Lebensdaten
1796 bis 1825
Sterbeort
Massaua am Roten Meer
Beruf/Funktion
Zoologe ; Forschungsreisender
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117516376 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hemprich, Wilhelm Friedrich
  • Hemprich, Friedrich Wilhelm
  • Hemprich, Wilhelm Friedrich
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Zitierweise

Hemprich, Friedrich Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117516376.html [12.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V N. N. ( 1818), Kreis-Chirurg in G.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasiums in Glatz begleitete H., von seinem Vater in die Heilkunde eingeführt, bereits als Wundarzt das Heer, begann 1814 mit dem Medizinstudium in Breslau, ging 1815 wieder als Armee-Chirurgus nach Frankreich und studierte 1817-18 Medizin in Berlin, wo er die Doktorwürde erlangte. 1819 habilitierte er sich an der Berliner Universität für Vergleichende Physiologie und wirkte gleichzeitig als Lehrer der Physik im Kadetten-Korps. Nebenher beschäftigte er sich im Zoologischen Museum unter Anleitung von H. Lichtenstein mit Amphibien und Reptilien. 1820 wurden H. und sein fast gleichaltriger Freund Ch. G. Ehrenberg dem General M. von Minutoli zu dessen archäologischer Reise nach Ägypten und benachbarten Ländern als Naturforscher beigegeben. Schon nach kurzer Zeit trennten sich die Freunde von Minutoli und folgten allein dem ihnen vorgeschriebenen Reiseplan. Unter teilweise höchst entbehrungsreichen und materiell unzureichenden Bedingungen bereisten sie die Libysche Wüste, Ägypten, Nubien, Sinai, Libanon und die arabisch und abessin. Küsten des Roten Meeres, wo H. in Massaua einer Malaria erlag. Ungebrochen von den zahllosen Hemmnissen dieser 5jährigen Forschungsreise blieb bei beiden die Begeisterung für die Naturforschung, vor allem das Studium und „Sammeln“ der Tier- und Pflanzenwelt. So brachten sie ein außerordentlich umfangreiches Material zusammen, außer den Gesteinsproben und Pflanzen 34 000 Tiere in 3987 Arten. H.s Name lebt weiter in mehreren gewichtigen Veröffentlichungen, die meist erst nach seinem Tode unter seinem und Ehrenbergs Namen erschienen sind. Eine einzige, seinen „Grundriß der Naturgeschichte“ (1820, 21829, bearbeitet von H. G. L. Reichenbach), hat er erlebt. Eine offenbar sehr sorgfältige Übersicht der Amphibien und Reptilien hat er vor seiner Abreise „Herrn Fitzinger in Wien zur gemeinschaftlichen Herausgabe“ (Humboldt) überlassen. Sie erschien ein Jahr nach seinem Tode, jedoch allein unter Leopold Josef Fitzingers|(1802-84, s. Literatur) Namen, genauso wie Lichtenstein (1823) die Ergebnisse H.s vorzeitig allein veröffentlichte.

  • Werke

    Weitere W Amphisbaenarum generis novas species duas descripsit, in: Verhh. d. Ges. naturforsch. Freunde in Berlin 1, 1829, S. 129 f.;
    Cöcilia, Ophidiorum genus …, ebd., S. 284-96;
    Vorläufige Übersicht d. in Nord-Afrika u. West-Asien einheim. Scorpione u. deren geogr. Verbreitung, ebd., S. 348-62 (mit Ch. G. Ehrenberg);
    Beobachtungen üb. d. Affenarten in Sennaar, Cordofan u. Arabien, ebd., S. 406-08 (mit dems.);
    Reisen in Ägypten, Libyen, Nubien u. Dongola, 1828 (mit dems.);
    Symbolae physicae, Pars zool., 11 Lieferungen, 1828-99 (mit dems.).

  • Literatur

    ADB XI;
    H. Lichtenstein, Verz. d. Doubletten d. Zoolog. Mus. d. Kgl. Univ. zu Berlin, 1823;
    ders., Tod d. Dr. H. in Afrika, in: Hertha, Geogr. Ztg. 3, 1825, S. 127-31;
    A. v. Humboldt u. a., Ber. üb. d. naturhist. Reisen d. Herren Ehrenberg u. H., ebd. 9, 1827, S. 73-92;
    L. J. Fitzinger, Neue Classification d. Reptilien, nach ihren natürl. Verwandtschaften, 1826;
    E. Stresemann, H. u. Ehrenberg, Reisen zweier naturforsch. Freunde im Orient geschildert in ihren Briefen a. d. J. 1819–26, in: Abhh. d. Dt. Ak. d. Wiss. Berlin, Kl. Math. u. allg. Naturwiss., 1954, Nr. 1;
    ders., H. u. Ehrenberg z. Gedenken, Ihre Reise z. Libanon im Sommer 1824 u. deren ornitholog. Ergebnisse, in: Journal f. Ornithol. 103, 1962, S. 380-87;
    NND III, S. 774-93. - Zu L. J. Fitzinger: ÖBL.

  • Autor/in

    Robert Mertens
  • Empfohlene Zitierweise

    Mertens, Robert, "Hemprich, Friedrich Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 514 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117516376.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hemprich: Wilhelm Friedrich H., thierkundiger Forschungsreisender, geb. 24. Juni 1796 zu Glatz, empfing seine erste Bildung auf dem Gymnasium seiner Vaterstadt, trat schon 1813 als Compagnie-Chirurgus bei der Artillerie ein, studierte dann 1814 in Breslau, ging aber 1815 neuerdings in gleicher Stellung mit der Armee nach Frankreich, von wo er erst 1817 zurückkehrte. 1817 und 1818 studierte er in Berlin Medicin, legte im letzteren Jahre seine ärztlichen Staatsprüfungen ab, habilitirte sich 1819 in Berlin für vergleichende Physiologie und wurde in demselben Jahre Lehrer der Physik am Cadettencorps. Gleichzeitig unterstützte er Lichtenstein im Bestimmen von Naturalien und schrieb eine „Naturgeschichte für höhere Lehranstalten“. Als Generallieutenant Menu von Minutoli 1820 die Kaiserl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin anging, ihn auf seiner Reise nach Egypten durch zwei junge Gelehrte begleiten zu lassen, wurde neben Ehrenberg dessen Freund H. dazu bestimmt. Beide hatten sich in erster Linie thierkundliche Studien vorgesetzt und H. vorzüglich die höheren, Ehrenberg die niederen Thiere zum Ziel ihrer Untersuchungen gewählt. H. hatte sich noch die besondere Aufgabe gestellt, das Material zu einer systematischen Uebersicht der Amphibien, die er nach der reichen Sammlung des Berliner Museums entworfen, vergleichend zu vervollständigen, mußte aber wegen beschleunigter Abreise den Entwurf dieser Uebersicht unvollendet zurücklassen. Er übergab sie dem mit einer gleichen Arbeit beschäftigten Fitzinger, in dessen bekanntem System der Amphibien sie dann ihre Verwendung fand. Die Reisenden verließen im August 1820 Triest, bereisten vom October bis December desselben Jahres die libysche Wüste, im März 1821 das Fajum und traten im October desselben Jahres eine Reise nach Dongola an, das sie im Februar 1822 erreichten und wo sie mit Sammlung von Naturgegenständen, vorzüglich höheren Thieren, sich beschäftigten. Im Winter 1822/23 kehrte H. und bald nach ihm auch Ehrenberg nach Egypten zurück. Sie beschäftigten sich mit Forschungen im Delta- und Sinai-Gebiete und H. lehnte in der Erwartung baldiger Rückkehr nach Europa ein Anerbieten ab, als zweiter Arzt des Pascha in Kairo zu verbleiben. Im Frühling 1824 machten die Freunde eine Reise nach Syrien, auf welcher H. bei einem Ausfluge in den Libanon von einer Giftschlange (Lachesis Libanotica) gebissen wurde. Im November desselben Jahres traten sie, von der Berliner Akademie der Wissenschaften neuerdings mit Geld versehen, eine Reise nach Abessinien an. In H., welcher von dem Schlangenbiß rasch wieder hergestellt worden, war doch eine Schwäche zurückgeblieben, die ihn schon in Dschidda aufs Krankenlager warf und ihm nach neuerlichen Anstrengungen (Erforschung der Derwan-Berge und der Insel Farsan) ein Wechselfieber zuzog,|dem er am 30. Juni 1825 in Massaua erlag. — Die Arbeiten Hemprichs sind mit denen von Ehrenberg in den Veröffentlichungen des Letzteren über die gemeinsame Reise ganz verschmolzen. Wie der Letztere selbst in der Vorrede zu Bd. I. der Symbolae Physicae (Berlin 1828) sagt: Nulla nobis, nec studiorum, nec scriptorum alienatio disjunctioque consulto fuit. Saepe quam descriptionem notamve inceperit unus ad finem alter perduxit ... Anatomiam ubi conjuncti fuimus, saepissime ambo fecimus, secante uno, scribente altero, alternis pro lubitu vicibus. Von der Vorbereitung, die er zur Lösung der großen und schönen Aufgaben mitbrachte, welche die afrikanische Reise ihm stellte, kann die Hochachtung zeugen, welche Naturforscher wie Lichtenstein, Ehrenberg und Fitzinger für ihn hegten. Auch sein oben erwähntes Lehrbuch „Naturgeschichte für höhere Lehranstalten“ und seine Dissertation wurden von Fachmännern geschätzt. Für einen Reisenden in tropischen Klimaten war seine schon in den Kriegsjahren 1813—15 geschwächte Gesundheit nicht ausdauernd genug, aber er hat nach dem Zeugniß seiner Mitreisenden und besonders Ehrenbergs, durch Festigkeit des Willens und äußerste Mäßigkeit ersetzt, was seinem Körper an Widerstandskraft abging. Die Gediegenheit seines Charakters und seine große geistige Begabung, besonders nach der Seite des Gedächtnisses, werden von diesem seinem Genossen in beredten Worten gepriesen.

    • Literatur

      Neuer Nekrolog d. D. für 1825. Ehrenberg, Naturgeschichtliche Reisen durch Nordafrika und Westasien 1820—25 von H. und Ehrenberg. Bd. I. Abth. I. Berlin 1828 (unvollendet, bloß das erste Jahr der Reise umfassend). Ehrenbergs Vorrede zu den Symbolae physicae seu Icones et Descriptiones corporum naturalium novorum aut minus cognitorum quae ex itineribus per Libyam, Aegyptum, Nubiam, Dongaliam, Syriam, Arabiam et Habessiniam H. et Ehrenberg studio annis 1820—25 redierunt (Berlin 1828—45.)

  • Autor/in

    Ratzel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Ratzel, Friedrich, "Hemprich, Friedrich Wilhelm" in: Allgemeine Deutsche Biographie 11 (1880), S. 728-729 unter Hemprich, Wilhelm Friedrich [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117516376.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA