Lebensdaten
1801 bis 1863
Geburtsort
Königshütte (Oberschlesien)
Sterbeort
Gleiwitz
Beruf/Funktion
Bildhauer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117567302 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kalide, Erdmann Theodor
  • Kalide, Theodor
  • Kalide, Erdmann Theodor

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Zitierweise

Kalide, Theodor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117567302.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gottlieb (1765–1835), Hütteninsp. in K., S d. Joh. Georg, Bes. d. Walkmühle in Pfaffendorf b. Neumarkt/Schlesien, u. d. Barbara Rosine Hindemith;
    M Charlotte Wilhelmine (1773–1814), T d. August Wilh. Beck, Amtmann zu Tarnowsky-Gory u. zu Neudeck, u. d. Franziska Eleonora (Sammin?);
    B Wilhelm, Bergrat u. Leiter d. Gleiwitzer Hütte;
    Schw Alwine ( Franz v. Winckler, 1803–51, Bergwerksunternehmer); - ledig;
    N Valeska ( Hubert v. Tiele-Winckler, 1823–93, Gruben- u. Hüttenbes.).

  • Leben

    Nach Besuch der Königshütter Knappschaftsschule begann K. vermutlich eine Lehre in der königlichen Eisengießerei in Gleiwitz. Seit 1819 arbeitete er in der Berliner Eisengießerei und wurde als Schüler der Kunstakademie gleichzeitig im Atelier Gottfried Schadows ausgebildet. Da der Bronze- den Eisenguß abzulösen begann, wurde K. im November 1821 in das Atelier Chr. Daniel Rauchs überwiesen, der die Oberaufsicht über die neu eingerichtete Bronzeabteilung hatte; Coüé erteilte den Unterricht im Ziselieren. K. beschäftigte sich zunächst hauptsächlich mit Tierdarstellungen. Als Werkstattleiter nahm Rauch den in Eisen gegossenen „schlafenden Löwen“ vom Scharnhorst-Denkmal (1826) auf dem Berliner Invalidenfriedhof und die beiden ruhenden Hirsche (1824/25) am Parktor des Schlosses in Groß-Strehlitz (Schlesien) gegen K. für sich in Anspruch, obwohl K. nicht nur die Ziselierung, sondern auch die Modelle ausgeführt hatte. Bei den Kunstausstellungen der Berliner Akademie trat K. in den folgenden Jahren durch Reiterstatuetten in Eisenguß hervor: Friedrich der Große (1826), Friedrich Wilhelm III. (1828) und Friedrich Wilhelm IV. (1830). Nachdem er 1831 als Bildhauer und Ziseleur zum „akademischen Künstler“ ernannt worden war, gründete er eine eigene Werkstatt. 1832 stellte er das Modell der „Provinzenvase“ aus, eine allegorische Darstellung der Huldigung der 8 preußischen Provinzen an den König, deren Bronzeausführung (1838) Friedrich Wilhelm III. für den Garten des Neuen Palais in Potsdam bestellte. Als Beispiel für K.s realistisch geprägte Porträtkunst kann das Bildnis seines Vaters in Medaillonform (1835) gelten. Die beiden Entwürfe der „Musen mit dem Pegasus“ (circa 1833) wurden nicht ausgeführt. Das „Mädchen mit der Leier“ (Modell 1838) fand kaum Beachtung. Sein Lieblingsthema, die Verbindung von Mensch und Tier, gestaltete er zum ersten Mal lebensgroß in der Brunnengruppe des „Knaben mit dem Schwan“ (1836), die vom|König angekauft und bei der Weltausstellung in London (1851) mit einer Bronzemedaille ausgezeichnet wurde. Diese Gruppe wurde sein populärstes Werk. Wiederholungen in Eisenguß befanden sich in Breslau, Königshütte und Miechowitz. K.s Hauptwerk ist die „Bacchantin auf dem Panther“ (1848), deren Modell er 1844 ausstellte. 1845/46 weilte er in Italien, um unter anderem den Marmorblock für die „Bacchantin“ in Carrara auszusuchen. Das Werk wurde mit Empörung aufgenommen, weil es in zweierlei Hinsicht gegen die Konventionen der Zeit verstieß: mit seiner verschränkten Komposition, seiner heftigen Bewegung und der lebendig-sinnlichen Wiedergabe des Frauenkörpers gegen den klassizistischen Formenkanon und durch die erotische Pose der Frau gegen die herrschende Moral. Erst 1878 wurde die „Bacchantin“ von der Nationalgalerie in Berlin angekauft. Die Komposition eines „Knaben im Kampf mit dem Ziegenbock“ (1856) wurde als absonderlich empfunden und gelangte über das Gipsmodell nicht hinaus. Für Denkmalskonkurrenzen lieferte K. meist vergeblich Entwürfe: Reiterstandbild Friedrichs des Großen in Breslau (1839), Winckelmann-Denkmal in der Vorhalle des Alten Museums in Berlin (1842/44), Reiterstandbild Friedrich Wilhelms III. im Berliner Lustgarten (1860) und in Köln (1861), Schiller-Denkmal in Berlin (1862). Nur das Denkmal für den um den Aufschwung der oberschles. Bergwerksindustrie verdienten Minister von Reden wurde ihm übertragen (1850/53). 1858/59 fertigte K. noch die Gestalt eines ruhenden Löwen in Eisenguß als Denkmal für den Herzog Eugen von Württemberg im Park des Schlosses Carlsruhe (Oberschlesien). Sein letztes Werk ist eine lebensgroße Muttergottes (1860) aus weißem Marmor in der katholischen Kirche in Miechowitz.

  • Literatur

    ADB 15;
    K. Bimler, Der Bildhauer Th. K., in: Oberschlesien 15, 1916/17, S. 352 (P);
    W. Hentrich, Das Denkmal d. Gf. v. Reden, in: Der Anschnitt 6, 1954, S. 7-11 (mit Abb.);
    G. Grundmann, Denkmäler in Schlesien, in: Schlesien 5, 1960, S. 134-35 (mit Abb.);
    I. Wirth, Th. K., Ein Berliner Bildhauer aus Oberschlesien, ebd. 8, 1963, S. 141-50 (mit 10 Abb.);
    V. Essers, Mythol. u. Alltag in d. Plastik d. 19. Jh.: Th. K.s „Bacchantin auf d. Panther“, in: Kunstchronik 28, 1975, S. 93 f.;
    ThB.

  • Portraits

    Relief v. Hesemann, 1838 (ehemals Rauchmus., Berlin), Abb. b. Bimler, s. L.

  • Autor/in

    Volkmar Essers
  • Empfohlene Zitierweise

    Essers, Volkmar, "Kalide, Theodor" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 56-57 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117567302.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kalide: Theodor K., namhafter Bildhauer, ist am 8. Februar 1801 zu Königshütte bei Beuthen in Oberschlesien als der Sohn eines Hütteninspectors geboren. Zunächst dem Berufe des Vaters folgend betrieb er seine Vorstudien in der Eisengießerei zu Gleiwitz. Kleine Modelle, in denen er Begabung für plastische Aufgabe kund gab, gewannen Gottfried Schadow's Theilnahme, der ihn in seiner Werkstatt für die Skulptur auszubilden begann. In Rauch's Atelier beendete er seine Lehrjahre. Anfänglich vom Einflusse des Meisters beherrscht, verließ er später den strengeren Stil zu Gunsten einer von naturalistischer und malerischer Auffassung getragenen Richtung, welche der künstlerischen Gesinnung der Gegenwart nahe liegt.|Talent und Neigung für die Bildung der Thierfigur offenbarte er zunächst durch seinen sterbenden Löwen für das Grabdenkmal Scharnhorst's auf dem Invalidenkirch-Hofe zu Berlin und durch zwei colossale ruhende Hirschgestalten. Als populäres Werk Kalide's ist die in Bronze ausgeführte, im Schloßgarten zu Charlottenburg als Fontäne dienende Gruppe „Der Knabe mit dem Schwan“ hervorzuheben. Die von naiver Frische und Grazie belebte Composition erwarb ihm auf der Ausstellung in London im J. 1851 die Preismedaille und gab Veranlassung zu zahlreichen Nachbildungen. Geringeren Beifall fand die später entstandene Gruppe „Der Knabe kämpfend mit dem Ziegenbock“. Nachdem K. eine große Vase mit Reliefdarstellungen der acht Provinzen Preußens für Friedrich Wilhelm III. modellirt hatte, nahm er einen mehrjährigen Aufenthalt in Italien, wo die Plastik der Renaissance seiner Empfindungsweise wahlverwandter erschien als die Antike. Seine sich steigernde Vorliebe für Energie und Leidenschaft in Form und Bewegung fand ihr Musterbild in Michelangelo's gewaltigen Werken. Als eine Arbeit von kühner realistischer Composition und Ausführung wird die in Königshütte 1853 aufgestellte Statue des Ministers von Reden in Bergmannskostüm gerühmt. Bald nach der Heimkehr aus Italien um 1848 begann K. auch sein vielfach angefeindetes Hauptwerk: „Die Bachantin auf dem Panther“. Die jugendliche, von feuriger Lust und Weinseligkeit durchglühte Mänade ruht rücklings in keckem Uebermuthe auf den Panther hingestreckt, welcher aus der von ihrer Hand dargebotenen Schale schlürft. Der Modellirung und dem Ausdruck des ungezügelten Lebens, mit dem K. den carrarischen Stein zu beseelen verstand, wird der unbefangene, von der Keuschheit des Marmors zugleich gefesselte Blick des modernen Menschen die richtige Würdigung nicht versagen. Das epochemachende Werk, an einzelnen Bruchstellen von Reinh. Vegas ergänzt, hat seit 1878 in der königl. Nationalgallerie zu Berlin eine bleibende Stätte gefunden. Das letzte, doch unbedeutende Werk des Künstlers war eine Madonna mit dem Kinde. K. starb K. plötzlich am Schlagfluß den 26. August 1863 auf einer Besuchsreise in seiner Heimath. Er war Professor und Mitglied der Akademie der Künste in Berlin.

  • Autor/in

    v. Donop.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kürschner, Joseph, "Kalide, Theodor" in: Allgemeine Deutsche Biographie 15 (1882), S. 22-24 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117567302.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA