Lebensdaten
1824 bis 1866
Geburtsort
Schloß Kochersteinsfeld (Württemberg)
Sterbeort
Schloß Kochersteinsfeld (Württemberg)
Beruf/Funktion
Naturkundler ; Ornithologe ; Sammler ; Reiseschriftsteller ; Forschungsreisender
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 117596884 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Müller, John W.
  • Müller, Johann Wilhelm (eigentlich)
  • Müller, Johann Freiherr von
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Müller, John W. Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117596884.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann (John) (1793–1874), Bes. d. Hofbuchdruckerei „Zu Guttenberg“ in Stuttgart, S d. Johannes (1769–1848, württ. Adel 1820) aus Dürrmenz b. Mühlacker (Württemberg), fuhr im Dienst d. holländ. Ostindienkompanie z. See, betrieb 1788-1819 Lebensmittel- u. Wechselgeschäfte in Kapstadt (Südafrika);
    M Johanna Storm (1798–1856) aus Glückstadt/Elbe, Schausp.;
    Fürstengarten 1861 Marie (* 1830, 2] Hptm. Wachs, 1878), T d. Leopold v. Lücken (1798–1853), auf Zahrensdorf, preuß. Lt., u. d. Ida v. Kleist (1802–73) aus Stavenow (Brandenburg).

  • Leben

    Schon während seiner letzten Schuljahre in der Bildungsanstalt auf dem Salon bei Ludwigsburg, die durch den bekannten Ornithologen Christian Ludwig Landbeck (1807–90) verwaltet wurde, erwachte bei M. und seinem Schulkameraden Theodor Heuglin das Interesse an der Vogelkunde. Nachdem sich M. vermutlich 1-2 Jahre Studien der Medizin und der Naturkunde an den Universitäten Bonn, Heidelberg und Jena gewidmet hatte (weder eine Immatrikulation noch eine Promotion lassen sich nachweisen), unternahm er seit 1845 Reisen nach Nordafrika (Algerien und Marokko). Zu seiner von ihm sog. „2. Afrika-Expedition“ (1847-49), die nach Kordofan und ins Nilgebiet führte, gewann er als Vogelpräparator den erst 18jährigen Alfred Brehm, dessen Stiefbruder Oskar sich zusammen mit dem Ornithologen Richard Vierthaler 1849 der Unternehmung von Alexandria aus anschloß. Die beiden letzteren kamen 1850 bzw. 1852 bei der durch M. in der Fachpresse angekündigten, aber schließlich scheiternden „3. wissenschaftlichen Expedition des Frhr. Dr. John Wilhelm v. Müller nach Central-Afrika“ um. M. selbst war mit seinen Sammlungen 1849 über Wien, wo er sich zum „österr. Generalkonsul für Khartum“ ernennen ließ, nach Deutschland zurückgekehrt. Er übertrug Heuglin die Ordnung seiner afrikan. Vogelsammlung und regte ihn damit zu späteren eigenen Forschungsreisen nach Abessinien und dem Sudan an. Da er in finanzielle Schwierigkeiten geriet, löste er das Alfred Brehm gegebene Versprechen, zur Leitung einer weiteren Expedition nach Afrika zurückzukehren, nicht ein. Statt dessen sandte er Brehm nur einen kleinen Geldbetrag, mit dem dieser bis 1852 in Nordost-Afrika ausharrte und auf mehreren kürzeren Exkursionen Vögel sammelte, die er aber größtenteils als Grundstock einer eigenen Sammlung für sich behielt.

    1849-58 verlegte M. in Stuttgart in der von seinem Vater 1848 angekauften Kgl. Hofbuchdruckerei die als Organ der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft neu gegründete, durch Eduard Baldanus (1812–93) herausgegebene und nach Johann Andreas Naumann (1747–1826) benannte Zeitschrift „Naumannia“. Außerdem veröffentlichte er ein Tafelwerk, von dem nur fünf Lieferungen erschienen („Description de nouveaux oiseaux d'Afrique“, 1853-54), und brachte ein „Systematisches Verzeichnis der Voegel Afrika's“ im Journal für Ornithologie (Jg. 2-4, 1854-56) heraus. 1852 erwarb M. die über 2000 montierte Vögel umfassende Sammlung seines früheren Lehrers Landbeck. 1856-57 besuchte er die naturhistorischen Museen Nordamerikas und reiste nach Kanada und Mexiko. In der 1864/65 veröffentlichten Beschreibung der Reise in diese Länder ist eine der ersten umfangreicheren Listen der mexikan. Wirbeltiere enthalten. 1865 führte ihn seine letzte Reise nach Spanien. Angaben, wonach M. 1852 den Zoologischen Garten in Brüssel geleitet und 1854 einen Zoo in Marseille gegründet haben soll, sind nicht sicher belegbar. Er trug durch das Sammeln hauptsächlich von Vögeln und durch Beschreibungen besonders der Wirbeltierfauna ausländischer Gebiete zur Erweiterung der empirischen Kenntnisse der Naturkunde seiner Zeit bei. Von seiner insgesamt gegen 4000 Vogelarten aus aller Welt zählenden Sammlung gelangten nur knapp 50, darunter ein Riesenalk, in das jetzige Württembergische Naturkundemuseum. – Mitgl. d. Leopoldina (1849)

  • Werke

    u. a. Ber. üb. einzelne erhebliche Momente seiner in d. J. 1845-1849 unternommenen wiss. Reisen in Afrika, in: SBAk. Wien, Phil.-hist. Cl. II, 1849, S. 313-31;
    Btrr. z. Ornithol. Afrika's, mit 20 Farbtafeln, 1.-4. Lfg., 1853/54, dass., 1. Serie, 21865;
    Reisen in d. Vereinigten Staaten, Canada u. Mexico, I-III, 1864-65.

  • Literatur

    ADB 22 u. 55;
    H. Rehm, Die Barone v. M., in: Schwäb. Merkur v. 27.8.1929;
    E. Stresemann, Die Entwicklung d. Ornithol., 1951, S. 392 f.;
    L. Gebhardt, Die Ornithologen Mitteleuropas, 1964;
    E. Schütz, Alfred Brehm (der Tierleben-Brehm) u. J. W. v. M. aus Kochersteinsfeld, in: Jahreshefte d. Ges. f. Naturkde. in Württ. 125, 1970, S. 293-312.

  • Autor/in

    Brigitte Hoppe
  • Empfohlene Zitierweise

    Hoppe, Brigitte, "Müller, John W. Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 429 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117596884.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Müller: Johann W. Baron von M. (er pflegte sich John W. v. M. zu unterzeichnen), Reisebeschreiber und Naturforscher, geb. am 4. März 1824 zu Kochersteinsfeld (Württemberg), ebendaselbst am 24. October 1866. Nach mehrjährigen Studien auf den Universitäten zu Bonn, Heidelberg und Jena, reiste M. von 1845—49 mit einigen Unterbrechungen in Algier, Marocco und den Nilländern. In den letzteren begleitete er Brehm nach Kordofan. Nachdem er 1852 den zoologischen Garten in Brüssel und 1854 den in Marseille begründet, trat er 1856 eine neue Reise an, die ihn nach Nordamerika und Mexiko führte. 1865 durchreiste er Spanien. M. beschäftigte sich hauptsächlich mit zoologischen Studien, deren Ergebnissen auch der größere Theil seiner Schriften gewidmet ist. Der Ruhm, der erste Besteiger des Pic von Orizaba gewesen zu sein, läßt sich nicht für M. festhalten. Die 1864/65 in drei Bänden erschienenen „Reisen in den Vereinigten Staaten, Canada und Mexiko“ leiden an empfindlichen Lücken durch den Verlust mancher Materialien, die M. in Mexiko gesammelt hatte, aber für die Ausarbeitung seiner Ergebnisse nicht benutzen konnte. Außer den Ergebnissen der durch seinen Assistenten Sonntag (s. d.) angestellten Höhenmessungen mexikanischer Vulkane ist die Liste der mexikanischen Wirbelthiere der werthvollste Theil dieser Reisebeschreibung. M. veröffentlichte über seine afrikanischen Reisen Mittheilungen im Journal of the R. Geographical Society of London (1850) und in den Sitzungsberichten der Akademie der Wissenschaften zu Wien (1849), außerdem „Fliegende Blätter aus meinem Tagebuch“ (1852), „Beiträge zur Ornithologie Afrikas“ (1853), „Des causes de la coloration de la peau et des différences dans les formes du crâne“ (1853), „Ueber das Einhorn“ (1855).

    • Literatur

      Geogr. Mitth. 1867. Brehm, Reiseskizzen aus Nordostafrika 1855. Allg. (Augsb.) Zeitung 1866. Beil. 324.

  • Autor/in

    F. Ratzel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Ratzel, Friedrich, "Müller, John W. Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 22 (1885), S. 631 unter Müller, Johann von [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117596884.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA