Lebensdaten
1821 bis 1897
Geburtsort
Minden (Westfalen)
Sterbeort
Bochum
Beruf/Funktion
Industrieller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117534501 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Baare, Louis

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Zitierweise

Baare, Louis, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117534501.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich August Baare, Tabakfabrikant und Spediteur;
    1) Alwine Hönemann ( 1850), 2) Helene Johanna André;
    2 S aus 1), 5 S aus 2), u. a. Friedrich Baare (1855–1917), Generaldirektor des Bochumer Vereins für Gußstahlfabrikation; 3 T.

  • Leben

    Der Vater hatte in Minden ein Speditionsgeschäft betrieben. Da er bei seinem Tode die Familie in drückenden materiellen Verhältnissen zurückgelassen hatte, mußte der Sohn den Besuch des Gymnasiums vorzeitig abbrechen, um einen praktischen Beruf zu ergreifen. 1854 leitete er in Bremen in Verbindung mit der dortigen Handelskammer ein Amt für Zollangelegenheiten, als er zum Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation berufen wurde.

    Innerhalb des Bochumer Vereins war der aus Schwaben zugewanderte Jakob Mayer der führende Techniker. Ihm war auf eigenen Wegen die Herstellung des kostbaren Tiegelstahls gelungen, womit er zum ernstesten Konkurrenten von Alfred Krupp geworden war. Vor allem aber ist er mit der Erfindung des Stahlformgusses in die Geschichte der Stahlwerke eingegangen. Dennoch war die von ihm 1842 in Bochum errichtete Gußstahlfabrik in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Sie wurde daher 1854 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und ihre Gesamtleitung ward dem damals 33jährigen B. übertragen.

    Vier Jahrzehnte hat B. alsdann an der Spitze des Unternehmens gestanden und es zu einem der größten und bestfundierten Werke der rheinisch-westfälischen Eisen- und Stahlindustrie entwickelt, dessen besonderes Kennzeichen auch weiterhin die Erzeugung von Qualitätsmaterial blieb. Die Werksanlagen erfuhren einen konsequenten Ausbau. Durch den Erwerb von Kohlenzechen und Erzgruben wurde seine Rohstoffbasis gesichert. Neben dem Tiegelstahl wurde schrittweise die Erzeugung von Thomasstahl und Siemens-Martin-Stahl aufgenommen. Den Stahlwerken wurden seit 1876 eigene Hochöfen vorgeschaltet, andererseits aber die Formgebung des Stahls in Walz-, Hammer-, Schmiede- und Preßwerken erweitert. Hauptprodukte waren rollendes Eisenbahnmaterial, Schienen, zeitweise auch Kanonenrohre und vor allem die vielgestaltigen Ergebnisse des Stahlformgusses. Damit stieg die Belegschaft unter B.s Aegide von 300 auf 9000 Mann an.

    Viele Faktoren haben hierzu beigetragen, und das technische Niveau des Bochumer Vereins ist auch nach dem 1875 erfolgten Tode von Jakob Mayer auf der Höhe der Zeit erhalten geblieben. Die Bedeutung von B. aber lag darin, daß alle Leistungen dieses Großbetriebes, seien sie kaufmännischer, betrieblicher, finanzieller und sonstwelcher Art, an der Spitze an der er stand, zusammenflossen. So hat er dem Titel des „Generaldirektors“, den er führte, einen Inhalt gegeben, der im ganzen Revier vorbildlich geworden ist.

    In persönlicher Hinsicht war B. ein Mensch, der in hohem Maß Klugheit mit Besonnenheit verband. Ein starkes Temperament war durch eine noch stärkere Energie gebändigt. Sein auf Autorität gerichteter Sinn machte ihn zu einem scharfen Gegner der Sozialdemokratie, führte ihn aber desto mehr dazu, durch praktische Sozialpolitik zum Ausgleich der sozialen Spannungen beizutragen, sowohl innerhalb des Bochumer Vereins und hier vor|allem durch großzügige Anlage von Arbeiterwohnungen, wie im Staatsganzen, wofür auf seine Mitwirkung beim Ausbau der Sozialversicherung gegen Ende der 1870er Jahre verwiesen sei, innerhalb deren sich Bismarck seines Rates und seiner praktischen Erfahrungen bei den Vorarbeiten für die Reichsunfallversicherung bediente.

    Überhaupt war für B. auch dieses kennzeichnend, daß er, anders als viele seinesgleichen, sich im öffentlichen Leben betätigte. Er war einer der Führer der rheinisch-westfälischen Industrie im Kampf um Schutzzölle, was ihn abermals in Verbindung mit Bismarck brachte. Er gehörte zahlreichen Gremien der wirtschaftlichen Selbstverwaltung an, war, allerdings nur kurze Zeit, Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses, wurde in den Volkswirtschaftsrat und 1884 in den preußischen Staatsrat berufen.

  • Literatur

    Protokolle üb. d. Vernehmung d. Sachverständigen durch d. Eisen-Enquête Komm., 1878;
    Festschr. d. Handelskammer Bochum. 1906;
    P. Küppers, L. B., in: Rhein.-Westfäl. Wirtschaftsbiogr. I, 1931;
    W. Däbritz, Bochumer Ver. f. Bergbau u. Gußstahlfabrikation, 1934;
    W. Bacmeister, L. B., Ein westfäl. Wirtschaftsführer aus d. Bismarckzeit, 1937 (P); für S Friedr. B.:
    E. v. Mutius, in: DBJ Überleitungsbd. II, S. 3-8 (u. Totenliste 1917, L).

  • Autor/in

    Walther Däbritz
  • Empfohlene Zitierweise

    Däbritz, Walter, "Baare, Louis" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 477 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117534501.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA