Lebensdaten
1853 bis 1932
Geburtsort
Spandau bei Berlin
Sterbeort
Fürstenwalde/Spree
Beruf/Funktion
preußischer Generaloberst ; Chef des Militärkabinetts
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 117333379 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lyncker, Moriz Freiherr von

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Zitierweise

Lyncker, Moriz Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117333379.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Arthur (1814–95), preuß. Major, S d. preuß. Rittmeisters Friedrich u. d. Henriette v. Skrebensky;
    M Emma (1829–1916), T d. Färbereibes. Christian Siecke in Wriezen u. d. Henriette Siecke;
    B Kurt (s. Einl.);
    - Potsdam 1889 Anne-Marie (1857–1945), T d. Bodo Frhr. v. d. Horst (1838–1926), preuß. Gen.-Lt., u. d. Valeska Schröder;
    3 S (2 ⚔), 3 T, u. a. Anne Marie (* 1901), Oberin d. Maidenschule in Obernkirchen.

  • Leben

    L. begann seine militärische Karriere 1870 im Kaiser-Franz-Garde-Grenadier-Rgt. Nr. 2 in Berlin, mit dem er am deutsch-franz. Krieg 1870/71 teilnahm. Nach seiner Beförderung zum Leutnant besuchte er die Kriegsakademie und diente seit 1881 im 1. Garde-Rgt. zu Fuß. 1887 wurde er Adjutant beim Kronprinzen, dem späteren Kaiser Friedrich III., und 1888 wurde er in den Generalstab versetzt. Nach einem Truppenkommando als Bataillonskommandeur des Garde-Füsilier-Rgt. im Jahre 1894 war er 1895-1900 Erster Militärgouverneur (Erzieher) der kaiserl. Prinzen (Oberstleutnant 1896, Oberst 1898). Nach mehreren sich an diese Zeit anschließenden Kommandeurverwendungen, unter anderem als Kommandeur des Königin-Elisabeth-Garde-Grenadier-Rgt. (1902), wurde er 1908 General-Adjutant Wilhelms II. und Chef des Militärkabinetts. Seine Beförderung zum General der Infanterie erfolgte 1909. Als Chef des Militärkabinetts, das eine selbständige Institution neben dem Kriegsministerium und dem Generalstab war, trug er die Verantwortung für alle Personalangelegenheiten des Heeres, d. h. für Stellenbesetzungen, Beförderungen und Ordensverleihungen. Seine gute Zusammenarbeit mit dem Chef des Marinekabinetts, Georg v. Müller, und dem Chef des Zivilkabinetts, Rudolf v. Valentini, sicherte ihm wie auch diesen beiden einen gewissen Einfluß auf Wilhelm II. Der Vorwurf, eine „Kamarilla um den Kaiser“ gebildet zu haben, kann nicht von der Hand gewiesen werden. Eine bedeutende Rolle spielte L. zusammen mit seinem Stellvertreter Ulrich v. Marschall-Greiff bei der Berufung Falkenhayns als Nachfolger Moltkes in die Stellung des Chefs des Generalstabes des Feldheeres. L. unterstützte Falkenhayn energisch gegen Anfeindungen aus dem Generalstab und gegen Intrigen von seiten einer Gruppierung von Militärs und Politikern, die bereits zum Jahreswechsel 1914/15 beabsichtigte, Falkenhayn durch Hindenburg und Ludendorff zu ersetzen. Nachdem Falkenhayn an Ansehen verloren hatte, sah sich L. am 28.8.1916 gezwungen, dessen Entlassung zuzustimmen und die „Sieger von Tannenberg“, Hindenburg und Ludendorff, trotz schwerer Bedenken als Nachfolger vorzuschlagen. Sein nüchternes Urteil über die Strategie der 3. Obersten Heeresleitung (OHL) und den Ernst der Kriegslage brachte ihm bei Ludendorff den Ruf des „Pessimisten und Flaumachers“ ein und führte zu wiederholten Konflikten mit der OHL.

    L. war ein ernster und ruhiger Mann. Dem Kaiser war er treu ergeben, wobei er ihm gegenüber vielfach eigene Ansichten formulierte und kraftvoll vertrat. Wilhelm II. empfand für ihn eine hohe Achtung, die auch von L.s ganzer Umgebung geteilt wurde. In seinem Kompetenzbereich konnte er sich weitgehend die Entscheidungsfreiheit bewahren. Weil L., so wie die anderen Kabinettschefs auch, letztlich nur eine beratende Funktion hatte, sank mit der zunehmenden Entmündigung des Kaisers durch die OHL auch der Einfluß des Chefs des Militärkabinetts. Sein Eintreten für einen rechtzeitigen Verständigungsfrieden und gegen das Festhalten der OHL an einem Siegfrieden führte im Juli 1918 dazu, daß Ludendorff L.s Verabschiedung durchsetzte, die in der Öffentlichkeit als Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen bezeichnet wurde. L. übernahm nun die Position des Präsidenten des Reichsmilitärgerichts, von der aus er 1919 seinen Abschied vom Staatsdienst nahm.

  • Literatur

    R. v. Valentini, Kaiser u. Kab.chef, Nach eigenen Aufzeichnungen u. d. Briefwechsel d. WGR Rud. v. Valentini, hrsg. v. B. Schwertfeger, 1931;
    Gg. Alex. v. Müller, Regierte d. Kaiser? Kriegstagebücher, Aufzeichnungen u. Briefe d. Chefs d. Marinekab. Admiral G. A. v. Müller, hrsg. v. W. Görlitz, 1959;
    ders., Der Kaiser …, Aufzeichnungen d. Chefs d. Marinekab. Admiral G. A. v. Müller, hrsg. v. W. Görlitz, 1965;
    E. P. Guth, Der Gegensatz zw. d. Oberbefehlshaber Ost u. d. Chef d. Gen.stabes d. Feldheeres 1914/15, in:|Mil.geschichtl. Mitt., 1984, H. 1;
    K.-H. Janßen, Der Kanzler u. d. General, Die Führungskrise um Bethmann Hollweg u. Falkenhayn (1914–16), 1967;
    E. R. Huber, Dt. Vfg.gesch. seit 1789, 3. Bd., 1963, S. 817-20;
    W. Deist, Kaiser Wilhelm II. in the context of his military and naval entourage, in: J. C. G. Röhl u. N. Sombart (Hrsg.), Kaiser Wilhelm II., New Interpretations, 1982, S. 169-92.

  • Portraits

    Phot. in: Gotha. Genealog. Taschenbuch d. Frhl. Häuser 1919.

  • Autor/in

    Ekkehart P. Guth
  • Empfohlene Zitierweise

    Guth, Ekkehart P., "Lyncker, Moriz Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 587-588 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117333379.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA