Lebensdaten
1905 bis 1984
Geburtsort
Mössingen bei Tübingen (Württemberg)
Sterbeort
Miesbach (Oberbayern)
Beruf/Funktion
Forstwissenschaftler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117482501 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Speer, Julius

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Zitierweise

Speer, Julius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117482501.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Julius (1878–1945), Pfarrer in T., leitete als Studiendir. seit 1912 d. Lehranstalten d. Ev. Brüdergemeine in Korntal b. Ludwigsburg (Württ.);
    M Gertrud Pleibel (1881–1968);
    2 B;
    1 Schw;
    1) Freiburg (Br.) um 1937 1954 Elisabeth Fandrey ( 1] N. N. Kuhn), 2) Bayrischzell 1954 Annemarie Neizert (1918–2001), übergab S.s wiss. Nachlaß d. Bayer. Ak. d. Wiss.; kinderlos.

  • Leben

    S. besuchte die Volksschule in Talheim, dann das Eberhard-Ludwig-Gymnasium in Stuttgart, und begann dort nach der Reifeprüfung 1924 mit dem Studium der Forstwissenschaft. Weitere Studienorte waren Tübingen, München und Freiburg (Br.), wo er 1928 das forstliche Universitätsdiplom erwarb. Nachdem er in der württ. Staatsforstverwaltung seine Referendarzeit absolviert und 1930 mit dem Staatsexamen für den höheren Forstdienst abgeschlossen hatte, war er dort bis 1934 tätig. Daneben arbeitete er an seiner Dissertation „Der Waldbesitz der Realgemeinden Württembergs, Ein Beitrag zu seiner Geschichte“, mit der er 1929 in Freiburg bei dem Forstökonomen Heinrich Weber (1868–1934) promoviert wurde. Diese Arbeit ging mit ihren forstpolitischen Folgerungen weit über den Rahmen einer historischen Untersuchung hinaus, da S. aus der geschichtlichen Entwicklung konkrete Vorschläge für die weitere Bewirtschaftung dieser Wälder ableitete.

    1934 erhielt S. nach dem Tod von Weber einen Lehrauftrag für Forstpolitik, Forstgeschichte und Forsteinrichtung an der Univ. Freiburg, wo er 1935 zum ao. und 1942 zum o. Professor ernannt wurde. 1939–45 Soldat (Hptm. d. R.), wurde er im Herbst 1945 von der franz. Militärregierung als o. Professor an der Univ. Freiburg bestätigt. Beim Wiederaufbau von Forschung und Lehre ermöglichte er vielen Heimkehrern die Aufnahme oder Fortsetzung ihres forstlichen Studiums. 1952 folgte S. einem Ruf auf den Lehrstuhl für Forstpolitik und forstliche Betriebswirtschaftslehre der Univ. München. Während seiner Amtszeit als Rektor 1960–63 veranlaßte er die Neuordnung der Verwaltungsstruktur der Universität. 1962–64 war S. zudem Präsident der Westdt. Rektorenkonferenz.

    Als engagierter Forstpolitiker sah S. stets die gemeinsamen Interessen von Forst- und Holzwirtschaft. Sein wissenschaftliches Werk ist geprägt vom Gedanken der Produktivitätssteigerung in der freien Marktwirtschaft, vom Bekenntnis zum Privateigentum und den daraus resultierenden Wechselbeziehungen zwischen Staatsgewalt und Waldbesitzern, der Erkenntnis der ökologischen und ökonomischen Bedeutung des Waldes und der Förderung der Forstwirtschaft in der Industriegesellschaft. In seinen Arbeiten befaßte er sich v. a. mit dem Holzmarkt und den Beziehungen zwischen Forst- und Holzwirtschaft, mit der Organisation der Forstverwaltungen sowie forstbetriebswirtschaftlichen Fragen der Kostenrechnung und Kostenpreiskalkulation, der forstbetrieblichen Steuerlehre und der Einheitsbewertung des forstwirtschaftlichen Vermögens. 1953–65 wirkte S. als Präsident des Dt. Forstwirtschaftsrates, 1961–67 hatte er den Vorsitz des Internationalen Verbands Forstlicher Forschungsanstalten, wo er grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Forscher förderte und der dt. Forstwirtschaft wieder zu ihrem früheren Ansehen verhalf. 1963 wurde S. zum Präsidenten der DFG gewählt und konnte in diesem Amt, das er bis 1973 ausübte, deren Aktivitäten neu strukturieren, Forschungsschwerpunkte setzen und die Effizienz der Gemeinschaft maßgeblich steigern. Er verstand es auch, die Ziele und Notwendigkeiten der Forschungsförderung nach außen überzeugend darzustellen.

  • Auszeichnungen

    bayer. Verdienstorden (1964); Dr. iur. h. c. (Syracuse, New York, 1965); Gr. BVK (1967, mit Stern 1973); Commandeur de l'ordre national du mérite (1967); Commandeur de l'ordre Palmes Académiques (1973); Staatsmedaille in Gold d. bayer. Landwirtsch.min. (1975); bayer. Maximiliansorden f. Wiss. u. Kunst (1984); korr. Mitgl. d. Schwed. Ak. d. Land- u. Forstwiss., d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1971) u. d. ital. Ak. d. Forstwiss., Florenz (1977); Mitgl. d. Finn. Forstwiss. Ges.; Ehrenmitgl. d. Internat. Verbands Forstl. Forsch.anstalten (1967) u. d. Soc. of American Foresters.

  • Werke

    Probleme d. Reform d. Forstverw., 1950;
    Der Holzmarkt im Za. d. Großindustrie, 1958;
    Die Bedeutung u. Auswirkung d. Gemeinsamen Marktes u. d. Freihandelszone f. d. Länder d. Verbands d. europ. Landwirtsch., 1959;
    Kostenpreiskalkulation in d. Forstwirtsch., 1959;
    Wald u. Forstwirtsch. in d. Industrieges., 1960;
    Wiss. Nachlaß:
    Archiv d. Bayer. Ak. d. Wiss.

  • Literatur

    W. Kroth, in: Forstwiss. Cbl. 95, 1976, S. 3–12 (P);
    ders. u. R. Plochmann, J. S. als Wiss. u. Forstpol., in: Holz-Zbl. 111, 1985, S. 237 f. (P);
    K. Hasel, in: Allg. Forst- u. Jagdztg. 151, 1980, S. 240;
    ders., in: Der Forst- u. Holzwirt 39, 1984, S. 368–69;
    H. Möller, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1984, 233–40 (P);
    E. Nießlein, in: Allg. Forst- u. Jagdztg. 155, 1984, S. 254 f.;
    H. Rubner, in: Hundert bed. Forstleute Bayerns (1875 bis 1970), Mitt. aus d. Staatsforstverw. Bayerns 47, 1994, S. 247–50 (P);
    Kürschner, Gel.-Kal. 1970;
    Wi. 1955–1983;
    Baden-Württ. Biogrr. II (Qu, W, L).

  • Autor/in

    Peter Bartelheimer
  • Empfohlene Zitierweise

    Bartelheimer, Peter, "Speer, Julius" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 647-648 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117482501.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA