Lebensdaten
1883 bis 1942
Geburtsort
Bistritz (Bistriţa, Siebenbürgen)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Technischer Chemiker ; Chemiehistoriker
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 117492876 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Speter, Max

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Zitierweise

Speter, Max, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117492876.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann, Spiritusfabr.;
    M Anna Dolberg;
    Berlin (?) Edith Feigenbacher (1883–1943 Freitod).

  • Leben

    S. besuchte das Gymnasium in Bistritz und studierte seit 1900 Technische Chemie in Budapest, Hannover und München (Dipl.-Ing. 1904). 1904/05 war er wiss. Hilfsarbeiter am Deutschen Museum in München und kam durch Oskar v. Miller (1855–1934) mit der Technik- und Chemiegeschichte in Berührung. Nach kurzer Tätigkeit bei der Fa. Brendicke & Hobein Apparatebau in München sowie im Laboratorium einer Fabrik für Melassespiritus und Pottasche in Raab (Györ, Ungarn) immatrikulierte sich S. 1906 an der Univ. Berlin und arbeitete als (vermutl. unbesoldeter) Privatassistent von Richard Joseph Meyer (1865–1939) an dem privaten „Wissenschaftlich-chemischen Institut Berlin N“. Dieses von der Universität finanziell unterstützte Institut war in der Forschung, insbes. in der anorganischen Chemie, sehr aktiv. S. befaßte sich dort mit den chemischen Eigenschaften von Seltenerdmetallen und arbeitete zugleich an seiner chemiehistorischen Dissertation „Lavoisier und seine Vorläufer“, mit der er 1910 promoviert wurde. Ein von ihm um diese Zeit in Charlottenburg gegründetes kleines Unternehmen zur Produktion einer Wolframpaste zur Glühlampenherstellung erwies sich als erfolglos und wurde 1912 aufgegeben, aber S. konnte vorerst noch von ererbten Mitteln leben. Nach dem 1. Weltkrieg verlor S. die ungar. Staatsangehörigkeit und war seitdem staatenlos. Nachdem er durch die Inflation auch sein Vermögen eingebüßt hatte, nahm er eine Stellung als Geschäftsführer eines Warenhauses in Pirna an und machte sich danach als Erfinder und beratender Chemie-Ingenieur erneut selbständig. Seine Publikationen befassen sich hauptsächlich mit der Entwicklung chemisch-technischer Verfahren vom späten 16. Jh. bis in die Gegenwart, etwa der Düngung mit Superphoshat, der Rübenzuckertechnologie, der Herstellung von Explosivstoffen sowie der Erfindung chemischer und physikalischer Apparaturen. Zudem war S. Mitherausgeber und –übersetzer chemischer Quellenwerke von Jean Rey, Michail Lomonossow, Sophus Jørgensen und Stanislao Cannizzaro. Aus diesen Arbeiten entstanden zahlreiche biographische und bibliographische Veröffentlichungen, unter denen S.s Beiträge in dem von Günther Bugge herausgegebenen „Buch der großen Chemiker“ (2 Bde., 1929, Nachdr. 1955) die bekanntesten sind. Auch nach 1933 erschienen noch Aufsätze unter seinem Namen, erst seit 1939 konnte er nur noch im Ausland publizieren. Vermutlich um dem Transport in ein Konzentrationslager zu entgehen, wählte er – und einige Monate später auch seine Frau – den Freitod.

    Während seine chemisch-technischen Arbeiten bald überholt waren, erwarb sich S. bleibende Verdienste als Chemiehistoriker. Er befaßte sich besonders mit jenen Autoren des 18. Jh., deren Experimentalergebnisse im Widerspruch zur mehrheitlich akzeptierten Phlogistontheorie standen und die deshalb kaum beachtet wurden. Damit wie auch mit vielfältigen Quellenstudien zur Priorität von chemischen Entdeckungen beeinflußte S. zumindest mittelbar auch die moderne Wissenschaftsgeschichte.

  • Werke

    Abhh. Jean Rey's über d. Gewichtszunahme v. Zinn u. Blei b. Verkalken, hg., übers. u. komm. v.|M. S., 1909 (mit E. Ichenhäuser);
    Die chem. Grundstoffe, 1911;
    Die chem. Verwandtschaft u. ihre Beziehungen zu d. übrigen Energieformen, 1913;
    Vater Kopp, in: Osiris 5, 1938, S. 392–460.

  • Literatur

    M. E. Weeks, in: Isis 34, 1942/43, S. 340–44;
    Gedenkbuch Berlins d. jüd. Opfer d. NS, 1995, S. 1226;
    Pogg. VI, VII a.

  • Autor/in

    Michael Engel
  • Empfohlene Zitierweise

    Engel, Michael, "Speter, Max" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 673-674 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117492876.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA