• Genealogie

    V Joh. Frdr. ( 1880), 1827 Hauptkassen-Kontrolleur in Elbing, dann Ober-Packhofs-Insp. in Danzig;
    M T des Kriegs- u. Domänenrats Schütz; ledig.

  • Leben

    C. gab das juristische Studium in Königsberg 1851 auf und bezog die dortige Kunstakademie (bis 1855). In der Einsicht, nicht zum Künstler geboren zu sein, versuchte er sich als selbständiger Schriftsteller in Berlin, wo er die scharf beobachteten, sozialkritischen „Berliner Fremden-Bilder“ (2 Bände, 1860) mit eigenen Illustrationen veröffentlichte. Ende der 60er Jahre zeichnete er für den „Kladderadatsch“ und dann bis an sein Lebensende für die (Leipziger) „Illustrirte Zeitung“. Dadurch fand er Auftraggeber für die wirtschaftliche Auswertung seiner heraldisch-genealogischen Liebhaberei. Bahnbrechend wirkte er auf dem Gebiete der öffentlichen Heraldik; er fiel zuerst auf durch seine viel Widerspruch findende, betont preußisch gesinnte Flugschrift über das künftige Reichswappen und dann durch seine Kennerschaft auf dem damals noch kaum beackerten Gebiet des städtischen Wappenwesens. Seine Dauerbedeutung verdankt C. seiner Tätigkeit als Redakteur der Monatsschrift „Der Deutsche Herold“ (1874-80), daneben der ephemeren|Hof- und Adelszeitung, sodann der Deutschen Graveurzeitung (1876–80), woran sich endlich - durch die hieraus erwachsene Verbindung mit dem Gewerbe veranlaßt - seine bezahlte Stellung als Sekretär des Kunstgewerbevereins Magdeburg schloß, dessen Zeitschrift „Pallas“ er mit zahlreichen eigenen Beiträgen bis zu seinem Tode leitete. Sein Einfluß auf die damals neue Gattung der Kunstgewerbemuseen war sehr bedeutend; er selbst veranstaltete neben dem Ausbau der Magdeburger Sammlungen, die sich an den Ausstellungen in Leipzig (1879), Halle (1881), München (1888) und London (1891) beteiligten, periodische Wanderversammlungen in der Provinz. Als Autor führte C. eine scharfe Klinge, die ihm viele Widersacher, aber auch das Ansehen einbrachte, ein wohlinformierter, unbeeinflußbarer Sachverständiger zu sein. In seiner letzten belletristischen Schrift, der Novelle „Amtlich totgeschwiegen, Eine Geschichte aus der Gegenwart“ (1888) spiegelte er sich selbst.

  • Werke

    Weitere W Liederbuch d. Albertina, 1850, neu hrsg. v. E. Loch, 1934, = Veröff. aus d. Staats- u. Univ.bibl. zu Königsberg i. Pr. 2 (mit eigenen Ill., L, P);
    Das Wappen d. dt. Kaisers u. d. dt. Reichsfarben, 1871;
    Städtewappen Lfg. 16-19 (= Schluß u. Titelbl.), in: J. Siebmacher's großes u. allg. Wappenbuch I/4,1885;
    Roccoco, Entwürfe f. d. graph. Kunst u. d. Kunstgewerbe, 1. Lfg., 1886;
    Gewerbe u. Kunstgewerbe in d. Heraldik, Die Entstehung u. Bildung d. Wappen u. d. Wappenschildes, Aus d. Nachlaß hrsg. v. G. G. Winkel, 1896;
    als Illustrator beteiligt: H. v. Saurma-Jeltsch, Wappenbuch d. schles. Städte u. Städtel, 1870;
    H. v. Rohr, Gesch. d. 1. Garde Dragoner-Rgt., 1880;
    Verz. d. herald. Aufsätze in: E. v. Berchem, Herald. Bibliogr. I, 1937, S. 59 f.

  • Literatur

    H. Reichau, in: Pallas 13, 1892, Nr. 3, S. 17-24 (P);
    G. G. Winkel, in: Mbl. d. k. k. herald. Ges. „Adler“ 3, Wien 1892, Nr. 17, S. 103 f.;
    Der Dt. Herold 23, 1892, S. 59;
    V. Valentin- O. Neubecker, Die dt. Farben, 1929, S. 113 f.;
    Archiv f. Studenten- u. Hochschulgesch. 7/8, 1934, S. 237 ff.;
    E. Loch, in: Altpreuß. Biogr. I, 1941.

  • Autor/in

    Ottfried Neubecker
  • Empfohlene Zitierweise

    Neubecker, Ottfried, "Clericus, Ludwig" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 287 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117691429.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA