Lebensdaten
1850 bis 1926
Geburtsort
Kassel
Sterbeort
Berlin-Charlottenburg
Beruf/Funktion
preußischer General und Kriegsminister ; Präsident des Kyffhäuser-Bundes
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117509760 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Heeringen, Josias Oskar Otto von
  • Heeringen, Josias von
  • Heeringen, Josias Oskar Otto von
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Zitierweise

Heeringen, Josias von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117509760.html [14.08.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Josias v. H. (1809-85), kurhess. Oberhofmarschall u. Theaterintendant, dann Chef d. Verwaltung d. Hess. Fideikommisses, preuß. Schloßhauptm. v. Wilhelmshöhe, S d. waldeck. Obersten Karl Aug. v. H. gen. Hollenstädt (1766–1813) u. d. Marie Henr. Holefeld;
    M Karoline (1817–71), T d. kurhess. Oberforstdir. Gg. Wilh. v. Starkloff (1770–1828) u. d. Susette Marg. Kunckel v. Loewenstein;
    B August (1855–1927), Admiral (s. Wi. 1928);
    - Wiesbaden 1874 Auguste (1853–1942), T d. Casimir v. Dewall (1811–95), preuß. Gen.-Lt. (s. Priesdorff VII, S. 138 f.), u. d. Marie Zimmermann;
    4 S, 2 T.

  • Leben

    Hervorgegangen aus einem der in die preußische Armee eingegliederten kurhessischen Regimenter (Eintritt 1867), gelangte H. nach Teilnahme am Kriege 1870/71 über die Adjutantenlaufbahn in den Generalstab. Je drei Jahre (1887–90 und 1892-95) war er als Referent im preußischen Kriegsministerium beziehungsweise als Abteilungschef im Generalstab tätig. 1898 wurde er Generalmajor und Direktor des Armee-Verwaltungs-Departements im Kriegsministerium, übernahm 1903 die 22. Division und 1906 als General der Infanterie das Kommando über das II. Armeekorps in Stettin.

    Im September 1909 wurde H. zum preußischen Kriegsminister ernannt. In dieser Stellung behielt er zunächst die von seinen Vorgängern von Goßler und von Einem vertretene Auffassung bei, daß die Heeresstärke entsprechend den Wünschen des Generalstabes nicht zu schnell und zu intensiv vergrößert werden dürfe, sondern das Schwergewicht reformerischer Bestrebungen mehr auf die technische Vervollkommnung der Armee und die Qualität der Ausbildung zu legen sei. Er paßte sich auch der Spartendenz im Zuge der Reichsfinanzreform von 1909 an, rückte aber dann, beeindruckt von der verschlechterten außenpolitischen Lage des Reiches, 1910 und 1911 merklich von dem bisherigen Elitedogma ab. Das Präsenzgesetz von 1911 (Quinquennat) hielt sich noch im üblichen Rahmen (Verstärkung nur um 10 000 Mann). Als durch die – von H. keinesfalls verneinte – erfolgreiche Politik des Staatssekretärs von Tirpitz (Flottennovelle 1912) die Belange der Armee in den Hintergrund zu treten drohten, erreichte H., finanzpolitisch geschickt taktierend, zusammen mit dem Chef des Generalstabes von Moltke, daß der Reichstag im Mai 1912 einer Ergänzung des 1911er Quinquennats (Erhöhung der Mannschaftsstärke auf 544 221) zustimmte. Zum Jahresende 1912 wurde er durch eine neue Denkschrift Moltkes und Ludendorffs (damals Oberst und Chef der Aufmarschabteilung) nach seinen eigenen|Worten „völlig überrascht“. Aus innenpolitischen Erwägungen und in der Erkenntnis, daß die Finanzkraft des Reiches ihre Grenzen habe, bremste H. die Forderungen des Generalstabes, die auf eine volle Erfassung der der Wehrpflicht unterworfenen Jahrgänge, eine Erhöhung der Präsenzstärke um rund 300 000 Mann und die sofortige Neuformierung von mindestens drei Armeekorps hinausliefen. Er sah sich lediglich zu einer weiteren Ergänzung des vorliegenden Quinquennats, nicht aber zur Vorbereitung eines neuen Präsenzgesetzes in der Lage. Indem es ihm gelang, den Kaiser und den Reichskanzler von Bethmann Hollweg auf seine Seite zu ziehen, hatte die schließlich eingebrachte und am 30.6.1913 angenommene Wehrvorlage nur eine Verstärkung um 117 000 auf 661 500 Mann zum Inhalt. Die Errichtung der drei Armeekorps wurde auf das nächste, für die Jahre 1916-21 vorgesehene Quinquennat verschoben, wodurch H. in der militärischen Literatur zur Geschichte des 1. Weltkrieges zum Gegenstand einer massiven Kritik geworden ist.

    Auf Grund der somit stark aufgebrochenen Gegensätze in den Auffassungen von Ministerium und Generalstab bat H., den Groener als einen „begabten Soldaten mit scharfem Verstand“ bezeichnet hat, um Enthebung vom Amte des Kriegsministers. Unter Beförderung zum Generalobersten wurde er am 9.7.1913 zum Generalinspekteur der II. Armee-Inspektion berufen; die Nachfolge als Minister trat Falkenhayn an. Im 1. Weltkriege führte H. anfangs die 7. Armee. Im August 1916 wurde er Oberbefehlshaber der Küstenverteidigung und schied im November 1918 aus dem aktiven Dienst aus. In der Nachkriegszeit war er bis zu seinem Tode 1926 Präsident des Reichskriegerbundes „Kyffhäuser“.

  • Literatur

    H. Herzfeld, Die dt. Rüstungspol. vor d. Weltkriege, 1923;
    Der Weltkrieg 1914–18, bearb. im Reichsarchiv, Kriegsrüstung u. Kriegswirtsch., I: Die mil., wirtsch. u. finanzielle Rüstung Dtld.s v. d. Reichsgründung b. z. Ausbruch d. Weltkrieges, 1930 (unter Verwendung v. ungedr. Aufzeichnungen H.s);
    v. Rieben, in: Lb. aus Kurhessen u. Waldeck I, 1939, S. 125-36 (L, P).

  • Autor/in

    Thilo Vogelsang
  • Empfohlene Zitierweise

    Vogelsang, Thilo, "Heeringen, Josias von" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 196 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117509760.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA