Lebensdaten
1590 bis 1659
Geburtsort
Laasphe (Hessen)
Sterbeort
Marburg/Lahn
Beruf/Funktion
reformierter Theologe
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 117664650 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Crocius, Johann
  • Crocius, Johannes
  • Crocius, Johann
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Zitierweise

Crocius, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117664650.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Paul s. (3);
    B Ludwig s. (2);
    1) 6.6.1615 Gertrud Weinmann gen. Waidenstein ( 1625), Wwe des Vogts Conrad Kuchenbecker, 2) 10.3.1628 Anna Cath. ( 1632), T des Kammerrates Joh. Stalhans in Kassel, 3) 25.4.1636 Cath. (1600–46), Wwe des Obristleutnants u. Amtmanns Christoph Ludw. Lersner (1583–1634) in Itter, T des Patriziers Joh. Ulrich Neuhaus in Frankfurt/Main u. der Anna Maria v. Holzhausen, 4) 14.9.1647 Cath. Schilt, Witwe des Predigers Joh. Majus in Kassel;
    S aus 2) Joh. Gg. (1629–74), Prof. der Theol. in Marburg.

  • Leben

    C. studierte in Marburg bei G. Schönfeld und R. Eglin und wurde dort so ausgezeichnet zum Magister promoviert, daß R. Coclenius dem Landgrafen Moritz darüber berichtete. Nach weiteren Studien in Bremen (Ch. Pezel, M. Martinius) promovierte er in Marburg zum Dr. theol. und wurde zum Hofprediger beim Landgrafen bestellt. Auf besondere Bitten des Kurfürsten Johann Sigismund von Brandenburg ließ der Landgraf zu, daß C. für einige Jahre nach Berlin ging, um die Durchführung der reformierten Bestrebungen des Kurfürsten zu fördern. Wegen der ersten reformierten Abendmahlsfeier in Königsberg hatte C. eine literarische Fehde mit Johann Behm. Von 1619 bis zur Eroberung der Stadt durch kaiserliche Truppen war C. in Marburg als Professor Primarius und Pfarrer tätig und anschließend vorübergehend in Kassel an der reformierten Hohen Schule, die 1633 unter C. als erstem Rektor zur Universität erhoben wurde. 1653 kehrte er nach Marburg zurück. Er verhalf der Fakultät zu neuer Bedeutung, nach dem Urteil der Zürcher „als der erste Theolog seiner Zeit, der unter großem Andrang der Studenten seine hochberühmten Vorlesungen hält“.

    C. war ein überaus fruchtbarer theologischer Schriftsteller. Er schrieb Predigten, Kommentare und vor allem Kontroversschriften gegen Katholiken, Lutheraner, Socinianer, auch gegen die ins Hessische gekommene Sekte der Weigelianer. Strieder nennt die Titel von über hundert seiner Schriften. Theologisch vertrat er, wie sein Bruder Ludwig, eine milde Ausprägung der reformierten Orthodoxie, wie sie in der sogenannten Bremer Schule gepflegt wurde. Charakteristisch in der Haltung dieses streitbaren Mannes ist ein stark irenischer Zug. Vor allem lag ihm eine Besserung des Verhältnisses der beiden sich bisher befehdenden evangelischen Konfessionen am Herzen. So war er der geeignete Mann, als hessischer Abgeordneter an dem unter dem Namen „Leipziger Kolloquium“ bekannten Gespräche teilzunehmen, das der Einberufer, Kurfürst Johann Georg von Sachsen, veranstaltete, „zu vernehmen, anzuhören und zu erwägen, ob und wieferne man in der Augsburgischen Konfession einig sei, oder ob und wie man auf beiden Seiten näher zusammenrücken möchte“. Auch nachdem das Gespräch ohne sehr greifbare Ergebnisse geendet hatte, hat C. seine Bemühungen fortgesetzt.

    Als praktischer Theologe hat C. seiner Landeskirche unschätzbare Dienste geleistet, nicht nur als einer der bekanntesten Prediger seiner Zeit, sondern auch durch seinen entscheidenden Anteil an der hessischen Kirchenordnung von 1657.

  • Literatur

    D. H. Hering, Hist. Nachr. v. d. ersten Anfang d. Ev.-Ref. Kirche in Brandenburg u. Preußen, Halle 1778, S. 67, 79 f., 161, 332 ff.;
    ders., Btrr. z. Gesch. d. Ev.-Ref. Kirche in d. Preuß.-Brandenburg. Ländern, 1. T., Breslau 1784, S. 156, 220: W. Münscher, Gesch. d. hess. ref. Kirche, 1850, S. 103 f.;
    F. E. Claus, J. C., ein biogr. Versuch,|1857;
    O. Ritschl, Dogmengesch. d. Protestantismus IV, 1927, S. 262 f., 459;
    W. Gundlach, Catalogus Professorum Academiae Marburgensis, 1927.

  • Portraits

    in: W. Dilich, Urbs et Academia Marpurgensis …, hrsg. v. J. Caesar, 1867.

  • Autor/in

    Walter Hollweg
  • Empfohlene Zitierweise

    Hollweg, Walter, "Crocius, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 417 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117664650.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Crocius: Johann C., am 28. Juli 1590 zu Laasphe in der Grafschaft Wittgenstein (als Sohn des dasigen geistlichen Inspectors, Herausgebers des „Großen Martyrbuches") geboren, studirte zu Herborn und Marburg, war am letzteren Orte Major der Stipendiatenanstalt, dann seit 1612 Hofprediger des Landgrafen Moritz und Professor am Collegium Mauritianum (Ritterakademie) zu Kassel, hierauf Pfarrer der Altstädter Gemeinde daselbst, hielt sich sodann auf den dringenden Wunsch des Kurfürsten Johann Sigismund zu Brandenburg in den J. 1615—17 an dem Hofe desselben auf, um den Kurfürsten bei der Begründung des reformirten Kirchenwesens in den kurfürstlichen Landen zu berathen und zu unterstützen, worauf er in Marburg und hier 1624 mit der gesammten reformirten Universität durch die liguistisch-darmstädtischen Truppen verdrängt, seitdem in Kassel die Stelle eines Professors der Theologie bekleidete. Auf dem Leipziger Colloquium 1631 war er wol der bedeutendste Sprecher der reformirten Confession. Zwei Jahre später begegnete es ihm, daß er im nächtlichen Dunkel einen jungen Cornett (Christian Hund), der zu seiner Tochter ins Fenster stieg, mit einem Hammer erschlug, weshalb er mehrere Jahre lang suspendirt, schließlich aber freigelassen wurde. Das Vertrauen des Landgrafen besaß er in seltenem Maße, weshalb er bei der Wiedererrichtung der Universität zu Marburg 1653 von demselben zum Professor Primarius und Rector derselben ernannt ward. Die von ihm und dem Superintendenten Hütterodt festgestellte hessische (reformirte) Kirchenordnung von 1657 war hauptsächlich sein Werk. C. war der letzte hessische Theolog, der noch ein lebendiges Bewußtsein davon hatte, daß das Bekenntniß der reformirten Kirchen Deutschlands auf einer von der Augsburger Confession und von Melanchthon getragenen Lehrbildung beruhte. Darum war ihm allezeit ein klares Verständniß des Gemeinsamen der beiden protestantischen Bekenntnisse und ein tiefes, ernstes Verlangen eigen, dieses Gemeinsame als solches auch anerkannt zu sehen. Die reformirte Dogmatik vertrat er vom infralapsaristischen Standpunkte aus. Seine bedeutendsten Schriften sind bestimmt, den exclusiven Ansprüchen des Lutherthums gegenüber, die Thatsache zu erweisen, daß das Recht der reformirten Kirche in Deutschland auf der rechtlichen Geltung der Augsburger Confession beruhe. In der (dem nachher katholisch gewordenen Landgrafen Ernst von Hessen gewidmeten) Schrift „De ecclesiae unitate“ von 1650 führt C. den Gedanken der wesentlichen Einheit der beiden protestantischen Bekenntnisse in beredtester Sprache aus. Außerdem gehörte seine schriftstellerische Thätigkeit namentlich der Polemik des Protestantismus gegen den Katholicismus an. Sein|„Anti-Becanus“ (2 Bde.) erschien 1643. Daneben schrieb er auch einen „Anti-Weigelius“ (1651), viele Disputationen und andere akademische Gelegenheitsschriften in lateinischer und deutscher Sprache.

    • Literatur

      Vgl. Claus, Joh. Crocius, Kassel 1858 und Strieder, Hessische Gelehrtengeschichte, Bd. II, S. 397—421, wo die Litteratur sich vollständig angegeben findet.

  • Autor/in

    Heppe.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heppe, Heinrich, "Crocius, Johannes" in: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), S. 600-601 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117664650.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA