Lebensdaten
1839 bis 1916
Geburtsort
Breslau
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Botaniker ; Phytopathologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117476528 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sorauer, Carl Moritz
  • Asper, Paulus (Pseudonym)
  • Sorauer, Paul
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Zitierweise

Sorauer, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117476528.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joseph, Tischlermeister in Breslau, S d. Jacob u. d. Pesse Mühsam (Pappenheim) (1776–1845), aus Pitschen (Byczyna, Polen);
    M N. N. Seth, T e. Malers;
    Ur-Gvv Salomon Pappenheim (1740–1814), aus Zülz (Biała, Niederschlesien), Rabbinatsassessor in Breslau, talmud. Schriftst. (s. Wininger);
    1) Dahme (Mark Brandenburg) 1870 Clara ( 1883), 2) 1885 Rosa, beide T d. N. N. Schweitzer, Dr. med., Arzt;
    1 S, 2 Taus 1).

  • Leben

    S. besuchte in Breslau die Oberrealschule Am Zwinger und das Friedrichs-Gymnasium bis zur Primarreife und machte seit 1855 eine Lehre als „Kunstgärtner“. Gleichzeitig hörte er sechs Semester botan. Vorlesungen in Breslau. Zur weiteren praktischen Ausbildung ging er nach Berlin, Brüssel, Paris und London. 1863 war er als Obergärtner in Donaueschingen tätig. Im folgenden Jahr studierte er in Berlin Naturwissenschaften, v. a. Botanik. 1865 wurde S. Assistent bei Hermann Karsten (1817–1908) am neu eröffneten Physiologischen Laboratorium des „Landwirtschaftlichen Lehrinstituts“ in Berlin. Hier rückten die Krankheiten der Pflanzen ins Zentrum seiner Arbeiten, und S. begann, für Landwirte Vorlesungen über Phytopathologie und Pflanzenschutz zu halten. Zu den Dozenten am Lehrinstitut gehörte auch der Dendrologe und Vizedirektor des Botanischen Gartens, Karl Koch (1809–79), dem S. eng verbunden blieb. 1867 wurde er an der Univ. Rostock bei Johannes Roeper (1801–85) mit „Beiträgen zur Keimungsgeschichte der Kartoffelknolle“ zum Dr. phil. promoviert. Von Ludwig Wittmack (1839–1929) zum Hilfsarbeiter am neu gegründeten „Landwirtschaftlichen Museum“ in Berlin bestellt, wechselte er 1868 zu Hermann Hellriegel (1831–95) an die „Landwirtschaftliche Versuchsstation“ in Dahme (Mark Brandenburg), wo er auch an der Ackerbauschule unterrichtete. Auf Empfehlung von Koch erhielt S. 1871 eine Stellung als „Versuchsbotaniker“ und Dirigent der „Pflanzenphysiologischen Versuchsstation“ (1872) am Kgl. Pomologischen Institut in Proskau bei Oppeln (Oberschlesien). Es handelte sich um die erste Station dieser Art im Garten- und Obstbau in Deutschland. S. lehrte zugleich, bis zu deren Auflösung 1880, an der Landwirtschaftlichen Akademie Proskau. 1892 zum Professor ernannt, reichte er 1893 wegen eines Augenleidens seinen Abschied ein und siedelte nach Berlin über, wo er fortan als Privatgelehrter lebte. Er hielt Vorträge an der Humboldt-Akademie zu Berlin, habilitierte sich 1902 kumulativ an der Univ. Berlin und wurde Privatdozent der Botanik.

    S. hatte entscheidenden Anteil an der Entstehung einer wissenschaftlichen Phytopathologie. Seit Anton de Bary (1831–88) 1853 nachgewiesen hatte, daß kleine, parasitisch lebende Pilze die Ursache des gefürchteten Getreidebrands sind, stand die Suche nach pathogenen Pilzen im Mittelpunkt der Erforschung der Pflanzenkrankheiten. S. übertrug die Konzepte und Methoden der Pflanzenpathologie von der Landwirtschaft auf den Garten- und Obstbau. Er kritisierte die einseitige Beachtung der Erreger und fragte 1883 nach einer „Prädisposition der Pflanzen“ für gewisse Krankheiten, die individuell variiert und von Standort, Witterung und Immissionen, aber auch vom Entwicklungs- und Ernährungszustand abhängt. S. zeigte, daß die Konstitution der Pflanzen in der „Phytomedizin“ nicht länger ausgeklammert bleiben dürfe und es Ziel einer „rationellen Pflanzenhygiene“ sein müsse, widerstandsfähigere Sorten zu züchten. Seine besondere Aufmerksamkeit galt sodann den nicht-parasitären Krankheitsursachen, die noch seine letzten Arbeiten über Frost- (1901), Rauch(1911) und Leuchtgasschäden (1915) bestimmten. 1873–1910 referierte er die Literatur über Pflanzenkrankheiten in den maßgeblichen „Botanischen Jahresberichten“. Mit dem „Handbuch der Pflanzenkrankheiten“ (1874) begründete S. ein vielbändiges Standardwerk, das in Teilen übersetzt und bis in die Gegenwart fortgeführt wurde. Daneben schrieb er mehrere praktische Ratgeber und populäre Lehrwerke und rief 1891 die „Zeitschrift für Pflanzenkrankheiten“ ins Leben, die er bis 1915 herausgab. S. wirkte zudem im 1890 eingesetzten „Sonderausschuß für Pflanzenschutz“ der „Deutschen Landwirtschaftgesellschaft“ (DLG), in deren Auftrag er regelmäßige Jahresberichte und eine weit verbreitete praktische Anleitung mitverfaßte (Pflanzenschutz, 1892, 61915). Er zählte 1898 zu den Gründern einer „Biologischen Abteilung für Land- und Forstwirtschaft“ am Ksl. Gesundheitsamt in Berlin, deren Beirat er angehörte und aus der die heutige „Biologische Bundesanstalt“ in Dahlem hervorging.

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Dt. Botan. Ges., d. DLG (1890), d. Internat. Phytopathol. Komm. (1890) u. d. Leopoldina (1892); ausw. Mitgl. d. Landwirtsch. Ak. Stockholm; Ehrenmitgl. d. Ac. Nazionale dei Lincei, Rom, d. Reale Società Agraria, Turin, d. Dt. Gartenbau-Ges. (1909) u. d. Dt. Pomologen-Ver. (1910); preuß. Roter Adlerorden IV. Kl. (1893); Geh. Reg.rat (1909).

  • Werke

    u. a. Hdb. d. Pflanzenkrankheiten., 1874, 31905–13, 3 Bde., 71965–91 (Bd. 1 d. 3. Aufl. engl. u. d. T. Non-parasitic diseases, 10 T., 1908–14);
    Die Obstbaumkrankheiten, 1879;
    Studien über Verdunstung, in: Forschungen a. d. Gebiet d. Agrikultur-Physik 3, 1880, S. 315–490;
    Gibt es e. Prädisposition d. Pflanzen f. gewisse Krankheiten?, in: Die landwirtsch. Versuchs-Stationen 25, 1883, S. 327–72;
    Atlas d. Pflanzenkrankheiten, 6 Lfgg., 1887–93;
    Die Schäden d. einheim. Kulturpflanzen, 1888;
    Populäre Pflanzenphysiol. f. Gärtner, 1891 (engl. 1895);
    Pflanzenschutz, 1892 (mit A. B. Frank), 61915 (mit G. Rörig);
    Jberr. d. Sonderausschusses f. Pflanzenschutz, 1893–1904 (mit A. B. Frank u. a.);
    Schutz d. Obstbäume gegen Krankheiten, 1900;
    Die Frostschäden an d. Wintersaaten, 1901;
    Die mikroskop. Analyse rauchbeschädigter Pflanzen, 1911;
    Unterss. über Leuchtgasbeschädigungen, in: Zs. f. Pflanzenkrankheiten 26, 1916, S. 129–83;
    Hg. Internat. phytopathol. Dienst, 1908.

  • Literatur

    L. Wittmack, in: Zs. f. Pflanzenkrankheiten 26, 1916, S. 1–17 (W-Verz., P);
    ders., in: Berr. d. Dt. Botan. Ges. 34, 1916, S. (50)-(57) (P);
    H. H. Whetzel, An outline of the hist. of phytopathology, 1918, S. 98–100;
    F. A. Stafleu, R. S. Cowan, Taxonomic literature, V, 21985, S. 749–52;
    I. Jahn (Hg.), Gesch. d. Biol., 31998, S. 959;
    B. Schmid u. C. Thesing (Hg.), Biologen-Kal. 1914;
    Kürschner, Lit.-Kal. 1916;
    Wi. 1914;
    Enc. Jud. 1971;
    Biogr. Hdb. Pflanzenbau;
    Th. Gerber, Persönlichkeiten aus Land- u. Forstwirtsch., Gartenbau u. Veterinärmed., 2004;
    Qu
    Geh. StA Preuß. Kulturbes.;
    Archive d. Univ. Rostock u. d. Humboldt-Univ. Berlin.

  • Autor/in

    Ekkehard Höxtermann
  • Empfohlene Zitierweise

    Höxtermann, Ekkehard, "Sorauer, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 596-597 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117476528.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA