Lebensdaten
1840 bis 1915
Geburtsort
Königsberg (Preußen)
Sterbeort
Berlin-Charlottenburg
Beruf/Funktion
Historiker
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 117400300 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Simson, Karl Bernhard Eduard George von
  • Simson, Bernhard von
  • Simson, Karl Bernhard Eduard George von

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Zitierweise

Simson, Bernhard von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117400300.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Eduard (s. 1);
    M Clara Warschauer;
    Berlin 1869 Anna (1840–1915), T d. Ludwig Jonas (1797–1859), 1833 Prediger an d. Nicolaikirche in B., Prof. f. Theol. in B., 1858 Mitgl. d. preuß. Abg.hauses, Dr. theol. h. c. (s. ADB 14; BBKL 14; Biogr. Hdb. Preuß. Abg.haus II), u. d. Elisabeth Gfn. v. Schwerin (* 1804); kinderlos; Schwager Paul Jonas (1833–1913, 1] Henriette Adelheid Lehr, 2] Helene Honig, T e. Zuckerfabr.), Jur., Bankier, 1880–87 Vorstandsmitgl. d. Dt. Bank, dann Aufsichtsratsmitgl.; Schwägerin Luise Jonas (1831–1922, ⚭ Adelbert Delbrück, 1822–90, Bankier, Mitgründer u. 1. Aufsichtsratsvors. d. Dt. Bank, s. NDB III).

  • Leben

    Nach dem in Königsberg abgelegten Abitur studierte S. 1856–60 Geschichte, zunächst in Berlin, v. a. bei Leopold v. Ranke, seit 1857 in Königsberg, v. a. bei Wilhelm Giesebrecht. Von diesem wurde er 1860 mit einer Arbeit über die sog. Einhardsannalen promoviert, danach legte er das Oberlehrerexamen ab und absolvierte ein Probejahr am Joachimsthalschen Gymnasium in Berlin. Auf Vermittlung Johann Gustav Droysens arbeitete S. dann an der Urkunden- und Aktenedition zur Geschichte des Großen Kurfürsten mit; die Frucht eines Pariser Archivaufenthaltes war ein 1865 erschienener Band mit franz. Gesandtschaftsberichten. Bereits 1863 war eine quellenkritische Abhandlung über die Fuldaer Annalen als Habilitationsschrift in Jena angenommen worden; hier lehrte S. als Privatdozent bis 1868. Nach kurzer Tätigkeit als Lehrer am Berliner Wilhelmsgymnasium und anschließend als Archivar in Düsseldorf und Berlin (1869–72) wurde der Privatgelehrte von der Historischen Kommission bei der Bayer. Akademie der Wissenschaften mit der Bearbeitung der „Jahrbücher der dt. Geschichte“ für die Zeit Ludwigs d. Frommen betraut. 1874 erhielt S. einen Ruf auf eine ao. Professur für Geschichte in Freiburg (Br.), 1877 die Ernennung zum Ordinarius. 1884/85 und 1894/95 war er hier Dekan der Philos. Fakultät und 1895/96 Prorektor (em. 1905). Neben den vorrangigen Veranstaltungen zur mittelalterlichen Geschichte las S. auch über alte Geschichte und zuweilen über neuzeitliche Themen; der Schwerpunkt seiner Tätigkeit aber lag auf der Erforschung der Karolingerzeit. 1905 zum Geheimen Hofrat ernannt, siedelte S. nach Berlin über, wo er bis zu seinem Tod an Quelleneditionen und Spezialuntersuchungen arbeitete. In später Anerkennung seiner Verdienste wurde er 1907 in die Zentraldirektion der MGH gewählt.

    Als strenger Vertreter der historisch-kritischen Methode der Ranke-Schule bemühte sich S. mit seinen Editionen um ein gesichertes Quellenfundament; seine in den MGH zwischen 1905 und 1916 erschienenen Ausgaben sind immer noch gültig und werden bis in jüngste Zeit nachgedruckt. Von bleibendem Wert sind auch seine Bände in der Reihe der Jahrbücher für Karl d. Gr. und Ludwig d. Fr. Begleitet wurden diese Arbeiten von zahlreichen quellenkritischen Untersuchungen u. a. zu verschiedenen Annalen, zur Entstehung der pseudoisidorischen Dekretalen. Daneben veröffentlichte er eine Übersetzung von Willibalds Bonifatius-Vita und vollendete nach dem Tod seines Lehrers Wilhelm v. Giesebrecht 1889 dessen letzten Band der „Geschichte der dt. Kaiserzeit“. Als akademischer Lehrer wirkte S. am erfolgreichsten in seinen Seminaren zur mittelalterlichen Geschichte. Seine gelegentlichen Vorlesungen zur neueren Geschichte, z. B.Preuß. Geschichte“ und „Geschichte der dt. Einheitsbestrebungen 1848–1850“ ließen seine nationalliberale Haltung erkennen – sicher vom Vater geprägt, dessen Lebenserinnerungen er 1900 herausgab. Der Politik hatte er sich freilich nicht widmen wollen, sein Interesse galt zeitlebens der handwerklich perfekten Quellenforschung. Heute zuweilen als positivistisch gescholten, bildet sein reiches Œuvre ein unverzichtbares Fundament für die Mittelalterforschung.

  • Auszeichnungen

    A korr. Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1887); o. Mitgl. d. Zentraldirektion d. MGH (1907).

  • Werke

    Der Poeta Saxo u. d. Friede zu Salz, in: Forsch. z. dt. Gesch. 1, 1862, S. 301–26;
    Über d. Annales Sithienses, ebd. 3, 1864, S. 575–86;
    Willibalds Leben d. Bonifazius, 1863 (Übers.);
    Urkk. u. Actenstücke z. Gesch. d. Kf. Friedrich Wilhelm v. Brandenburg 2: Frankr. 1, 1865;
    Zur Beurteilung Ks. Heinrichs IV., in: Preuß. Jbb. 20, 1867, S. 398–412;
    Jbb. d. Fränk. Reiches unter Ludwig d. Fr., Bde. 1–2, 1874–76, Neudr. 1969;
    Jbb. d. Fränk. Reiches unter Karl d. Gr., v. S. Abel, fortges. v. B. S., Bd. 2, 1883, Neudr. 1969;
    Die Entstehung d. pseudo-isidor. Fälschungen in Le Mans, 1886;
    Jbb. d. Fränk. Reiches unter Karl d. Gr., v. S. Abel, Bd. 1, 1866, 21888 bearb. v. B. S.;
    Über d. Vaterland d. falschen Dekretalen, in: HZ 68, 1892, S. 193–210;
    W. Giesebrecht, Gesch. d. dt. Ks.zeit, Bd. 6, hg. u. fortges. v. B. v. S., 1895;
    Eduard v. Simson, Erinnerungen aus seinem Leben, 1900;
    Über Leopold v. Ranke u. seine Schule, Prorektoratsrede, 1905;
    Annales Mettenses priores, 10, 1905, Neudr. 2003;
    Annales Xantenses et Annales Vedastini, 12, 1909, Neudr. 2003;
    Ottonis et Rahewini Gesta Friderici I. imperatoris, 46, 1912, Neudr. 1997;
    Pseudoisidor u. d. Le Mans-Hypothese, in: ZSRGK 4, 1914, S. 1–74;
    Die Chronik d. Propstes Burchard v. Ursberg, 16, 1916 (mit O. Holder-Egger).

  • Literatur

    H. Bresslau, in: NA 40, 1916, S. 819–27;
    A. Dove, in: HZ 115, 1916, S. 469–71;
    H.-G. Zmarzlik, Die Gesch.wiss. an d. Univ. Freiburg in d. zweiten Hälfte d. 19. Jh., in: Btrr. z. Gesch. d. Freiburger Phil. Fak., 1957, S. 168–73;
    R. Schieffer, Mittelalterl. Gesch., in: L. Gall (Hg.), „. . . für dt. Gesch. u. Qu.forsch.“, 150 J. Hist. Komm. b. d. Bayer. Ak. d. Wiss., 2008, S. 59–78, bes. S. 64;
    Zeitgenossenlex., 1905;
    Wi. 1909;
    Kürschner, Lit.-Kal., Nekr. 1901–1935;
    Enc. Jud. 1971;
    W. Weber, Biogr. Lex. z. Gesch.wiss., 21987;
    Bad. Biogrr. NF III, 1990;
    Leesch, Archivare;
    Altpreuß. Biogr. IV/3.

  • Portraits

    Fotoalbum A I (Karlsruhe, Gen.landesarchiv).

  • Autor/in

    Ulrich Nonn
  • Empfohlene Zitierweise

    Nonn, Ulrich, "Simson, Bernhard von" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 453-454 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117400300.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA