Lebensdaten
1752 bis 1831
Geburtsort
Lonnerstadt bei Bamberg
Sterbeort
Karlsruhe
Beruf/Funktion
badischer Staatsrat
Konfession
jüdisch,katholisch/seit 1765
Normdaten
GND: 11747827X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sensburg, Ernst Philipp Freiherr von (seit 1815)
  • sensburg, ernst philipp freiherr von

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Sensburg, Ernst Philipp Freiherr von (seit 1815), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11747827X.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus vermutl. nach Sensburg (Ostpreußen) benannter jüd. Fam.;
    V Adam Friedrich S. (Marx Gerst) (1720–92, jüd., seit 1765 kath., 2] 1770 Maria Anna Gebsattel), aus L., fürstbfl. bamberg. Polizeikommissarius, Zollbereiter u. Bierkieser, Hoffaktor in B., S d. Salomon Marx, Hoffaktor in B.;
    M Chava (Eva) ( 1769), aus d. Stamme Levi;
    Ov Adalbert S. (1771–1832), Zeichenlehrer in B., österr. Ing.-Offz. (s. Nagler);
    3 B, 9 Halb-B u. a. Franz Ludwig S. (1780–1845), 1833–44 Landrichter in Landsberg/Lech, Stammvater d. noch lebenden nichtadel. Fam. S., 2 Halb-Schw;
    1) Wien 1783 Thekla Maria Magdalena Schmitz (1761–1827), illegitime T d. August Gf. v. Limburg-Stirum (1721–97), Domherr in K., Fürstbf. v. Speyer (s. NDB I), u. d. Maria Johanna Friderica v. Thalmüller (1736–77, 1754 Peter Joseph Schmitz, ebfl. Sekr. in Köln), 2) Waghäusel b. Bruchsal 1828 Ernestine Juliane (1783–1842, 1] Ludwig Frhr. v. Eyb zu Dörzbach, 1769–1823), T d. Friedrich Ernst Frhr. v. Adelsheim u. d. Ernestine Juliane v. Stein;
    3 S aus 1) u. a. Joseph Wilhelm (1785–1870), bad. Reg.dir., Leopold Anton Kasimir (1787–1813), bad. Stabskpt., 2 T aus 1) u. a. Anna Waldburga (1795–1867, ⚭ Maximilian Joseph v. Chelius, 1794–1876, bad. Adel 1866, Prof. d. Chirurgie in Heidelberg, GHR, s. NDB III; Drüll I);
    N Benedikt (1809–73), Dr. med., Arzt in Dienst Kg. Ottos v. Griechenland, seit 1839 Landger.arzt in Wolfratshausen (s. K. Münzer, Zur Ed. d. Physikatsberichts d. Landger. Landsberg v. 1861, in: Landsberger Gesch.bll. 92, 1993, S. 83–96);
    Gr-N Franz Ludwig S. (1825–1900), pol. Publ., 1848/49 Hg. u. Redakteur d. demokrat. Zs. „Vorwärts“ in München, bayer. Premierlt. (s. K. Koszyk, Publizistik u. pol. Engagement, 1999, S. 162–91), Joseph Benedikt S. (1827–79), Dr. iur., pol. Publ., Richter, Bez.ger.rat in Augsburg u. B. (beide s. Biogr. Lex. Burschenschaft); Nachfahre Claus v. Amsberg (1926–2002, Beatrix, Kgn. d. Niederlande, * 1938, s. Munzinger).

  • Leben

    S. wurde am Jesuitenkonvikt in Bamberg erzogen. Seine Studien an der Univ. Bamberg, wo er 1773 in Theologie graduiert wurde, setzte S. in Wien mit dem Jurastudium fort. Hier war er 1782 Sekretär des Reichshofrats Josua Josef v. Riffel (1775–82, Vizekanzler in Bruchsal), der ihn protegierte und dessen Mündel S. 1783 heiratete. Gleichzeitig wurde S. Hof- und Geh. Kabinettsrat des Speyerer Bf. Damian August Philipp v. Limburg-Stirum, an dessen Hof er 1783 wechselte. Dort war er an dem straffen, despotischstrengen und bürokratischen Reformwerk des Bischofs beteiligt. Als in der Säkularisation auch das rechtsrhein. Hochstiftsgebiet um Bruchsal an die 1802 zum Kurfürstentum erhobene Mgfsch. Baden fiel, übernahm Kf. Karl Friedrich, seit 1806 Großherzog, aus den neu erworbenen Gebieten die fähigen Beamten, darunter auch S. 1802 wurde dieser Hofund Geh. Kabinettsrat in der bad. Regierung, 1803 Leiter der Mediatisierungskommission, welche die Verhandlungen mit den mediatisierten Fürsten zu führen und die Staatsverträge mit den Nachbarstaaten vorzubereiten hatte. S. agierte hier zugunsten seines neuen Landesherrn mit großem Engagement und Geschick; in den Verhandlungen mit den Fürstentümern Leiningen, Schwarzenberg und Fürstenberg, mit Hessen-Darmstadt, Württemberg und bei der Abwendung bayer. Ansprüche auf die Gebiete der rechtsrhein. Kurpfalz schrieb er sich in einem späteren Rechenschaftsbericht die maßgeblichen Erfolge zu. Seine finanzpolitische Kompetenz wurde hoch geschätzt, wovon seine steile Karriere Zeugnis ablegt: 1807 wurde er Geh. Referendär im Justizministerium, 1808 im Innenministerium, 1809 Direktor des Steuerdepartements, 1810 Staatsrat, 1813 Direktor des I. Departements im Finanzministerium|und 1814 Kabinettsrat im Finanz-

    und Innenministerium, das er 1817 als Direktor übernahm. Beim Wiener Kongreß gehörte er der bad. Delegation an mit besonderen Aufgaben in Finanzfragen (Rheinzölle u. Kriegssteuern). Die unmittelbar danach erfolgte Standeserhöhung und mehrere hohe Auszeichnungen lassen seinen Anteil an den bad. Erfolgen erkennen. 1816 in die Verfassungskommission berufen, legte er erste Entwürfe für eine bad. Verfassung vor, die, jedoch in wesentlichen Punkten verändert, 1818 ausgefertigt wurde. Unter dem im selben Jahr an die Regierung gekommenen antikonstitutionellen Ghzg. Ludwig ging es insbesondere um die Sanierung der Staatsfinanzen, der sich S. – 1824 als Mitglied des Staatsministeriums – mit Loyalität und hoher Kompetenz widmete. Unklar bleibt, ob er Ludwigs konservatives System aus ähnlicher Gesinnung heraus mitgetragen hat oder ob seine mehrmaligen Entlassungsgesuche (so 1823) eine Distanz dem Großherzog gegenüber zu erkennen geben. Seine Zeitgenossen urteilten teilweise kritisch über ihn, manche auch in antisemitischer Ablehnung, versagten ihm jedenfalls den hohen Rang, den sie v. a. Sigismund Frhr. v. Reitzenstein, Karl Friedrich Nebenius und Johann N. F. Brauer als den „Begründern des modernen bad. Staats“ und seiner Verfassung zubilligten. S. trat 1830, unmittelbar nach dem Tod Ghzg. Ludwigs, in den Ruhestand.

  • Auszeichnungen

    Großkreuz (1815) u. Commandeurkreuz (1824) d. Zähringer Löwenordens; russ. St. Annenorden II. Kl. (1815); österr. Leopoldsorden (1815); ghzgl. hess. Ludwigsorden (1815).

  • Werke

    Entwurf f. e. umfassende u. gleichheitl. Bestimmung d. standes- u. grundherrl. Rechtsverhältnisse, 1821;
    Welche Hindernisse stehen d. bürgerl. Verbesserung d. Juden in d. dt. Bundesstaaten entgegen, 1821;
    Pragmat. Unters. d. Ursprungs u. d. Ausbildung alter Abgaben u. neuer Steuern, 1823;
    Idee über einige Probleme im Steuerwesen [ . . . ], 1831.

  • Literatur

    F. v. Weech, in: Bad. Biogrr. II, 1875, S. 295–98 (W-Verz.);
    E. v. d. Becke-Klüchtzner, Stamm-Tafeln d. Adels d. Großherzogthums Baden, 1886, S. 439 f.;
    W. Andreas, Die Entstehung d. bad. Vfg., 1912;
    ders., Gesch. d. bad. Verw.organisation u. Vfg. in d. J. 1802–1818, Bd. 1, 1913;
    J. Wille, August Gf. v. Limburg-Stirum, Fürstbf. v. Speyer, 1913;
    H. Schnee, Die Hoffinanz u. d. moderne Staat, Bd. 4, 1963, bes. S. 339 ff.;
    W. Leiser, Von Bamberg nach Karlsruhe, Aus e. ungewöhnl. Leben d. Zeit um 1800, in: Gerichtslauben-Vortrr, hg. v K. Kroeschell, 1983, S. 85–94 (L);
    P. E. Sensburg, E. P. v. S. (1752–1831), Min. in bad. Diensten, in: Hierzuland, 7. Jg., H. 14, 1992, S. 38–42 (P);
    C. M. Rosenbaum, in: Dt.GB 211, 2000, S. 619–32 (L: P);
    C. Würtz, Johann Niklas Friedrich Brauer (1754–1813), 2005, S. 348;
    Qu
    GLA Karlsruhe 76/7267– 7270, darin Rechenschaftsber. 1823;
    Privatarchiv Sensburg (P. E. Sensburg, Köln).

  • Portraits

    Foto v. E. Hardock nach e. verlorenen Ölgem. v. A. (?) Zeller, 1810 (Gen.landesarchiv Karlsruhe), Abb. in: Sensburg, 1992 (s. L), S. 38;
    Ölbild, anonym (Privatbes.), Abb. in: Dt.GB 211, 2000, S. 647.

  • Autor/in

    Hansmartin Schwarzmaier
  • Empfohlene Zitierweise

    Schwarzmaier, Hansmartin, "Sensburg, Ernst Philipp Freiherr von/seit 1815" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 263-264 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11747827X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA