Lebensdaten
1852 bis 1904
Geburtsort
Zielenzig (Neumark)
Sterbeort
Sellin (Insel Rügen)
Beruf/Funktion
Afrikaforscher
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117555045 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kund, Richard

Quellen(nachweise)

Porträt(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel
Personen in der GND - familiäre Beziehungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Kund, Richard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117555045.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    (⚮) N. N.

  • Leben

    Von Beruf Offizier im preuß. Infanterie-Rgt. Nr. 17 (1888 Hauptmann, 1899 Major), war K. ein bedeutender Forschungsreisender seiner Zeit. Zunächst hervorragend an der Entschleierung des Kongobeckens beteiligt, erwarb er sich dann vor allem große Verdienste um die Erschließung Kameruns. – Im Auftrage der Deutschen Afrikan. Gesellschaft führte K. zusammen mit dem ebenfalls 1884 abkommandierten Regimentskameraden Lt. Hans Tappenbeck (1861–89) eine Expedition zur Erkundung der Gebiete ost- und südostwärts des Stanley Pool durch. Deren Ergebnisse und die daraus gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse waren für die weitere Aufklärung des Kongobeckens wertvoll. Von W. v. Wißmann wurde die Leistung dieser Expedition, mit der er 1886, bei ihrer Rückkehr, zu Beginn seiner 2. Durchquerung Äquatorialafrikas (1886/87) auf dem Marsch zum Stanley Pool zusammentraf, gewürdigt. – Obwohl noch unter den Folgen einer am Kassai erlittenen Verwundung leidend, ging K. im Aug. 1887 wieder nach Afrika, dieses Mal für die deutsche Regierung, um eine Expedition von der Batanga-Küste (Südkamerun) ins Innere zu führen und eine Station als Basis zur weiteren Erkundung und nachfolgenden Erschließung des Hinterlandes des Deutschen Schutzgebietes anzulegen. Diese „Batanga-Expedition“, der wiederum Tappenbeck sowie der Botaniker Braun und der Zoologe Weißenborn angehörten, erreichte im Jan. 1888 unter großen Schwierigkeiten den Sanaga; K. und seine deutschen Begleiter waren die ersten Europäer, denen der Durchstoß durch den Urwaldgürtel und die Überschreitung des Njong gelungen war. Wegen schwerer Ausfälle mußte die Expedition unter großen Strapazen zur Küste zurückkehren. Seit Jan. 1889 erfolgte unter K.s Führung eine erneute Urwalddurchquerung. Sie führte im Februar zur Anlage der Station Jaunde (heute Hauptstadt der Republik Kamerun), von der aus Tappenbeck geographische und völkerrechtliche Erkundungen betrieb. Wegen Erkrankung mußten außer Braun die anderen zur Küste zurück, wo Weißenborn im Februar und Tappenbeck im Juli 1889 starben, während K. schon im März zur Genesung nach Deutschland ging. Auf die Nachricht vom Tode Tappenbecks reiste er noch als Kranker nach Kamerun zurück, wo er mit dem Premierlt. Kurt Morgen (später General) – der die Aufgaben Tappenbecks zu übernehmen hatte – zusammentraf. Beim Aufbruch zu einer neuen Entdeckungsfahrt ins Innere brach K. jedoch in Kribi zusammen: Er hatte seine physischen Kräfte völlig überschätzt. Im Okt. 1889 kehrte er nach Deutschland zurück, im März 1890 wurde er von seinem Kommando zum Auswärtigen Amt entbunden und zum Großen Generalstab versetzt, im Mai 1891 nahm er seinen Abschied und starb nach langem Siechtum. In die weitere Erschließung Kameruns hat er kaum noch eingreifen können, dennoch beruhte auch der Erfolg der Expedition Morgens auf den ihm noch von K. übermittelten Erfahrungen und auf den Pionierleistungen von K. und Tappenbeck. K.s Berichte (in: Mitt. a. d. Dt. Schutzgebieten, I-III, 1888–90) bildeten eine wichtige wissenschaftliche Quelle zur weiteren Forschung und Landeskunde, heute sind sie wertvoll als historische Quelle aus der Frühzeit der deutschen Schutzherrschaft in Kamerun.

  • Auszeichnungen

  • Literatur

    H. v. Wißmann, Meine zweite Durchquerung Äquatorialafrikas, 1891, 1922;
    K. Morgen, Durch Kamerun v. Süd nach Nord, 1893;
    K. Hassert, Dtld.s Kolonien, 1899;
    G. Pohlmann, Die Gesch. d. Inf.-Rgt.s Gf. Barfuß (4. Westfäl.) Nr. 17 im 19. Jh., 1906;
    S. Passarge, Die Gesch. d. Erforschung u. Eroberung Kameruns, in: Zs. f. Kolonialpol. 19, 1908;
    ders., Kamerun, in: Meyer, Das dt. Kolonialreich I, 1910;
    F. Thorbecke, Im Hochland v. Mittelkamerun, 4 T. in 3 Bdn., 1914-24.

  • Autor/in

    Günther Jantzen
  • Empfohlene Zitierweise

    Jantzen, Günther, "Kund, Richard" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 288 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117555045.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA