Lebensdaten
1863 bis 1936
Geburtsort
Liegnitz
Sterbeort
Zürich
Beruf/Funktion
Dermatologe
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 117610674 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Jadassohn, Josef
  • Jadassohn, Joseph

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Zitierweise

Jadassohn, Josef, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117610674.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Meyer, Kaufm.;
    M Eliese Kohn;
    1896 Margarethe Kern;
    1 S, 1 T, u. a. Werner (1897–1973), Prof. d. Dermatol. in Genf.

  • Leben

    Bis zum medizinischen Staatsexamen 1886 studierte J. in Göttingen, Heidelberg, Leipzig und Breslau. In Breslau wurde er 1887 mit dem Thema „Zur Kenntnis des Choleraroths“ zum Dr. med. promoviert und war bis 1892 an der dortigen Klinik Assistent bei Neißer, der ihm zeitlebens in Freundschaft verbunden blieb. Eine größere Studienreise durch verschiedene europ. Städte führte ihn auch ans Hôpital St. Louis in Paris, wo er Besnier, Brocq und Darier kennen und schätzen lernte. 1892 übernahm er als Oberarzt die Hautabteilung des Allerheiligenhospitals in Breslau. Hier entfaltete er bereits eine so reiche literarische Produktivität, daß er ohne vorheriges Habilitationsverfahren als Extraordinarius und Nachfolger Lessers 1896 nach Bern berufen wurde ( 1903 persönl. Ordinarius). Nach Neißers Tod (1916) übernahm J. 1917 dessen Lehrstuhl in Breslau. Hier wirkte er bis zu seiner Emeritierung 1931. Mehrere Rufe, u. a. nach Berlin, lehnte er ab. Seine letzten Lebensjahre wurden überschattet durch den politischen Verfall und die Rassendiskriminierungen in Deutschland. Er wählte 1933 auf Drängen seiner Freunde das Exil in der Schweiz und wohnte und arbeitete in der Nähe seines Sohnes Werner, der sein wissenschaftliches Erbe fortsetzte.

    J.s menschliche Qualitäten, sein Ideenreichtum und sein unermüdlicher Arbeitseinsatz machten die Kliniken von Bern und Breslau zu Zentren der europ. Dermatologie. Es gab kaum ein Gebiet dieses Faches, zu dessen genauerer Kenntnis J. und seine vielen Schüler nicht beigetragen hätten. Er setzte sich nicht nur mit der Herausgabe des riesigen 23bändigen „Handbuchs der Haut- und Geschlechtskrankheiten“ (1927-37) ein bleibendes Denkmal und lieferte zahlreiche umfassende Darstellungen oder Überarbeitungen, sein Name ist auch eng verknüpft mit einer Anzahl von Dermatosen, Entartungen und Anomalien, die er beobachtete und in einen Zusammenhang mit dem Körpergeschehen zu stellen suchte. So beschrieb er u. a. 1892 erstmals die Atrophia maculosa cutis (Anetodermie), 1894 die Pityriasis lichenoides chronica als „eigenartiges psoriasiformes und lichenoides Exanthem“. Er erklärte auch als erster (1901) die Granulosis rubra nasi als besondere Anlageanomalie, und mit seinem Schüler Lewandowsky zusammen wies er 1906 auf den Symptomenkomplex der Pachyonychia congenita hin (Jadassohn-Lewandowsky-Syndrom). Besondere Aufmerksamkeit widmete er schon früh den verschiedenen Infektionskrankheiten der Haut, besonders der Morphologie und Immunologie der Tuberkulose in ihren Beziehungen zu den Tuberkuliden, ein Problemkreis, dem er mehrere umfassende Studien widmete. Er bemühte sich um die Erforschung der Lepra und der Pyodermien, und die von ihm und seiner Schule intensiv geförderte Lehre von den Dermatomykosen verdankt ihm den Begriff der „Trichophytide“ (1911). Von den Stoffwechseldermatosen war es vor allem die Pellagra, mit der sich ein Handbuchbeitrag J.s befaßte. Bei Untersuchungen von chemisch und medikamentös bedingten Toxikodermien und Berufsdermatosen entwickelte er mit Bloch gemeinsam z. B. das diagnostische Hilfsmittel der „Läppchenprobe“. Hier sammelte er ein umfangreiches, durch Beobachtung und Experiment gewonnenes Material, das noch heute für das Verständnis ekzematös-allergischer Vorgänge von großem Wert ist. Bei allem suchte er stets die rein klinisch-morphologische Betrachtungsweise durch biologisch-funktionelle Aspekte zu erweitern, und an die Stelle der alten Krasenlehre trat nun endgültig eine experimentell begründete Reaktionspathologie. Auch in der|Venerologie lieferte er wichtige Arbeiten zur Pathologie, Diagnostik und Therapie, ein besonderes Interesse, das auch seinen sozialpolitischen Niederschlag fand: Das 1927 vom Reichstag verabschiedete Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten ging auf J.s Initiative und Vorarbeit zurück.

  • Werke

    Weitere W u. a. Ueber e. eigenartige Form v. „Atrophia maculosa cutis“, in: Archiv f. Dermatol. u. Syphilis, Erg.-H. 1, 1882, S. 342-58;
    Ueber e. eigenart. Erkrankung d. Nasenhaut b. Kindern („Granulosis rubra nasi“), ebd. 58, 1901, S. 145-58;
    Ueber e. eigenart. psoriasiformes u. lichenoides Exanthem, in: Verhh. d. Dt. dermatolog. Ges. 4, 1894, S. 524 ff.;
    Einteilung d. Hautkrankheiten, Die Dermatomykosen (Dermatohyphomykosen) d. Menschen, Hauttuberkulose, Lupus erythematodes, in: Ergebnisse d. speziellen patholog. Morphol. u. Physiol., hrsg. v. O. Lubarsch u. R. Ostertag, I, 4, 1896, S. 271-83, 293-316, 350-93, 401-20;
    Erythema exsudativum multiforme u. nodosum, ebd. IV, 1899, S. 747-79;
    Krankheiten d. Haut, in: Hdb. d. pract. Med., hrsg. v. W. Ebstein u. J. Schwalbe, III, 1901, S. 3-548 (mit A. Neißer);
    Krankheiten d. Penis nebst Harnröhre, Die vener. Krankheiten, ebd., 21905;
    Lupus erythematodes, in: Hdb. d. Hautkrankheiten, hrsg. v. F. Mracek, III, 1904, S. 298 ff.;
    Die Tuberkulose d. Haut, ebd. IV, 1, 1907;
    Die Toxikodermien, in: Dt. Klinik am Eingange d. XX. Jh. X, 2, 1905;
    Pachyonychia congenita, in: Ikonographia dermatologica, hrsg. v. A. Neißer u. O. Jacobi. 1906. Tafel VI, 8 u. 9 (mit F. Lewandowsky);
    Hautkrankheiten, Vener. Krankheiten, in: Lehrb. d. Greisenkrankheiten, hrsg. v. J. Schwalbe, 1909, S. 753-836;
    Allg. Ätiol., Pathol., Diagnose u. Therapie d. Gonorrhöe, in: Hdb. d. Geschl.krankheiten, hrsg. v. E. Finger, J. J., S. Ehrmann, S. Groß, I, 1910, S. 259-406;
    Die Trichophytie u. verwandte Pilzerkrankungen d. Haut, in: Korr.bl. f. Schweizer Ärzte 42, 1912, S. 22;
    Lepra, in: Hdb. d. pathogenen Mikroorganismen, hrsg. v. W. Kolle u. A. v. Wassermann, V, 31913, S. 791 ff., V, 2, 31928, S. 1063 ff.;
    versch. Aufsätze z. Bekämpfung d. Geschl.krankheiten in: Mitt. d. Dt. Ges. z. Bekämpfung d. Geschl.krankheiten 24, 1926, S. 120-23, 25, 1927, S. 21, 26, 1928, S. 61-65, 98-101;
    Der gegenwärt. Stand d. Pellagralehre, in: Hdb. d. Haut- u. Geschl.krankheiten, hrsg. v. J. J., IV, 2, 1933, S. 446-587;
    Allg. Ätiol., Pathol. u. bakteriolog. Diagnose d. Gonorrhoe, ebd. 20, 1, 1934, S. 1-162;
    Dermatol., 21938. -
    Rückblick u. Umblick, in: Deliberationes Congressus Dermatologorum Internationalis 9, Budapest, 1935, IV, hrsg. v. L. Nékám, 1936, S. 89-104 (Autobiogr., P). - Hrsg.: E. Lesser, Lehrb. d. Haut- u. Geschl.krankheiten I u. II, 141927-30. -
    Mithrsg.: Slg. zwangloser Abhh. aus d. Gebiete d. Dermatol., d. Syphilidol. u. d. Krankheiten d. Urogenitalapparates, mit bes. Berücksichtigung d. allg. ärztl. Praxis, 1-3, 1911-14, NF, 1923-27;
    Archiv f. Dermatol. u. Syphilis;
    Zbl. f. Haut- u. Geschl.krankheiten 1-52, 1921-36.

  • Literatur

    Dermatolog. Zs. 67, 1933, S. 316 f.;
    ebd. 74, 1937, S. 118 f.;
    Darier, in: Ann. de dermatol. et de syphiligraphie 7, 7, 1936, S. 537-43 (P);
    Sulzberger, Cola u. Zwick, in: Archives of dermatol. 33, 1936, S. 1036-69;
    W. Lutz, in: Schweizer med. Jb. 1937, S. XVII-XLIII (W-Verz., L, P);
    H. W. Siemens, Jadassohniana, in: Schweizer, med. Wschr. 68, 1938, S. 995-97;
    G. Miescher, in: Hautarzt 5, 1954, S. 95 f. (P);
    Dt. Dermatologenkal. 1929 (W-Verz.);
    Rhdb. (P);
    Fischer.

  • Autor/in

    Hans H. Lauer
  • Empfohlene Zitierweise

    Lauer, Hans H., "Jadassohn, Josef" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 259 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117610674.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA