Lebensdaten
1775 bis 1859
Geburtsort
Lucca (Toskana)
Sterbeort
Hietzing bei Wien
Beruf/Funktion
Mediziner
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117540757 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Malfatti von Monteregio, Johann
  • Monteregio, Johann Malfatti Edler von
  • Malfatti, Johann (bis 1837)
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Zitierweise

Malfatti von Monteregio, Johann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117540757.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Alexander M., Kaufm. in L.;
    M Anna Fornagieri; Verwandte Joh. Baptist M. v. Rohrenbach u. Dezza (österr. Adel 1785, 1735/37-1808), 1772-86 Gen.dir. d. Vorderösterr. Lotterie in Freiburg, dann Inh. e. Florfabrik u. Teilh. an d. Seidenfabriken Bayer u. Codecasa in W., Franz M. (1741 - v. 1808), Dir. d. Smitner-Handlung in W.;
    - Wien 1821 Helene Gfn. Ostrowska (1794–1826);
    2 T.

  • Leben

    Nachdem M. in Bologna unter Luigi Galvani, der Versuche auf dem Gebiet der „Muskelelektrizität“ unternahm, Anatomie studiert hatte, kam er nach Pavia, wo Johann Peter Frank lehrte. Als dieser 1795 nach Wien berufen wurde, folgte ihm M. Hier erhielt er 1797 das medizinische Doktordiplom und arbeitete dann mehrere Jahre unentgeltlich als Sekundararzt bei Frank und dessen Sohn Joseph, um sich darauf einer Privatpraxis zu widmen, die bald einen außergewöhnlich guten Ruf hatte. Er wurde Leibarzt der Erzhzgn. Beatrice d'Este und behandelte andere Mitglieder des Kaiserhauses, wie den Herzog von Reichstadt. Auch Beethoven stand er in seiner Todeskrankheit bei. Während seiner Zeit als Sekundararzt veröffentlichte M. mehrere Abhandlungen in deutschen und ital. Journalen, z. B. über eine Scharlachfieberepidemie und die Pockenimpfung bei Pferden. 1802 gründete er mit einer Gruppe von Freunden – alle Anhänger des Brownianismus – eine Gesellschaft praktischer Ärzte, die seit 1804 einmal wöchentlich in seiner Wohnung in der Himmelpfortgasse diskutierte. Diese Vereinigung war die Vorläuferin der 1837 gegründeten „K. k. Gesellschaft der Ärzte in Wien“, deren erster Präsident M. wurde. Bei der Eröffnungssitzung (24.3.1838) hielt er den Festvortrag, in welchem er die alten Traditionen und die ihm nahestehende naturphilosophische Schule pries, aber der unter Carl v. Rokitanskys Führung stehenden sog. pathologisch-anatomischen Richtung der Medizin nicht gerecht wurde. Da er keinen Anschluß an die neue medizinische Schule fand, legte er 1841 das Präsidentenamt nieder und trat auch aus der Gesellschaft aus. 1845 wurde er zu deren Ehrenmitglied gewählt.

    M.s Schriften sind durch seine naturphilosophischen Neigungen beeinflußt, von seinen Freunden Schelling, Troxler, Oken und Hufeland geprägt. Sein erstes Werk, der „Entwurf einer Pathogenie aus der Evolution und Revolution des Lebens“ (1809), brachte ihm den Ruf eines bedeutenden Naturphilosophen ein. Er untersucht darin die Krankheiten in ihrem Verhältnis zu den Altersstufen. Dieses Werk gilt als eines der wichtigsten der Wiener naturphilosophischen Schule. Sein zweites Buch, die „Anarchie und Hierarchie des Wissens“, ist wegen seiner Zahlenmystik kaum verständlich und wurde bei seinem Erscheinen (1845) gar nicht beachtet. Daß M. über eine gute klinische Beobachtungsgabe verfügte, zeigen seine Studien über die Tuberkulose, in denen er schon auf deren Verwandtschaft mit den Skrofeln hinwies. Im Alter beschäftigte er sich mit Agrikultur. M. erwarb sich um einige österr. Heilbäder große Verdienste, so um Bad Ischl, das ihn zum Ehrenbürger ernannte.

  • Werke

    Weitere W u. a. Entwurf e. Pathogenie aus d. Evolution u. Rev. d. Lebens, 1809;
    Rede b. d. Gelegenheit d. feierl. Eröffnung d. Stiftungstages d. Ges. d. Ärzte in Wien, in: Verhh. d. K. k. Ges. d. Ärzte, 1842, S. 101-08;
    Stud. üb. Anarchie u. Hierarchie d. Wissens mit bes. Beziehung auf d. Med., 1845;
    Neue Heilversuche: 1. Gelungene Vertilgung d. grauen Staares durch e. neue äußere Heilmethode usw., 2. Häufige Entstehung d. schwarzen Staares aus d. Raphragma, 1847;
    Berr. üb. d. 2 jahrgünstigen Versuche z. Ergründung u. Beseitigung d. Kartoffelkrankheit, 1853. -
    Übers.: A. Scarpa, Chirurg. Abh. üb. d. angebornen krummen Füsse d. Kinder, u. üb. d. Art diese Ungestaltheit zu verbessern, 1804.

  • Literatur

    ADB 20;
    S. Ghinopoulo, Interessante Alt-Wiener Ärztegestalten, T. 2, 2, in: Reichspost v. 27.1. u. 17.3.1929;
    B. Pincherle, in: Wiener Med. Wschr. 80, 1930, S. 1120-22;
    ders., Giovanni M., medico di Beethoven e del Duca di Reichstadt, in: Bolletino dell'Istituto Italiano dell'Arte Sanitaria 30, fasc. 1, 1931;
    I. Fischer, Gesch. d. Ges. d. Ärzte in Wien 1837-1937, 1938;
    E. Lesky, Die Wiener Med. Schule im 19. Jh., 21978, S. 101 f.;
    S. Albrecht, Leben u. Werk v. J. M., Edler v. M., med. Diss. Heidelberg 1974;
    S. Brandenburg, Der Freundeskreis d. Fam. M. in Wien, gez. v. J. Schnorr v. Carolsfeld, = J.gabe d. Ver. Beethoven-Haus, H. 4, 1985;
    Wurzbach 16;
    BLÄ;
    ÖBL.

  • Portraits

    Gem. (Altersbild) (Inst. f. Gesch. d. Med. d. Univ. Wien);
    Phot. e. Gem. (ebd.).

  • Autor/in

    Manfred Skopec
  • Empfohlene Zitierweise

    Skopec, Manfred, "Malfatti von Monteregio, Johann" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 730-731 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117540757.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Malfatti: Giovanni M., Edler von Monteregio, Arzt, ist 1775 in Lucca geboren. Er hatte zuerst in Bologna unter Galvani, später in Wien unter Peter Frank Medicin studirt und hier im J. 1798 die Doctorwürde erlangt. Einige Jahre bekleidete er die Stelle eines Secundärarztes im allgemeinen Krankenhause in Wien, legte dieselbe aber 1804, als Frank mit seinem Sohne nach Wilna übersiedelte, nieder. Als Privatarzt erwarb sich M. schnell ein allgemeines Vertrauen im Wiener Publikum, namentlich in den höheren und höchsten|diplomatischen Kreisen, 1810 wurde er zum Leibarzte der Erzherzogin Beatrix de Este und 1837 in Anerkennung seiner ärztlichen Leistungen in der vornehmen Welt Wiens in den österreichischen Adelstand erhoben und mit dem Prädikate „Edler von Monteregio“ ausgezeichnet. In eben diesem Jahre gelang es ihm, einen lange gehegten Plan — die Begründung einer ärztlichen Gesellschaft in Wien — zur Ausführung zu bringen; unter seiner Mitwirkung constituirte sich die k. k. Gesellschaft der Aerzte in Wien und M. wurde zum Präsidenten derselben erwählt. — Später, als seine Kräfte abnahmen und seine Gesundheit zu leiden anfing, zog sich M. in das Privatleben auf seine Villa bei Hitzing zurück und hier ist er am 12. September 1859 in einem Alter von 84 Jahren an einem organischen Herzleiden gestorben. — Malfatti's Ruf gründet sich auf sein gewandtes, feines, „cavaliermäßiges" Wesen, mit welchem er seine vornehmen Clienten fesselte, wie es scheint, auch auf seine ärztliche Kunst, jedenfalls nicht auf seine litterarischen Leistungen, welche, und zwar auch die neueren, einer längst vergangenen, glücklich überwundenen Episode aus der Geschichte der Naturwissenschaften angehören. — Außer einigen Journalartikeln, welche in Röschlaub's Magazin der Heilkunde, in Hufeland's Journal und im Wiener Gesundheitstaschenbuche erschienen sind, hat er im J. 1809 einen „Entwurf einer Pathogenie aus der Evolution und Revolution des Lebens", wesentlich nach Troxler'schen Ideen bearbeitet (die Grundverfassung des Lebens besteht in einer gegenseitigen Beseelung des Leibes durch die Seele und der Seele durch den Leib — der Organismus ist der unendlich endliche Wendepunkt des Unendlichen und Endlichen, daraus resultirt einerseits ein dynamischer Kreislauf und andererseits ein organischer Gliederbau etc.), ferner 1845 „Studien über Anarchie und Hierarchie des Wissens, mit besonderer Beziehung auf die Medicin“, eine mystische Bilder- und Jahlensymbolik, mit welcher er sich über alles Irdische in phantastische Regionen erhebt, in welche der gewöhnliche Menschenverstand ihm nicht mehr zu folgen vermag, und endlich 1847 „Neue Heilversuche und gelungene Vertilgung des grauen Staars durch eine neue äußere Heilmethode etc.“ veröffentlicht.

    • Literatur

      Ueber M.'s Leben vgl. v. Wurzbach XVI. 327.

  • Autor/in

    A. Hirsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hirsch, August, "Malfatti von Monteregio, Johann" in: Allgemeine Deutsche Biographie 20 (1884), S. 138-139 unter Malfatti, Giovanni [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117540757.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA