Lebensdaten
1840 bis 1905
Geburtsort
Nürtingen (Württemberg)
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
Industrieller ; Wirklicher Geheimer Kommerzienrat ; Politiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117364711 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Siegle, Gustav
  • Siegle, Gustav von
  • Siegle, Gustav

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Zitierweise

Siegle, Gustav von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117364711.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich S. (1815–63), 1839–42 Apotheker in N., 1842–48 Farbstoffabr. in München, 1848–63 in St. (s. Dt. Apotheker-Biogr.; W. Abelshauser, Die BASF, 2002), S d. Jakob David (1785–1824), Müller in Unterensingen, u. d. Regina Rosine Rehfuß (1787–1817);
    M Maria (1817–46), T d. Christoph Friedrich Wernle (1775–1851), Rotochsenwirt in Kirchheim u. T., u. d. Agnes Katharine Moll (1780–1849);
    Wildbad (Württ.) 1862 Julie (1845–1921), T d. Robert Wetzel (1828–78), Badhotelpächter in Wildbad, u. d. Wilhelmine Wagner (1824–91); 1 S (früh †), 5 T u. a. Margarete (1867–1934, ⚭ Carl v. Ostertag, seit 1909 Ostertag-Siegle, 1860–1924, württ. Adel 1909), Fabr., Gesellschafter d. Fa. G. Siegle & Co. GmbH in St. u. d. Fa. Kast & Ehinger GmbH, s. Die chem. Industrie, 1924, S. 131), Gabriele (1872–1953, ⚭ Albert Frhr. v. Schrenck v. Notzing, 1862–1929, Dr. med., Nervenarzt in München, Parapsychol., s. NDB 23), Dora (1877–1955, ⚭ Fritz Frhr. v. Gemmingen-Hornberg, 1860–1924, württ. Kammerherr, Hptm.).

  • Leben

    Nach dem Besuch von Gymnasien in Stuttgart und Esslingen und dem Studium der Chemie am Polytechnikum Stuttgart trat S. 1857 in das väterliche Geschäft „Heinrich Siegle“ ein, das v. a. Farbstoffe, Lacke und Lackfarben auf organischer Basis sowie Pigmentfarben produzierte. Auf Auslandsreisen erweiterte S. seine kaufmännischen Kenntnisse; 1862 übernahm er das Geschäft. Er erkannte die Bedeutung der neuen synthetischen Farbstoffe, durch die der Grundstein für die Entwicklung der Teerfarbenindustrie gelegt wurde, zeichnete 1865 bei der Gründung der „Badischen Anilin- & Soda-Fabrik“ (BASF) Aktien und begann selbst mit der Produktion einiger Teerfarbstoffe. 1873 ging S. zusammen mit dem ebenfalls in Stuttgart ansässigen Farbstoffproduzenten Rudolf Knosp (1820–97) eine Fusion mit der BASF ein. Die Produktion der „Badischen Anilin& Soda-Fabrik, Ludwigshafen und Stuttgart“ wurde mit Ausnahme der Pigment- und Lackfarben nach Ludwigshafen verlegt, das Verkaufsgeschäft in Stuttgart angesiedelt. S. trat in den Vorstand der BASF ein. Die BASF, die bis dahin keine eigene Verkaufsorganisation besaß, sondern ihre Produkte über Zwischenhändler vertrieb, profitierte in den folgenden Jahren von den bereits vorhandenen weitreichenden Handelsbeziehungen des S.schen Unternehmens. S. baute für die BASF eine eigene weltweite Verkaufsorganisation auf und schuf damit erste Voraussetzungen für die Entwicklung der BASF zu einem multinationalen Unternehmen. Die räumliche Trennung von Produktion und Vertrieb erwies sich jedoch als ungünstig, die Fusion wurde 1889 wieder gelöst. S. kaufte seine Stuttgarter Anlagen zurück, gründete 1889 die OHG „G. Siegle & Co.“ und weitete sein Geschäft durch Zukäufe und die Einrichtung weiterer Produktionsstätten auch im Ausland aus. Bis 1905 blieb er Mitglied des BASF-Aufsichtsrates, später folgten Familiemitglieder in diese Position nach. 1970 erwarb die BASF die bis dahin in Familienbesitz befindliche Siegle-Gruppe, die sich zu einem der bedeutendsten Hersteller von anorganischen und organischen Pigmenten und Pigmentzubereitungen entwickelt hatte.|Als Mitglied eines Kreises liberaler Stuttgarter Wirtschaftsbürger beteiligte sich S. auch an anderen zukunftsträchtigen Unternehmungen: 1869 war er an der Gründung der Württembergischen Vereinsbank beteiligt und wurde Mitglied im Aufsichtsrat. 1883 übernahm er den Vorsitz im Aufsichtsrat der Württembergischen Metallwarenfabrik (WMF), 1895 hielt die Familie S. über 50% der Aktien. S. und seine Nachkommen waren Hauptgesellschafter der 1890 gegründeten „Union Deutsche Verlagsgesellschaft“, in deren Aufsichtsrat die Familie S. ebenfalls vertreten war. Für die Stadt Stuttgart wurde S. zum Förderer und Stifter von Kultur- (Gustav-Siegle-Haus) und Wohlfahrtseinrichtungen. 1866 war er an der Gründung der Deutschen Partei in Württemberg beteiligt, 1887–98 war S. Reichstagsabgeordneter der Nationalliberalen Partei, 1893–1903 in deren Zentralvorstand; er war zudem Mitglied der ständigen Kommission für Arbeiterstatistik im Reichstag.

  • Auszeichnungen

    württ. Olgaorden (1871); Kriegsdenkmünze v. Stahl am Nichtkombattantenband (1872); GKR (1883); Dr. phil. h. c. (Tübingen 1897); Komturkreuz d. Ordens d. württ. Krone (1898); Ehrenmitgl. d. Dt. Kriegerver.Kgn. Olga“; Gedenktafel am Geb.haus in Nürtingen; Mitgl. d. Komm. f. Fragen d. Arbeiterversicherung d. Ver. z. Wahrung d. Interessen d. Chem. Ind., d. Schutzverbandes gegen agrar. Übergriffe u. d. Stuttgarter Gewerbever.

  • Literatur

    C. Glaser, in: Die Chem. Ind. 28, 1905, S. 641–43 (P);
    Noack, in: Zs. f. Angew. Chemie 18, 1905, S. 1841–43 (P);
    R. Piloty, G. S., Ein Lb. [1910] (P);
    W. Abelshauser (Hg.), Die BASF, 2002 (P);
    O. K. Deutelmoser, Kilian Steiner u. d. Württ. Ver.bank, 2003 (P);
    H. Binder, in: Lb. Baden-Württ. 20, 2002, S. 294–306 (P);
    RT-Abg. Liberale;
    Qu
    Baden-Württ. Wirtsch.archiv Stuttgart, Bestand WMF, Geislingen (P).

  • Portraits

    P Öl/Lwd. v. W. Auberlen, 1892 (im Bes. d. BASF), Kopie n. Gem. v. F. Lenbach.

  • Autor/in

    Jutta Kissener
  • Empfohlene Zitierweise

    Kissener, Jutta, "Siegle, Gustav von" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 355-356 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117364711.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA