Lebensdaten
1842 bis 1910
Geburtsort
München
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Kunstmaler ; Dekorateur ; Innenarchitekt ; Restaurator ; Kunsthändler ; Illustrator ; Publizist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117473138 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Seitz, Rudolf Ritter von (seit 1900)
  • Seitz, Rudolf
  • Seitz, Rudolf Ritter von (seit 1900)
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Zitierweise

Seitz, Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117473138.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Franz (s. 1);
    M Wilhelmine Königer;
    ⚭Kloster Seeon 1869 Carolina Paulina (* 1844), aus belg. Adelsfam., aus Deggendorf, T d. Karl Frhr. Marotte de Montigny ( vor 1869, bayer. Frhr. 1842), Ing.;
    1 S Hans (um 1870-n. 1910); Schwager Heinrich Frhr. Marotte de Montigny (bayer. Frhr. 1842), bayer. Postoffizial in Bamberg.

  • Leben

    Nach einer ersten künstlerischen Ausbildung bei seinem Vater wurde S. 1857 in die Antikenklasse der Münchner Akademie der Bildenden Künste aufgenommen; seine Lehrer waren Hermann Anschütz (1802–80) und Karl v. Piloty (1826–86). 1867 erwarb der Münchner Kunstverein sein Erstlingswerk „In Peter Vischers Werkstatt“, ein wichtiger erster Erfolg. Besondere Begabung besaß er auf dem Gebiet des Kunstgewerbes, wo er bald eine führende Rolle spielte; zusammen mit seinem Vater stattete er die neuen Appartements für Kg. Ludwig II. in der Münchner Residenz aus (1866/69). Seine gemeinsame Tätigkeit mit Ferdinand I. v. Miller (1813–87) und Lorenz Gedon (1843–83) machten die Kunst- und Industrieausstellung 1876 in München zu einer künstlerischen Sensation. In der Folge gründeten S. und sein Freund Gabriel v. Seidl (1848–1913) 1878 ein Atelier für Innendekoration, die Firma „Seitz & Seidl“, die sich die kunstgewerbliche Neugestaltung von Möbeln und Gebrauchsgegenständen aller Art zur Aufgabe machte, und damit einen Vorläufer der Anfang des 20. Jh. neu entstandenen und bis heute existierenden „Münchener Vereinigten/Neuen Werkstätten“ bildete.

    Seit 1883 war S. in einer festbesoldeten Position als Konservator am Bayer. Nationalmuseum tätig und blieb auch nach seiner Berufung als Professor an die Münchner Akademie 1888 dem Museum als Ehrenkonservator verbunden. In genauester Kenntnis der vorhandenen Bestände organisierte er 1897–1900 deren Neuaufstellung in dem von Seidl errichteten neuen Gebäude an der Prinzregentenstraße. S.s Arrangements von ausgestelltem Kunstwerk und umgebendem Raum in „malerisch“ gruppierten Gesamtbildern unter historisch-didaktischen Gesichtspunkten, die er in der Art des „Künstlerkonservators“ größtenteils selbst ausführte, wurden viel beachtet; in der Folge erhielt er ähnliche Aufträge für das Maximiliansmuseum in Augsburg (1908–10) und das Historische Museum der Pfalz in Speyer (1909/10). An der gleichrangigen Behandlung von Originalen, kompilierten historischen Versatzstücken und – bei S. historisch korrekten – Kopien in diesen „Seitzschen Stilräumen“ (Sangl) entzündete sich allerdings auch heftige Kritik.|S. prägte maßgeblich den von seinem Vater mitbegründeten Bayer. Kunstgewerbe-Verein und dessen Zeitschrift „Kunst und Handwerk“. Zusammen mit Gedon entwarf er Ausstattung, Kostüme und Preise der Münchner Künstlerfeste im Odeon 1876 und 1883, das Fest des VII. Dt. Bundesschießens 1881, die Hundertjahrfeier der Bayer. Akademie der Bildenden Künste 1909 und die Feste der Gesellschaften Harbni und Allotria (1873 Mitbegründer) sowie des Künstlerhausvereins.

    S.s Malereien, v. a. in Fresko ausgeführt, zeigten historische, allegorische und religiöse Motive. 1869/70 entstanden vier mythologische Deckengemälde für den nordwestl. Eckpavillon der Münchner Residenz (zerstört), 1882 drei Wandbilder, u. a. der „Einzug des Herzogs Christoph“, im Festzug der Landshuter Hochzeit 1475 für das dortige Rathaus, 1895 fünf Kaiserbilder (Heinrich III., Friedrich Barbarossa, Rudolf v. Habsburg, Ludwig d. Bayer, Maximilian I.) im Kaisersaal der Nürnberger Burg (nicht erhalten). Sein Hauptwerk der Malerei stellt die 1897 vollendete Apsisausmalung in der von Seidl errichteten St. Anna-Kirche in München-Lehel dar (Hl. Dreifaltigkeit mit Anna, Maria u. Aposteln).

    Neben einigen Genre- und Interieurbildern (z. B. Thalia in der Sommerfrische, Dt. Jagdmus., München) und gelegentlichen Porträts (Wilhelm Heinrich Riehl, 1897, München, Bayer. Nat.mus.) schuf er unterschiedlichste Illustrationen (Ehrendiplome, Titelblätter, Vignetten, Einladungs-, Speise- und Ansichtskarten, Kalender, Plakate u. Exlibris) sowie kunstgewerbliche Entwürfe z. B. für Prunkgefäße und Ehrengeschenke für Bismarck, Moltke, Ks. Wilhelm I. oder den Prinzregenten von Bayern, bis zu den Fahnenmasten auf dem Platz vor der Feldherrnhalle in München. Schließlich betätigte sich S. mit einem Gebetbuch für Kg. Ludwig II. (Bayer. Nat.mus.) auch auf dem Gebiet der Buchmalerei. Seine von den Stilformen und der Ornamentik der dt. Renaissance des 16. Jh., später auch vom Rokoko, inspirierten Kompositionen zeigen stets eine sehr eigenständige und lebendige Umsetzung, seine Gemälde kraftvolle Pinselführung in delikater Farbgebung mit Tendenzen zum Monumentalen. S.s künstlerischer Impetus war von der Vorstellung einer allumfassenden Ästhetik getragen. Er wollte im historistischen Sinne das Verständnis für das harmonische Zusammenwirken aller Künste und damit auch ein Bedürfnis nach Verschönerung aller Gegenstände des täglichen Gebrauchs wecken. Die bald nach S.s Tod einsetzende Geringschätzung der Werke des Historismus ist inzwischen einem neu erwachten Interesse an den künstlerischen Positionen dieser Zeit gewichen.

  • Auszeichnungen

    Rr.kreuz I. Kl. d. bayer. Verdienstordens v. hl. Michael (1876); Rr.kreuz d. österr. Franz-Josephs-Orden (1876); Rr. d. Ordens d. ital. Krone (1884); bayer. Maximiliansorden (1892, Aufnahme ins Kapitel 1904); Rr.kreuz d. Zivilverdienstordens d. bayer. Krone (1900); Komturkreuz d. Michaelsordens II. Kl. (1905); Prinzregent-Luitpoldmedaille in Silber (1905); Komtur d. bayer. Kronordens (1909).

  • Werke

    Weitere W u. a. Deckengem. im Ladengeschäft d. Hofbäckerei Anton Seidl, 1876 (mit d. Vater, 1881 durch Brand zerstört);
    Fayence-Malereien in weiterem Seidl-Laden, 1891 (nicht erhalten);
    Wand- u. Deckengem. im Haus Schön in Worms, 1880/81 (nicht erhalten);
    Fassadenmalerei, 1885, f. Gabriel Sedlmayr (Seidls Onkel) am Spatenhaus Berlin-Friedrichstraße (zerstört);
    dekorative Außenmalerei „uns u. unseren Freunden“ u. Deckenbild f. Gf. Oriola in Schloß Büdesheim, 1886;
    Fassadenmalerei „St. Onuphrius“ am Münchner Marienplatz Nr. 17, 1890 (zerstört);
    Gem.:
    Fama, Fides, Victoria f. d. Rathaussaal in Nürnberg, 1905;
    Hochaltargem. in d. kath. Pfarrkirche St. Josef in Würzburg, 1907;
    – neun Kartons zu ausgeführten Glasgem. im Sitzungssaal d. Neuen Rathauses, München, 1879;
    e. krit. W-Verz. fehlt

  • Literatur

    | ADB 33;
    J. v. Schmaedel, in: Kunst u. Handwerk 61, H. 6, 1911, S. 173–208 (P);
    O. Hupp (Hg.), R. v. S., Eine Erinnerung f. seine Freunde, 1911 (P);
    Münchner Maler d. 19. Jh., Bd. 4, 1983;
    Ingolf Bauer (Hg.), Das Bayer. Nat.mus., Der Neubau an d. Prinzregentenstraße 1892–1900, 2000 (P);
    R. Eikelmann (Hg.), Das Bayer. Nat.mus. 1855–2005, 150 J. Sammeln, Forschen, Ausstellen, 2006;
    ThB;
    eigene Archivstudien.

  • Portraits

    P Photogrr. 1857, 1898, 1909, Abb. in: Erinnerung, 1911;
    R. v. S. mit Frau u. Tochter in Kostümen à la Holbein, Photogr. v. F. Hanfstaengl, 1876, Abb. in: Franz v. Lenbach 1836–1904, 1987, S. 449;
    Radierung v. W. Hecht, 1880, Abb. in: Zs. Kunst u. Handwerk 61, 1911, S. 175;
    Photogravüre v. F. Eugene (Smith), um 1907 (München, Staatl. Graph. Slg.);
    Bronzerelief v. A. v. Hildebrand, 1911 (München, Bayer. Nat.mus.);
    Photogravure v. F. E. Smith, 1906/07 (München, Staatl. Graph. Slg.), Abb. in: Das Bayer. Nat.mus. (s. L), 2000, S. 102.

  • Autor/in

    Andrea Teuscher
  • Empfohlene Zitierweise

    Teuscher, Andrea, "Seitz, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 203-204 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117473138.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA