• Genealogie

    V Konrad (1825–1902), Schlossermeister, S d. Schlossermeisters Heinrich in E. u. d. Justine Dor. Busse;
    M Joh. Marie (1833–1917), T d. Bäckermeisters Joh. Rössing in Eime u. d. Elisabeth Halberstadt; ledig.

  • Leben

    Nach einjähriger Lehrzeit in der väterlichen Schlosserwerkstatt besuchte K. für kurze Zeit eine Privatschule in Elze und seit 1873 die Gewerbeschule in Hildesheim. Nach dem Abitur (1876) war er zunächst als Hauslehrer tätig und bezog 1877 das Polytechnikum (seit 1879 TH) Berlin, an dem er 1882 die Prüfung für das Lehramt in Mathematik und Mechanik an Gewerbeschulen ablegte. Statt nun eine entsprechende Stellung anzunehmen, arbeitete er 1882-84 als Rechner im Kaiserl. Statistischen Amt und wurde 1883 mit der Arbeit „Die geodätische Linie des Sphäroids und Untersuchungen darüber, wenn dieselbe aufhört, die kürzeste zu sein“ in Tübingen zum Dr. phil. promoviert. 1884 trat er als Assistent in das Preuß. Geodätische Institut (bis 1892 in Berlin, Genthiner Str., dann in Potsdam) ein, dem er bis zu seiner Pensionierung 1922 angehörte; 1897 wurde er Abteilungsvorsteher und Professor, 1917-22 kommissarischer Direktor des Instituts. K. erhielt mannigfache Aufgaben an diesem hauptsächlich der wissenschaftlichen Forschung gewidmeten, von R. Helmert 1886-1917 geleiteten Institut, in dem sich bis 1918 auch das „Centralbureau der Internat. Erdmessung“ befand. Zunächst waren es vor allem Fragen der Erdfigur, die ihn in Zusammenarbeit mit Helmert beschäftigten. Um die Jahrhundertwende folgten Arbeiten zur Weiterentwicklung der konformen Abbildung von Gauß, der die von ihm bei Messungsarbeiten erstmals angewandte Abbildungsart nicht mehr hatte abschließen können. Diese Lücke hatte schon Oskar Schreiber 1866 mit seiner Arbeit „Theorie der Projektionsmethode der hannov. Landesvermessung“ zu schließen begonnen, womit er bei den Geodäten Aufsehen erregte, war doch die Gauß'sche Abbildungsart weitgehend unbekannt geblieben.

    Den entscheidenden Anstoß zur intensiven Beschäftigung mit C. F. Gauß und seinen Arbeiten erhielt K. 1900, als er von der Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen mit der Bearbeitung von Gauß' Werken, insbesondere von dessen geodätischem Nachlaß, betraut wurde. Aus seiner rastlosen Beschäftigung mit diesem Gegenstand ging 1903 Bd. IX von Gauß' Werken und 1912 die Arbeit „Konforme Abbildung des Erdellipsoids in der Ebene“ hervor, in der die Gaußschen Formeln neu abgeleitet, wesentlich erweitert und die Eigenschaften dieser Abbildungsart umfassend untersucht wurden. Ein Kunstgriff K.s gewann dabei besondere Bedeutung, nämlich die Einteilung der Erde in 3° (heute 6°) breite Merdianstreifen Dadurch wurde eine nahtlose Anwendung der Abbildung erzielt, und die für einen Streifen entwickelten Tafelwerke wurden infolge der Kongruenz der einzelnen Streifen nun für alle benutzbar. Die Gauß-Krügersche Abbildung hat weltweite Bedeutung erlangt.|

  • Auszeichnungen

    Geh. Reg.rat. (1913); Mitgl. Leopoldina (Vorst. i. d. Sekt. f. Math. u. Astron., 1917); Ges. d. Wiss. Göttingen (1918); Dr.-Ing. E.h. (Berlin 1921).

  • Werke

    u. a. Zur Ausgleichung der Widersprüche in d. Winkelbedingungsgleichungen trigometrischer Netze, 1908;
    Zur stereograph. Projektion, 1922.

  • Literatur

    A. Galle, in: Zs. f. Vermessungswesen 52, 1923, S. 281 (W);
    ders., in: Astronom. Nachrr. 219, 1923 (W);
    Österr. Zs. f. Vermessungswesen 21, 1923;
    K. Haussmann, in: Jber. d. Dt. Math. Ver. 34, 1925 (W);
    E. Harbert, I. Rowold, in: Schrr.-R. d. Kulturausschusses Elze (Hann.), H. 2, 1957 (W, P);
    P. Kaspereit, Nachrichten d. Niedersächs. Vermessungs- u. Katasterverwaltg. 7, 1957, S. 122 f.;
    Th. Gerardy, C. F. Gauß u. L. K., in: Festschr. d. Gauß-Krüger-Schule in Elze, 1959, S. 19-23 (P);
    Pogg. IV-VI.

  • Autor/in

    Theo Gerardy
  • Empfohlene Zitierweise

    Gerardy, Theo, "Krüger, Louis" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 106 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117550590.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA