Lebensdaten
1875 bis 1945
Geburtsort
Aegidienberg bei Bad Honnef (Siebengebirge)
Sterbeort
Ittenbach (Siebengebirge)
Beruf/Funktion
Mundartforscher ; Volkskundler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117597155 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Müller, Joseph
  • Müller, Jos.

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Zitierweise

Müller, Joseph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117597155.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Peter (1842–1913), Seminar-Oberlehrer in Siegburg u. Hildesheim;
    M Maria Katharina Schucht (* 1847) aus I.;
    Trier 1903 Theresia Elisabeth Hester (1877–1945);
    3 K.

  • Leben

    M. besuchte die Gymnasien in Königswinter und Siegburg, studierte seit 1895 in Bonn Germanistik, Geschichte, dazu Latein und Griechisch und wurde 1900 bei Johannes Franck (1854–1914) mit „Untersuchungen zur Lautlehre der Mundart von Aegidienberg“ (Teildr. 1900) promoviert. Nach dem Staatsexamen war er seit 1903 Gymnasiallehrer in Trier, seit 1907 Studienrat in Bonn und wurde infolge einer Intervention von Franck zunächst teilweise, dann gänzlich vom Schuldienst beurlaubt, um als dessen Mitarbeiter die Sammlungen zum Aufbau des Rhein. Wörterbuch-Archivs voranzutreiben. Nach Francks Tod übernahm M. im Auftrag der Preuß. Akademie der Wissenschaften die Leitung des Rhein. Wörterbuchs, nach dem 1. Weltkrieg in enger räumlicher, seit 1930 auch institutioneller Verbindung mit dem Institut für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande an der Univ. Bonn. 1922 erhielt er hier einen Lehrauftrag für Deutsche Volkskunde, seit 1927 war er Honorarprofessor für dieses damals aufstrebende Fach. 1940 wurde er verabschiedet, doch bis zu seinem Tod arbeitete er weiter an der Vollendung des Rhein. Wörterbuchs; sein handschriftliches Manuskript reicht bis in die Mitte des Buchstabens Z, zu seinen Lebzeiten waren 6 von letztlich 9 Bänden (abgeschlossen 1971) gedruckt.

    Dieses großlandschaftliche Dialektwörterbuch muß als sein wissenschaftliches Lebenswerk angesehen werden. Es enthält auf mehr als 14 000 Spalten den lexikalischen Bestand der mittel- und niederfränk. Dialekte etwa um 1900 in ausführlicher Dokumentation des gesamten Sprachgebrauchs sowie 209 wortgeographische Karten. Durch Beispielsätze und Redensarten bietet es weit mehr als nur Lautgestalt und knappe Bedeutungsangaben. Im Zusammenhang mit der Wörterbucharbeit publizierte M. auch zahlreiche Beiträge zur rhein. Sprachgeographie und Lexikographie. Ein zweiter Schwerpunkt lag in seinen volkskundlichen Arbeiten, die der kulturmorphologischen Forschungsrichtung des 1921 gegründeten Bonner Instituts für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande verpflichtet sind. Hervorzuheben ist sein Beitrag „Volkskunde“ in dem grundlegenden Werk „Kulturströmungen und Kulturprovinzen in den Rheinlanden“ (1926), entstanden in Zusammenarbeit mit dem Germanisten Theodor Frings und dem Historiker Hermann Aubin. Sowohl vom Rhein. Wörterbuch als auch von der kulturmorphologisch-interdisziplinär ausgerichteten volkskundlichen Arbeit M.s gingen erhebliche Wirkungen aus, etwa zur Institutionalisierung weiterer großräumiger Dialektwörterbücher oder des „Atlas der deutschen Volkskunde“ seit 1929.

  • Werke

    Rhein. Wörterbuch, I-VI, 1928–44, bearb. u. hrsg. v. J. M., VII/VIII, 1958–64, bearb. v. J. M., hrsg. v. K. Meisen, IX, 1971, nach Vorarbeiten v. J. M. bearb. u. hrsg. v. H. Dittmaier;
    Rede d. Volkes, in: Dt. Volkskde., hrsg. v. John Meier, 1926;
    Volkskunde, in: H. Aubin, Th. Frings u. J. M., Kulturströmungen u. Kulturprovinzen in d. Rheinlanden, 1926, 21966, S. 190-231;
    Mithrsg.:
    Rhein. Vj.bll. I-XII, 1931-42;
    Zs. d. Ver. f. rhein. u. westfäl. Volkskde. (seit 1934: Westdt. Zs. f. Volkskde.), 24-33, 1927-36.

  • Literatur

    K. Meisen, in: Rhein. Vjbll. 13, 1948, S. 5-7 (P);
    M. Zender, Das Rhein. Wörterbuch v. 1904 bis 1964, ebd. 29, 1964, S. 200-22 (P);
    ders., in: Bonner Gelehrte, Btrr. z. Gesch. d. Wiss. in Bonn, Sprachwissenschaften, 1970, S. 120-23. – Eigene Archivstud. (Univ.-Archiv Bonn).

  • Autor/in

    Walter Hoffmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Hoffmann, Walter, "Müller, Joseph" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 430 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117597155.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA