Lebensdaten
1874 bis 1950
Geburtsort
Altona bei Hamburg
Sterbeort
Asunción (Paraguay)
Beruf/Funktion
Völkerkundler
Konfession
-
Normdaten
GND: 117661392 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schmidt, Max

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Zitierweise

Schmidt, Max, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117661392.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Georg Max (1840–1925), RA, 1890-1914 Bürgerworthalter d. Stadtverordnetenkollegiums in A., GJR;
    M Antonie Mertens (1844–1923); ledig.

  • Leben

    S. studierte Jura in Tübingen, Berlin und Kiel und wurde 1899 in Erlangen zum Dr. iur. promoviert. Nach einer kurzen Beschäftigung am Amtsgericht in Blankenese (Holstein) übersiedelte er nach Berlin und hörte dort die ethnologischen Vorlesungen der Amerikanisten Karl von den Steinen (1855–1929) und Eduard Seler (1849–1922). 1916 erfolgte eine (zweite) Promotion an der Phil. Fakultät der Univ. Leipzig mit einer Dissertation über die Verbreitung der Gesellschaften der Aruaksprachfamilie in Südamerika. 1917 erhielt S. die venia legendi der Phil. Fakultät Berlin und wurde zum Professor ernannt. Von 1899 bis zu seiner Pensionierung 1929 war er am Museum für Völkerkunde in Berlin tätig, zuerst als Volontär, später als Direktorialassistent und seit 1919 als Leiter der Südamerika-Abteilung. Bald nach seiner Versetzung in den Ruhestand 1929 wanderte S. nach Brasilien aus und 1931 nach Asunción del Paraguay, wo er noch als Universitätsprofessor tätig war und 1934 das Völkerkundemuseum gründete. Durch den 2. Weltkrieg von seinen Pensionsbezügen aus Deutschland abgeschnitten, starb er verarmt und nach schwerer Krankheit (Lepra).

    S. verknüpfte seine beiden Fächer Jura und Ethnologie, indem er ethnologische Rechtsforschung bei den Indianern Südamerikas betrieb und Beiträge zur Rechtsgeschichte Afrikas publizierte. 1924 schrieb er das erste Lehrbuch der Völkerkunde in dt. Sprache, das eine knappe und klare Methodik der Feldforschung enthält. S. zählt zu den großen dt. Erforschern des Xingú-Gebietes, einer Domäne der dt. Amerikanisten (Karl von den Steinen, Paul Ehrenreich, Theodor Koch-Grünberg u. Fritz Krause). Ein großer Teil seiner Publikationen beruht auf eigenen Feldforschungen in Brasilien und Paraguay. 1900 weilte er bei den Indianern des Xingú-Gebiets (Brasilien), 1910 bei den Toba und Kainguá in Paraguay. 1926-28 forschte er erneut im Mato Grosso, u. a. bei den Bakairí und Waurá, 1935 im paraguay. Chacogebiet u. a. bei den Izozó und Chulupi, 1940/41 schließlich bei den letzten überlebenden Payaguá-Indianern in Asunción.

    Während S.s Theorie zur Verbreitung der Stämme der Aruak-Sprachfamilie in Südamerika veraltet ist, bilden seine Werke nach wie vor eine unentbehrliche Quelle zur Kenntnis mehrerer Stämme des Mato Grosso. Schwerpunkte waren v. a. ergologische Themen (Gewebetechniken, Hausformen, techn. Voraussetzungen in d. Ornamentik d. südamerik. Indianer), hinzu kamen Studien der Ornamentik Alt-Perus anhand der Sammlungen des Berliner Museums.

    Indem S. auf große Expeditionen verzichtete, gelang es ihm, eine tiefere Beziehung zu seinen indian. Gesprächspartnern zu knüpfen, deren Hilfe er auch in seinen Werken würdigte. Damit nahm er Arbeitsweisen der modernen ethnographischen Forschung vorweg. Infolge seiner Auswanderung und da er nach 1929 vorwiegend in span. und portugies. Sprache publizierte, sind S.s Leistungen in Deutschland bis heute nur in geringem Umfang gewürdigt worden.

  • Werke

    Btrr. zur ratio juris im röm. Recht, Diss. Erlangen, gedr. 1899;
    Indianerstud. in Zentralbrasilien, Erlebnisse u. ethnol. Ergebnisse e. Reise in d. J. 1900 bis 1901, 1905 (P), portugies. 1942;
    Die Aruaken, Ein Btr. z. Problem d. Kulturverbreitung, Diss. Leipzig 1917;
    Verhältnis zw. Form u. Gebrauchszweck b. südamerik. Sachgütern [ … ], in: Zs. f. Ethnol. 50, H. 1, 1918, S. 12-39;
    Die Bedeutung d. vgl. Rechtswiss. f. d. Ethnol., 1919;
    Grundriß d. ethnol. Volkswirtsch.lehre, 2 Bde., 1920/21;
    Das Haus im Xingú-Quellgebiet, in: FS Eduard Seler, 1922, S. 441-70;
    Völkerkunde, 1924;
    Kunst u. Kultur v. Peru, 1929;
    zahlr. Art. seit 1902 in: Globus u. in: Zs. f. Ethnol., hier z. B. Die Guató, ebd. 35, H. 2/3, 1902, S. 77-89;
    Aufss. seit etwa 1930 v. a. in span. u. portugies. Sprache u. a. in: Revista de la Sociedad Científica del Paraguay (Asunción), u. in: Revista do Museu Paulista (São Paulo).

  • Literatur

    H. Baldus, in: Zs. f. Ethnol. 76, H. 2, 1951, S. 301-05;
    ders., Bibliografia critica da etnologia brasileira, 1, 1954, S. 14 f.;
    Revista do Museu Paulista, 5, 1951, S. 253-60;
    P. de Carvalho Neto, in: Comunicaciones Antropológicas del Centro de Estudios Antropológicos del Paraguay, 10, 1951, S. 3;
    E. Schaden, Dt. Pioniere am Rio Xingú, in: Amazonien im Umbruch, hg. v. G. Hartmann, 1989, S. 339-44;
    ders., in: Internat. Dict. of Anthropologists, hg. v. Ch. Winter, 1991;
    Deutsche am Amazonas, Forscher oder Abenteurer?, Expeditionen in Brasilien 1800 bis 1914, hg. v. d. Staatl. Museen zu Berlin Preuß. Kulturbes., 2002;
    M. Kraus, Bildungsbürger im Urwald, Die dt. ethnol. Amazonienforsch. (1884–1929), 2004, S. 36 f.;
    Materialien:
    B. Riese, Biogr. Archiv z. Anthropol. (Univ. Bonn).

  • Portraits

    Foto in: Wb. d. Ethnol., hg. v. B. Streck, 2000, S. 345.

  • Autor/in

    María Susana Cipolletti
  • Empfohlene Zitierweise

    Cipolletti, María Susana, "Schmidt, Max" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 208-209 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117661392.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA