Lebensdaten
1896 bis 1963
Geburtsort
Bodenbach (Bezirk Teschen, Böhmen)
Beruf/Funktion
Soziologe
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 117608076 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Müller, Karl Valentin
  • Müller, K. Valentin
  • Müller, Karl V.

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Zitierweise

Müller, Karl Valentin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117608076.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Karl (1869-n. 1939) Oberlehrer in Rottenhau (Galizien), S d. Lehrers Valentin (1834–98) aus Theodorshof (Galizien) u. d. Wilhelmine Kaufmann (1838–1927) aus Rottenhan;
    M Hedwig, adopt. Lange (* 1876) aus Sachsen. T d. Franz Oskar Müller (1843–81) u. d. Wilhelmine Juliane Püschel (1842–85);
    1932 Hertha Kriemhilde aus Mähren, Lehrerin, T d. Johannes Babylon aus Skotschau (Österr. Schlesien), Pfarrer, u. d. Anna Irene Klima (?) (* 1878);
    1 S, 2 T.

  • Leben

    M. schloß sein Studium der Germanistik, Staatswissenschaften, Geschichte, Soziologie und Sozialanthropologie an der Univ. Leipzig 1922 mit der Promotion zum Dr. phil. ab. Danach engagierte er sich in der Volkshochschularbeit und war 1927-39 Referent für das soziale Bildungswesen im sächs. Ministerium für Volksbildung. 1936 wurde er an der Univ. Leipzig für Soziologie und Bevölkerungswissenschaft habilitiert und erhielt dort 1938 eine Dozentur für diese Fächer. 1939 übernahm er an der TH Dresden eine Stelle als beamteter ao. Professor für Soziologie und wurde Leiter des Soziologischen Seminars. Er vertrat seit Ende 1941 den neugeschaffenen Lehrstuhl für Sozialanthropologie an der Deutschen Karls-Univ. Prag, wo er 1942 zum o. Professor ernannt wurde. Außerdem leitete er das dortige „Institut für Sozialanthropologie und Volksbiologie“. Das Institut stand in enger Beziehung zu der im Sommer 1942 gegründeten Reinhard-Heydrich-Stiftung in Prag, die seine Forschungsprojekte (neben der Deutschen Forschungsgemeinschaft) finanzierte. 1946 gründete M. mit Unterstützung des niedersächs. Kultusministers Adolf Grimme das „Institut für Begabtenforschung“ (seit 1949 „Institut für empirische Soziologie“) in Hannover, wo er zugleich an der Akademie für Raumforschung und Landesplanung tätig war. Sein Institut verlagerte er über Bamberg, wo er 1952 einen Lehrauftrag an der Philosophisch-Theologischen Hochschule annahm, nach Nürnberg, wo er seit 1955 o. Professor und Inhaber des Lehrstuhls für Soziologie und Sozialanthropologie sowie Leiter des gleichnamigen Instituts an der Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften war. 1954-58 fungierte M. als Generalsekretär des „Institut International de Sociologie“ und war Vorstandsmitglied der „Deutschen Gesellschaft für Bevölkerungswissenschaften“.

    M. verwendete in seiner Soziologie und Demographie Methoden der empirischen Sozialforschung. Ausgehend von naturwissenschaftlich-statistischen Ansätzen der Sozialanthropologie, untersuchte er die „aussiebende“ Funktion der Erbfaktoren, die seiner Meinung nach in der industriellen Gesellschaft bedeutend ist. Dadurch sollte die qualitativ etwas farblose Elitenlehre Vilfredo Paretos biologisch fester begründet und zugleich eingeschränkt werden. M.s Werk gliedert sich in vier Forschungsrichtungen: Begabungssoziologie, Arbeiter- und Angestelltenfragen, Volkstumsforschung und Probleme der Heimatvertriebenen.

    Der Begabungssoziologie kam eine zentrale Stellung zu. M. zeigte mit Hilfe umfangreicher Untersuchungen an vollständigen Schuljahrgängen, daß das schon in der Grundschule auftretende Begabungsgefälle in großen Zügen der sozialen Schichtung der Gesellschaft entspricht. Das von ihm gegründete Institut führte eine Untersuchung aller Schüler (einschließlich deren Familien) der Lehranstalten Niedersachsens aus den Geburtsjahrgängen 1932-37 durch, die zumindest bis 1963 eine der umfangreichsten empirisch-sozialwissenschaftlichen Forschungen dieser Art blieb. In seinen Untersuchungen zur Arbeiter- und Angestelltensoziologie beschrieb M. die Angestellten als eine eigene Funktionsgruppe mit besonderen Anforderungen und Pflichten im gesellschaftlichen Gefüge. Lebendiges Anschauungsmaterial zu Volkstumsproblemen und hier besonders zum Volkstumswandel im Laufe von ein bis zwei Generationen lieferte ihm seine böhm. Heimat. Die Weiterführung der hierfür entwickelten Methoden wurde auch in seiner vom Gegenstand her verwandten Soziologie der Heimatvertriebenen konsequent verfolgt. In enger Beziehung zu diesen Analysen standen seine Untersuchungen über den Einfluß der sozialistischen Gesellschaftsform auf die mitteldeutsche Bevölkerung und die sich in der DDR vollziehenden Anpassungs-, Substitutions- und Selektionsvorgänge.

    Innerhalb der empirischen Sozialforschung bevorzugte M. die Methoden der Handlungsanalyse und der Werthaltungsforschung, mit denen konkretere Aussagen über das tatsächliche Handeln der untersuchten Sozialgruppen ermöglicht werden sollten, als die weithin übliche Meinungsforschung erbrachte. Kritisch wandte er sich gegen den Anspruch der Meinungsbefragung, als empirische Sozialforschung schlechthin zu gelten. Aus diesem Bestreben entwickelte er bestimmte Formeln und Indizes für die handlungsanalytische Beobachtung komplexer sozialer Prozesse (z. B. „Konnuptialindex“), die schon zu seinen Lebzeiten in der amtlichen Statistik Verwendung fanden.

  • Werke

    Arbeiterbewegung u. Bevölkerungsfragen, 1927;
    Der Aufstieg d. Arbeiters durch Rasse u. Meisterschaft, 1935;
    Die Begabung in d. soz. Wirklichkeit, 1951;
    Heimatvertriebene Jugend, 1953, 21956;
    Sozialwissenschaft u. soz. Arbeit, 1956;
    Begabung u. Schichtung in d. hochindustrialisierten Ges., 1956;
    Die Angestellten in d. hochindustrialisierten Ges., 1957;
    Die Manager in d. Sowjetzone, 1962;
    zahlr. Aufsätze in wiss. Zss.

  • Literatur

    Studium sociale, FS z. 65. Geb.tag, 1963 (P);
    K. G. Specht, in: Kölner Zs. f. Soziol. u. Sozialpsychol.|15, 1963, S. 781 ff.;
    Kürschner, Gel.-Kal 1961;
    Kosch, Biogr. Staatshdb.;
    Internat. Soziologenlex., hrsg. v. W. Bernsdorf u. H. Knospe, 1980;
    Biographisches Lexikon Böhmen.

  • Autor/in

    Dirk Käsler
  • Empfohlene Zitierweise

    Käsler, Dirk; Kaesler, Dirk/später, "Müller, Karl Valentin" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 445-447 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117608076.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA