Lebensdaten
1853 bis 1912
Geburtsort
Spittewitz bei Meißen
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Germanist ; Schulmann
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 117332232 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lyon, Otto
  • Lyon, O.

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Zitierweise

Lyon, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117332232.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Moritz, Lehrer;
    M Eva Rosalie Hofmann;
    1890 Jenny, T d. N. N. Herkner, Justizrat, Rechtsanwalt in Döbeln;
    1 T.

  • Leben

    L. wurde nach dem Besuch der Volksschule 1867-72 im kgl. Lehrerseminar Nossen (Sachsen) ausgebildet. Anschließend war er bis 1875 Lehrer am Waisenhaus in Pirna. Seit 1875 studierte er an der Univ. Leipzig Philosophie, Geschichte, Kunstgeschichte und vor allem Deutsche Philologie bei Rudolf Hildebrand und Friedrich Zarncke. Im Frühjahr 1879 bestand er die Prüfung als Kandidat des höheren Schulamts und erhielt eine Anstellung als Oberlehrer an der Realschule I. Ordnung in Döbeln (Sachsen). Mit der Dissertation „Goethes Verhältnis zu Klopstock“ wurde er 1880 promoviert. 1884 wechselte er an das Realgymnasium Annenschule zu Dresden über (1898 Professor). Im Januar 1900 wurde er vom Rat der Stadt Dresden als Stadtschulrat berufen.

    Von seinem Lehrer Hildebrand übernahm L. die hohe Einschätzung des Deutschunterrichts als Mittelpunkt aller schulischen Bildung sowie die Ideen zu einer Reformierung des Faches. Neben der Kenntnis der Grammatik sollte im Deutschunterricht vor allem das Verständnis der durch Funktionalisierung und Abstraktion überdeckten sinnlich-anschaulichen Elemente gefördert werden, unter anderem durch die Berücksichtigung älterer Sprachstufen und mundartlicher Redeweisen. Die zeitgenössische und mehr noch die klassische Dichtung sollte aus der besonderen Situation und Stimmungslage ihrer Entstehung erfaßt werden. Für die unteren Klassen war ein nach Altersstufen systematisch aufgebautes deutsches Lesebuch als Grundlage vorgesehen. L.s „Deutsche Grammatik und kurze Geschichte der deutschen Sprache“ (1891) war etwa fünf Jahrzehnte im Gebrauch. In den Streit um die für die besondere Pflege des Deutschunterrichts am besten geeignete Schulform ließ L. sich nicht ein. Faktisch aber gab er dem Realgymnasium, das durch Stundenzahlen, Fächerkanon u. a. dafür die größeren Möglichkeiten bot, den Vorzug vor dem durch den altsprachlichen Unterricht dominierten humanistischen Gymnasium.

    Als ein Forum, das sich zur Aufgabe machte, Hochschul- und Schulgermanistik zu verbinden, gründete L. in Leipzig die „Zeitschrift für den deutschen Unterricht“ (1, 1887), die bald zum maßgebenden Organ wurde und auch als „Lyonsche Zeitschrift“ weithin bekannt war. In der Situation der neu gewonnenen staatlichen Einheit wollte die Zeitschrift dazu beitragen, aus der auch nach der Reichsgründung noch vorhandenen schulischen und bildungspädagogischen Uneinheitlichkeit herauszuführen durch eine vom Deutschunterricht bestimmte vaterländische Bildung. Vorbereitend wirkte sie auf die Gründung des „Deutschen Germanisten-Verbands“ 1912 in Frankfurt, insofern ein beträchtlicher Teil derer, die dazu aufgerufen hatten, zuvor als Mitarbeiter in L.s Zeitschrift in Erscheinung getreten war. Es blieb nicht aus, daß die zunächst nationalliberal konzipierte Zeitschrift sich zunehmend deutschnationalen Einflüssen öffnete. Nach L.s Tod von W. Hofstaetter und F. Panzer herausgegeben, erschien sie seit 1920 unter dem Titel „Zeitschrift für Deutschkunde“ (bis 1943). In ihr haben auch während der Zeit des Nationalsozialismus viele namhafte Hochschulgermanisten veröffentlicht.

  • Werke

    Neubearb. älterer Werke: J. A. Eberhards Synonym. Hdwb. d. dt. Sprache, 131881, 171910;
    C. A. Heyses Dt. Grammatik od. Lehrb. d. dt. Sprache, 241886, 271907;
    J. C. A. Heyses Allg. u. erklärendes Fremdwb., 171892, 191910. - Schrr. f. d. Deutschunterricht:
    Hdb. d. dt. Sprache f. höhere Schulen, 2 T., I: f. Sexta bis Tertia, mit Übungsaufgaben, II: Stilistik, Poetik u. Lit.gesch. f. obere Klassen, 1885, 111910. -
    Gekürzte Fassungen: Hdb. d. dt. Sprache f. höhere Schulen, Mit Übungsaufgaben, Für preuß. Schulen eingerichtet, 1902 (mit W. Scheel);
    Hdb. d. dt. Sprache f. Präparandenanstalten u. Seminare, Mit Übungsaufgaben (Ausg. C), 1902 (mit P. Pollack);
    Die Lektüre als Grundlage e. einheitl. u. naturgemäßen Unterrichts in d. dt. Sprache sowie als Mittelpunkt nat. Bildung, Dt. Prosastücke u. Gedichte erl. u. behandelt, I: Sexta bis Tertia, 1890, 31904. - Schrr. zu Lit. u. Kunst:
    Minne- u. Meistergesang, Bilder aus d. Gesch. altdt. Lit., 1882;
    Martin Greif als Lyriker u. Dramatiker, 1885;
    Das Pathos d. Resonanz, Eine Philos. d. neuen Kunst u. d. neuen Lebens, 1900.

  • Literatur

    J. Sahr, in: Zs. f. d. dt. Unterricht 26, 1912, S. 593-606 (P);
    H. J. Frank, Gesch. d. Deutschunterrichts, Von d. Anfängen bis 1945, 1973, S. 507-09, 517-22;
    Brümmer;
    BJ 18 (Tl.);
    Kosch, Lit.-Lex.3.

  • Autor/in

    Herbert Kolb
  • Empfohlene Zitierweise

    Kolb, Herbert, "Lyon, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 590 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117332232.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA