen Feldmarschall erhoben. Als solcher lebte er in Nürnberg, wo er, verschont mit|kriegerischen Aufgaben, die Muße gefunden haben wird, sich noch in reiferen Jahren der Oekonomie zu widmen und den Ergebnissen seiner Beobachtungen, resp. den Erfolgen seiner Thätigkeit auf diesem Gebiete eine Nutzanwendung zu geben, indem er der geistige Urheber jenes Lehrbuchs wurde, das noch ein Jahr vor seinem 1703 in Nürnberg erfolgten Ableben dort erschienen war. Wiewol das baierische Staatsarchiv den Feldmarschall nur von der militärischen Seite kennt, so erscheint es doch gerechtfertigt, die Urheberschaft des genannten Werkes in seine Hand zu legen, da die Nennung des Verfassers, der Zeitpunkt und Ort der Herausgabe darauf hinweisen und der Umstand dafür spricht, daß bei der Ausarbeitung des Werkes ein Jurist und ein erfahrener Oekonomiebeamter, beziehungsweise auch andere Fachmänner mitgewirkt haben, während sich F. mehr den Entwurf und die Disposition im Allgemeinen neben der Bearbeitung einzelner Capitel im Besonderen reservirt zu haben scheint. — Dies compilatorisch gehaltene Werk besteht aus neun Büchern, welche den Haushalt im Allgemeinen, das Bauwesen und die Baumaterialien, die Wirthschaft, den Acker- und Wiesenbau, Garten- und Waldbau, die Pferde- und Viehzucht, die Seiden-, Bienen- und Fischzucht, die Anatomie und Therapie, einige technische Nebengewerbe und die Kochkunst behandeln. Dabei sind die verschiedenen Abschnitte mit juristischen Erwägungen und Erläuterungen verflochten, mit Abbildungen zahlreich ausgestattet und mit rationellen Vorschlägen versehen. Es herrschte in diesem so umfangreichen Werke ein anerkennenswerthes Streben nach Verbreitung von Aufklärung durch Bekämpfung des Aberglaubens und nach Emancipirung von der Macht des herkömmlichen Verfahrens, so daß dasselbe vielfach anregend wirkte und wenn auch theilweise Widerspruch erweckend, doch eine sehr große Verbreitung gewinnen, sowie auch für längere Zeit sich behaupten konnte.

    • Literatur

      Rößig, Pragmatische Geschichte der Oekonomie-, Polizei- und Cameralwissenschaften etc., Leipzig 1781. C. Fraas, Geschichte der Landbau- und Forstwissenschaft etc., München 1865.

  • Autor/in

    Leisewitz.
  • Empfohlene Zitierweise

    Leisewitz, Carl; Sperl, Heinrich, "Florin, Franz Philipp" in: Allgemeine Deutsche Biographie 7 (1878), S. 131-132 unter Florinus, Franciscus Philippus [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118023977.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Florinus: Franciscus Philippus F. In diesem Artikel A. D. B. VII, 131 ist die Ansicht ausgesprochen: Franciscus Philippus Florinus als Verfasser des a. 1702 erschienenen Werkes „Oeconomus prudens et legalis“ sei ein Pseudonym. Der eigentliche Herausgeber sei der Pfalzgraf Philipp von Sulzbach. Nun aber hat dieser F. Ph. F. wirklich existirt: er war Pfarrer|in Edelfeld bei Sulzbach, wo er a. 1699 am 30. October starb. Um 1675 war er Bibliothecarius Serenissimi (des Pfalzgrafen Christian August von Sulzbach). Durch Letzteren war sein Vater Clamerus F. a. 1661 aus Webfeld in Ober-Issel nach Rosenberg bei Sulzbach als Pfarrer berufen worden. Der Pfalzgraf — selbst in hebraicis grundgelehrt — wollte die Psalmen nach der Grundsprache mit genauer Accentuation übersetzen lassen und beriefhiezu den Superintendenten Brawe, den Stadtprediger Fabricius und den Pfarrer F. ins Land.

    • Literatur

      Braunische Chronik v. Sulzbach. — Codex Nr. 7173 d. germ. Museums.

  • Autor/in

    Heinrich Sperl.
  • Empfohlene Zitierweise

    Leisewitz, Carl; Sperl, Heinrich, "Florin, Franz Philipp" in: Allgemeine Deutsche Biographie 48 (1904), S. 601-602 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118023977.html#adb2content

    CC-BY-NC-SA