Lebensdaten
1855 bis 1935
Geburtsort
Stuttgart
Sterbeort
Hofgastein (Pongau)
Beruf/Funktion
historischer Geograph ; Althistoriker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117364940 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sieglin, Wilhelm
  • Sieglin, W.

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Zitierweise

Sieglin, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117364940.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Ernst v. S.;
    1880 Gertrud, T d. N. N. Berner ( 1878), Oberkonsistorialrat in Berlin.

  • Leben

    S. besuchte 1863–72 das Gymnasium in Stuttgart, wechselte dann wegen des ursprünglichen Studienziels Theologie zum Evang.-theol. Seminar in Blaubeuren, wo er 1873 das Abitur ablegte. Anschließend studierte er Philologie und Alte Geschichte in Tübingen, Berlin, Greifswald und Leipzig, wo 1878 die Promotion zum Dr. phil. erfolgte. 1880 war S. Assistent sowie Bibliothekar an der dortigen Universitätsbibliothek, dann bis 1888 Adjunkt am ksl. russ. philol. Seminar der Univ. Leipzig. 1886 wurde er Direktor der Münzsammlung der Universität, 1888 Kustos und 1896 Erster Kustos der Universitätsbibliothek Leipzig. Seit 1898 ao. Professor für hist. Geographie und Direktor des neugegründeten Seminars für hist. Geographie in Leipzig, wurde S. im folgenden Jahr o. Professor für hist. Geographie an der Univ. Berlin. 1898–1902 unternahm S. ausgedehnte Forschungsreisen in Europa, nach Ägypten, wohin er seinen Bruder Ernst begleitete, der auf S.s Anregung dort Ausgrabungen finanzierte, und nach Marokko. 1914 erfolgte die vorzeitige Emeritierung aus gesundheitlichen Gründen. S. siedelte zunächst nach Regensburg, dann nach München über.

    S. begann seine Laufbahn als Althistoriker, wie seine Dissertation und erste Veröffentlichungen ausweisen. Seit der Mitte der 1880er Jahre wandte er sich zunehmend der hist. Kartographie zu; hier liegt seine eigentliche wiss. Leistung. Er entwarf und revidierte mehrere Karten für Gustav Droysens (1838–1908) „Allgemeinen historischen Handatlas“ (1886) und übernahm anschließend die Neubearbeitung des als I. Abteilung von Carl v. Spruners „Historisch-Geographischem Handatlas“ erstmals 1848/50 bei Justus Perthes erschienenen „Atlas Antiquus“, der 1862/65 in 3. Auflage von Theodor Menke (1819–92) herausgegeben worden war. Von den angekündigten 34 Karten in großformatigem handkolorierten Kupferstich erstellte S. jedoch 1893–95 nur 21 doppelseitige Kartenblätter. Zu der vom Verlag 1900 angekündigten Fortsetzung der Arbeit durch S.|ist es aus unbekannten Gründen nie gekommen. Obwohl Max Kießling (* 1877), ein Schüler S.s, Anfang des 20. Jh. noch vier weitere Kartenblätter fertigte, blieb der Atlas unvollendet. S.s 1899 erschienener kleinformatiger „Schulatlas zur Geschichte des Altertums“ in 64 Haupt- und Nebenkarten auf 64 Seiten hingegen erreichte 1922 seine 7. Auflage und war noch 1935 im Verlagsangebot von Perthes. Um die Jahrhundertwende scheint sich S.s Interesse teilweise auf die antike Ethnographie verlagert zu haben. 1935 veröffentlichte er seine bereits 1905 weitgehend abgeschlossene Schrift „Die blonden Haare der indogermanischen Völker des Altertums“, in der er die Auffassung vertrat, die Urheimat der Indogermanen läge in Südrußland.

  • Auszeichnungen

    russ. St. Stanislaus-Orden 3. Kl. (1892); preuß. Roter Adlerorden 4. Kl. (1910).

  • Werke

    Die Chronol. d. Belagerung v. Sagunt, Diss. Leipzig 1878;
    Die Fragmente d. L. Coelius Antipater, 1879;
    Karte d. Entwicklung d. Röm. Reiches mit Erll., 1885;
    Karten- u. Textbtrr. zu G. Droysens „Allg. hist. Handatlas“, 1886;
    Atlas Antiquus, Handatlas z. Gesch. d. Altertums, 1893–95;
    Die Ausdehnung d. Hellespontes b. d. antiken Geographen, in: Btrr. z. Alten Gesch. u. Geogr., FS f. H. Kiepert, 1898, S. 323–31;
    Schulatlas z. Gesch. d. Altertums, 1899, 71922;
    Entdeckungsgesch. v. England im Altertum, in: Verhh. d. 7. Internat. Geographen-Kongresses Berlin 1899, 1901, S. 845–76 (Neudr. 1972);
    Hg.:
    Qu. u. Forsch. z. alten Gesch. u. Geogr., 1901–18.

  • Literatur

    H. Treidler, in: Bursian-BJ 62, 1936, S. 123–31 (W-Verz.);
    H. Philipp, in: Petermanns Mitt. 81, 1935, S. 367 f.;
    J. Partsch, Rez. v. S.s Atlas Antiquus, in: HZ 44, 1898, S. 98–101;
    F. Miltner, Besprechung v. S.s „Die blonden Haare d. indogerman. Völker“, in: Klio 28, 1935, S. 28–30;
    Kosch, Lit.-Lex.3.

  • Portraits

    Heliogravüre v. R. Dührkoop u. Foto (Berlin, Archiv d. Humboldt-Univ.).

  • Autor/in

    Irmgard Hantsche
  • Empfohlene Zitierweise

    Hantsche, Irmgard, "Sieglin, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 357-358 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117364940.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA